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Finanzkrise: Die Wirtschaft hat Angst vor der Panik

An den Börsen gehört die Talfahrt schon zum traurigen Alltag. Doch während die Banken kränkeln, ist die deutsche Realwirtschaft noch nicht von der Krise angesteckt worden. Im Gegenteil, die Auftragsbücher sind voll. Trotzdem fragen sich Handwerk, Bauwirtschaft und Co, wann die Panik der anderen sie einholt.

Von Angelika Dehmel

Der Dax fällt und fällt, strauchelnde Banken brauchen einen Milliardenkredit nach dem anderen, und das Schreckensgespenst Rezession geht uns durch den Kopf. Auch wenn noch nicht alle Langzeitfolgen der Kreditkrise im vollen Maße absehbar sind, könnten die Nachwehen gerade für die deutsche Realwirtschaft schmerzhaft sein. Bereits jetzt gebe es "erste Bremsspuren beim deutschen Außenhandel", sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). Laut Statistischen Bundesamt sanken im August die deutschen Exporte um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das sei zwar, so Börner, primär noch Schuld des starken Euros und des hohen Ölpreises. Doch inzwischen nimmt der Druck durch die Finanzkrise zu. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte Mitte der Woche seine Wachstumsprognose für 2008 von zuvor 2,7 Prozent auf 1,9 Prozent gesenkt. Für 2009 rechnen die Forscher nur noch mit 1,0 Prozent Wachstum. "Es ist nun entscheidend, dass alle Hebel in Gang gesetzt werden, um die Finanzmärkte zu beruhigen", sagt Börner. Auswirkungen auf die Vergabe von Krediten habe es bisher aber noch nicht geben.

Ein Schneeballeffekt ist nicht auszuschließen

Beim Handwerk sieht das etwas anders aus. Bereits seit Jahren wurde es schwieriger, vor allem für kleine und mittlere Betriebe, Kredite bewilligt zu bekommen: "Und das verschärft sich jetzt, da sich die Eigenkapitalversorgung der Banken durch die Finanzkrise erheblich verschlechtert hat", so Hanns Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Ob die Auftragslage des Handwerks von der Krise beeinflusst wäre, kann man laut ZDH noch nicht sagen. Man müsse erst den nächsten Konjunkturbericht abwarten, so Alexander Legowski, Pressesprecher des ZDH. Doch falls Auftragsgeber oder Zulieferer wegfallen, könne man einen Schneeballeffekt nicht ausschließen.

In der Bauindustrie ist die Krise noch nicht angekommen: "Wir sind gut ausgelastet, alle Indikatoren zeigen nach oben: Wir haben bis jetzt keine Kreditklemme", sagt Heiko Stiepelmann, Chefvolkswirt des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Gerade in den Branchen Wirtschaft und öffentliche Aufträge gebe es ein Auftragsplus. Private Hausbauer seien jedoch vorsichtiger geworden. Doch auch wenn bisher noch keine Krise in der Branche zu spüren ist - die Angst davor ist da: "Wenn die Investoren unsicher sind oder Bauvorhaben wegen Finanzierungsschwierigkeiten abgesagt werden, dann könnte es auch für die Baubranche 2009 kritisch werden", so Stiepelmann. Doch bisher habe sich die Baubranche von den Problemen der Finanzinstitute fern halten können.

Geldinstitute schauen genauer hin

Eine Verschärfung der Lage kann auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) nicht ausschließen. Doch bisher hätten die Unternehmen laut DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben kaum Engpässe bei der Kreditvergabe durch Sparkassen und Banken. In einer Umfrage der DIHK gaben 73 Prozent der Kreditnehmer der Branche an, keine Änderungen in ihren Kreditkonditionen bemerkt zu haben. Banken würden aber mehr Sicherheiten oder Risikozuschläge verlangen, bevor sie einen Kredit vergeben.

Dass die Geldinstitute etwas genauer hinschauen, wem sie Geld verleihen, das bestätigt auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Laut Josef Trischler, Mitglied der VDMA Geschäftsleitung, sind aber die Auftragsbücher nach wie vor gut gefüllt, auch wenn der Auftragseingang aufgrund einer schwachen Auslandsnachfrage im August um real zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr abgenommen habe. Wann und ob die Finanzkrise ein echtes Problem werden könnte, das sei laut Tischler bisher nicht genau abzusehen. Man muss abwarten.