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Finanzkrise: HSH Nordbank streicht jede vierte Stelle

Die schwer angeschlagene HSH Nordbank streicht im Zuge ihrer Neuausrichtung jeden vierten Arbeitsplatz. Die Zahl der Vollzeitstellen werde bis 2012 im Konzern um 1100 auf 3250 verringert, teilte die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein mit. Außerdem fordert sie von ihren Eigentümern eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro.

Die mit Milliarden-Verlusten kämpfende HSH Nordbank will im Verlauf ihrer Neuausrichtung rund 1100 Stellen abbauen. Bis 2012 soll die Bilanzsumme der Bank zudem um etwa die Hälfte auf 115 Milliarden Euro sinken, berichtete das Institut im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag in Hamburg. Damit verbunden sei der Abbau auf etwa 3250 Vollzeitstellen. Die HSH Nordbank wurde wie die BayernLB, die LBBW in Stuttgart oder die WestLB schwer von der Finanzkrise getroffen.

Wie zuvor bereits die BayernLB wird auch die HSH Nordbank kräftig zurechtgestutzt. Die HSH Nordbank werde sich strategisch neu ausrichten und auf die Heimatregion Hamburg und Schleswig-Holstein sowie die Schlüsselindustrien Norddeutschlands wie Schiffbau, Luftfahrt, erneuerbare Energien konzentrieren. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst", sagte Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher. "Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage sind wir mehr denn je gefordert, die Kreditversorgung der Wirtschaft sicherzustellen."

Das neue Geschäftsmodell der HSH Nordbank, das am Dienstag vom Aufsichtsrat sowie vom Hamburger Senat und der schleswig- holsteinischen Landesregierung und den zuständigen Ausschüssen der Parlamente beraten wurde, soll unter anderem eine Kernbank und eine Abbaubank umfassen, die im Unterschied zu einer diskutierten "Bad Bank" zur Entsorgung fauler Wertpapiere sämtliche nicht strategischen Bereiche umfassen soll. Trennen werde sich die HSH Nordbank vor allem von Auslandsaktivitäten, zum Beispiel dem Immobiliengeschäft in Europa oder dem Firmenkundengeschäft in Asien und Skandinavien. Den Rückzug aus diesen Aktivitäten will die Bank nach und nach und im Dialog mit den Betroffenen gestalten.

Die Bank hat 2008 mit einem Verlust von bis zu 2,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Allein die Belastungen aus der Finanzmarktkrise belaufen sich für 2007 und 2008 auf rund 3,8 Milliarden Euro; dazu kommen erhöhte Rückstellungen für vergebene Kredite. Die Bank hat bereits den Rettungsschirm des SoFFin mit 30 Milliarden Euro in Anspruch genommen und davon zehn Milliarden Euro auch genutzt. Bis zum kommenden Dienstag (24.2.) muss die Bank dem SoFFin ein Konzept für die künftige Kapitalausstattung und das Geschäftsmodell der Bank vorlegen. Größte Anteilseigner der Bank sind Hamburg (30,41 Prozent), Schleswig-Holstein (29,1), der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig- Holstein (13,2) sowie eine Gruppe um US-Investmentbanker J. Cristopher Flowers (25,67).

Hamburg und Schleswig-Holstein sollen eine Eigenkapitalspritze in Höhe von drei Milliarden Euro geben sowie eine weitere Sicherheitsgarantie über zehn Milliarden Euro. Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) sprach in einer gemeinsamen Sitzung des Haushalts- und Finanzausschusses der Länder Hamburg und Schleswig- Holstein von der schwersten Krise in der Geschichte der Bank, für die eine Lösung gefunden werden müsse. Der Kieler Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) appellierte an die Ausschussmitglieder, sich zu fragen, ob das Geschäftsmodell der HSH Nordbank tragfähig ist und welche Lehren aus der Krise gezogen werden könnten.

Erhält die Bank die von ihr geforderten Mittel, kann sie eine Eigenkapitalquote von rund neun Prozent aufweisen. Das reicht den Angaben zufolge aus, um die erwarteten Verluste der Jahre 2009 und 2010 abzudecken und immer noch sieben Prozent Eigenkapital auszuweisen, wie es vom SoFFin gefordert wird. Bankchef Nonnenmacher verteidigte den Wunsch seiner Bank nach einer Kapitalerhöhung und weiteren Schutzgarantien. "Wir gehen als Bank davon aus, dass 2009 und 2010 sehr schwierige Jahre sein werden. Wir gehen dann davon aus, dass im Jahr 2011 langsam eine Erholung einsetzt und das Jahr 2012 wieder ein 'normaleres Jahr' wird", sagte er. Ausschüttungen kündigte er für frühestens 2011 an.

DPA / DPA