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Flugzeugbau: EADS stimmt Airbus-Sparprogramm zu

Der EADS-Verwaltungsrat hat dem Sparprogramm "Power8" einstimmig zugestimmt. Die Airbus-Mitarbeiter befürchten, dass der Plan auch den Wegfall tausender Jobs bei dem angeschlagenen Flugzeugbauer vorsieht.

Nach monatelangem Tauziehen will der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS an diesem Mittwoch die Beschäftigten über sein drastisches Sanierungsprogramm für die angeschlagene Flugzeugtochter Airbus informieren. Die Pläne für die Neuorganisation von Airbus sollten zunächst mit dem Europäischen Betriebsrat und danach mit den anderen Arbeitnehmervertretungen besprochen werden, teilte die EADS in Amsterdam mit. Der Verwaltungsrat habe das Programm "Power8"einstimmig gebilligt. "Es ist eine Lösung gefunden worden, die gut ist für die EADS und für Airbus», sagte ein EADS-Sprecher in München, ohne Einzelheiten zu nennen.

Beschäftigte und Gewerkschaften befürchten durch das Sparprogramm für die Flugzeugtochter, die vor allem wegen Verzögerungen beim Großraumflieger A380 in die Krise geflogen war, den Wegfall tausender Arbeitsplätze. Das Unternehmen erklärte lediglich, die Details zu "Power8" würden im Anschluss an die Information der Arbeitnehmervertretungen der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Ob dies ebenfalls bereits am Mittwoch geschehen soll, wurde zunächst nicht bekannt. Der Verwaltungsrat habe dem Management von EADS und Airbus seine uneingeschränkte Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne zugesichert, hieß es.

Das Sanierungsprogramm solle Airbus besser auf die Herausforderungen der US-Dollar-Schwäche sowie der finanziellen Auswirkungen der Verspätungen beim neuen Großraum-Passagierjet A380 und des zukünftigen Investitionsbedarfs vorbereiten, erklärte das Unternehmen. Der Plan werde 2010 zu einem Beitrag beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Godwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten von 2,1 Milliarden Euro führen.

Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm bereits am 20. Februar veröffentlicht werden sollen. Doch wegen strittiger Fragen um die Airbus-Standorte hatte EADS die Bekanntgabe verschoben. Einen Disput mit Berlin lösten Äußerungen von Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin aus, dass 10 000 Stellen europaweit bei Airbus wegfallen sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatten sich daraufhin bei einem Treffen am vergangenen Freitag für eine faire Lastenverteilung bei der Airbus- Sanierung ausgesprochen. Zuletzt galt nicht mehr so sehr der Arbeitsplatzabbau als umstritten, als vielmehr die Aufteilung der Produktionsstandorte mit zukunftsträchtigen Technologien.

Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte berichtet, die deutsche Seite habe in der Standortfrage einen Verhandlungserfolg erzielt. Das Airbus-Erfolgsmodell A320 solle künftig in Hamburg zusammengebaut werden, hatte das Magazin ohne Angaben von Quellen berichtet. Damit müssten die Franzosen das Modell an die Deutschen abgeben. Auch der Nachfolger des A320, bei dem die neue Bauweise aus Kohlenfaserverbundstoff (CFK) vorgesehen ist, solle in Deutschland produziert werden. Im Gegenzug erhalte der Airbus-Standort Toulouse den Zuschlag für die A350-Endmontage, hieß es im "Focus". Für den geplanten Langstreckenflieger sollten die norddeutschen Werke aber auch Teile der Rumpfproduktion und Kabinenausstattung bekommen. Die Produktionsverteilung beim A350 hatte dem Vernehmen nach einen Streit in dem Verwaltungsrat ausgelöst.