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Arm gegen reich beim Bundesligastart

Den Fussballclubs aus dem »Armenhaus« der Liga bleibt die Möglichkeit Geld durch einen Börsengang zu beschaffen. Doch das ist nur bei dauerhaftem Erfolg gut.

Mit dem Anpfiff zum Spiel Borussia Dortmund gegen den 1. FC Nürnberg beginnt an diesem Samstag (28.) nicht nur die 39. Bundesligasaison, sondern auch die Neuauflage des Duells Arm gegen Reich. Während das seit Oktober vergangenen Jahres einzige börsennotierte Fußball-Unternehmen Deutschlands, Borussia Dortmund, nämlich über ein dickes Finanzpolster verfügt, leben Vereine wie Nürnberg oder St. Pauli häufig fast von der Hand in den Mund.

Schere wird größer

Und die Schere zwischen Vereinen wie Borussia Dortmund oder den reichen Münchner Bayern und dem Armenhaus der Liga wird immer größer. Während Dortmund in diesem Jahr allein für drei neue Spieler rund 100 Millionen DM auf den Tisch legte, konnten sich die Nürnberger in der Sommerpause gerade einmal für 2,25 Millionen DM auf dem Transfermarkt verstärken. Entsprechend gilt bei Experten ein Börsengang mittlerweile fast als einziges Mittel für einen Club, um gegen nationale wie internationale Konkurrenz bestehen zu können.

Geld durch Börsengang

»Ein Börsengang oder eine andere Art der Kapitalbeschaffung ist für einen dauerhaften Erfolg fast unumgänglich«, sagt Lars von Cleff, Fußballanalyst bei der Deutschen Bank. Auf der anderen Seite kann ein Verein nur an die Börse gehen, wenn er langfristig sportlich erfolgreich ist. »Gradmesser hierfür ist die Teilnahme am internationalen Geschäft, da hier am meisten Geld verdient wird«, erklärt Cleff.

Stimmige Wirtschaftsdaten gefordert

Doch neben dem sportlichen Erfolg müssen vor allem die wirtschaftlichen Daten stimmen, um die kritischen Börsianer zufrieden zu stellen. Der Aktienkurs des italienischen Erstligisten AS Rom stürzte im vergangenen Juni genau zu dem Zeitpunkt um rund 40 Prozent ab, als der Verein erstmals seit 1983 den Gewinn der italienischen Meisterschaft feiern konnte. Gerüchte über überhöhte Prämien an die Spieler zogen damals nach Meinung von Analysten den Kurs nach unten.

Bisher nur ManU erfolgreich

Für den an Fußballaktien interessierten Anleger war bislang nur der Börsengang des weltweit wirtschaftlich erfolgreichsten Vereins, Manchester United, ein Gewinn. Mit Juventus Turin plant derzeit ein weiteres europäisches Fußballschwergewicht den wagemutigen Sprung vom Stadionrasen aufs glatte Börsenparkett.

Bayern München sträubt sich

In Deutschland stemmt sich ausgerechnet Branchenprimus und Rekordmeister Bayern München vehement gegen einen Börsengang. Manager Uli Hoeneß will den Verein zwar in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Er sucht aber bevorzugt nach einem großen strategischen Partner, um an frisches Kapital zu kommen. Der Spargroschen der Fans ist für den Meistermacher von der Isar nach Einschätzung von Beobachtern bei seinen Plänen von untergeordnetem Interesse.

Weitere Clubs lassen auf sich warten

Branchenexperte Cleff erwartet daher auch in naher Zukunft keinen weiteren Börsengang eines deutschen Fußballclubs. Es gibt zwar noch zahlreiche Vereine, die bereits die rechtlichen Voraussetzungen für einen solchen Schritt geschaffen haben. Konkrete Pläne sind in Finanzkreisen derzeit allerdings nicht bekannt. Die Rechtsform der Aktiengesellschaften (AG) haben nur der FC Schalke 04 und Zweitligist Eintracht Frankfurt gewählt. Hannover 96 und Hertha BSC firmieren wie Borussia Dortmund als so genannte Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Auch Wolfsburg und Leverkusen sind schon längst keine Vereine mehr, sondern Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHs).

In Europa nichts Ungewöhnliches mehr

Im Gegensatz zur Bundesliga ist im europäischen Ausland dagegen der Börsengang von Fußballvereinen offenbar ein beliebter Weg, um an frisches Kapital beispielsweise für ein neues Stadion zu gelangen. In England könnten die börsennotierten Fußballclubs fast schon eine eigene Liga mit 17 Mannschaften gründen. Insgesamt 13 Clubs werden außerdem an den Börsen in Dänemerk (6), Schottland (3), Italien (2), der Schweiz (1) und den Niederlanden (1) gehandelt.

Bernd Zeberl

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