VG-Wort Pixel

General Electric "Desertec ist sehr ambitioniert"


"Laptop und Lederhose" ist eine in Bayern gern benutzte Formel für umweltfreundliches Wachstum. Der US-Mammutkonzern General Electric ist in Garching nahe München mit diesem Ziel angetreten. stern.de sprach mit Georg Knoth, Deutschland-Chef von GE, über die Wirtschaftskrise, Kurzarbeit und Energie aus der Wüste.

Herr Knoth, rund 7000 Arbeitsplätze hat Ihr Konzern General Electric (GE) in der Bundesrepublik. Sind diese sicher oder müssen sie ebenfalls über Stellenabbau oder Kurzarbeit nachdenken?

Bisher mussten wir nur Anpassungen in geringerem Umfang vornehmen. Wir sehen Deutschland als einen wichtigen Wachstumsmarkt im Bereich umweltfreundliche Technologie, Forschung und Entwicklung. Aber auch für neue Technologien etwa im Bereich Flugzeugtriebwerke, wo wir in Regensburg einen neuen Standort eröffnet haben.

Wie schlägt sich GE in der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise? GE wird ja gerne als Spiegelbild der amerikanischen Wirtschaft bezeichnet.

Wenn man sich die Ergebnisse des ersten Quartals ansieht, sind wir angesichts des sehr schwierigen Umfelds durchaus zufrieden. Wir haben fast drei Milliarden Dollar verdient und davon über eine Milliarde im Finanzbereich. Aber wir müssen jetzt vor allem an die Zeit nach der Krise denken und hier wiederum an den Bereich Forschung und Entwicklung. Wir werden, da bin ich ganz sicher, gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Es gab im Frühjahr Berichte, GE könne ein Opfer der Kreditkrise werden. An der Börse sind die GE-Aktien bis zu 70 Prozent nach unten gegangen.

Der Aktienkurs hat sich wieder deutlich erholt. Das Finanzgeschäft wird auch nach der Krise, wenn auch etwas kleiner, eine wichtige Säule des Konzerns bleiben. Gerade für die Finanzierung des Mittelstands.

Sind Mischkonzerne wie GE, die Geld mit Glühbirnen und Flugzeugmotoren und Mikrowellen sowie Röntgengeräten und und und verdienen, stabiler in der Krise als einseitiger aufgebaute Unternehmen?

Auf jeden Fall. Denn unser Geschäft ist global und nicht alle Märkte der Welt befinden sich gleich schwer in der Rezession. Vor allem im asiatischen Raum gibt es weiterhin gute Wachstumschancen, auch im Mittleren Osten oder in Südamerika, dort vor allem in Brasilien. Man kann in der Krise durchaus Erfolg haben, wenn man die richtigen Produkte anbietet, wie wir dies derzeit mit neuen Flugzeugtriebwerken tun.

GE wird in Deutschland oft nur als Konkurrent von Siemens wahrgenommen. Ärgert sie das?

Überhaupt nicht. Wir respektieren unsere Wettbewerber. Dass wir in Deutschland oft mit Siemens verglichen werden, liegt doch auf der Hand. Und es freut uns, dass unser Konkurrent global wichtige Themen wie Umwelttechnologien, die wir schon 2005 aufgenommen haben, jetzt auch anpackt. Das belebt das Geschäft und dient der Sache.

Wie wichtig ist Deutschland als Standort für GE? Sowohl auf Forschungsseite als auch im Markt?

Deutschland ist und bleibt für uns eine Kernregion weltweit betrachtet. Es gibt hervorragend ausgebildete Mitarbeiter, wir kommen hervorragend voran bei den erneuerbaren Energien und in der Gesundheitstechnik. Gerade bei den so genannten grünen Technologien liegt Deutschland an der Spitze und davon wollen wir uns einen ordentlichen Anteil erobern. Was die Forschung betrifft, haben wir natürlich nicht zufällig eins von vier unserer weltweiten Forschungszentren in Garching eröffnet. Das hat soeben seinen fünften Geburtstag gefeiert. Seit seinem Bestehen haben wir über 100 Millionen Euro in Infrastruktur und Projektarbeit investiert.

Was sind die Schwerpunkte in Garching?

Vor allem alternative Energien. Es geht aber auch um Medizintechnik und Sicherheitssysteme. Wichtig ist die Forschung im Bereich Faserverbundstoffe. Das wird jetzt alles in sehr teurer Handarbeit gemacht. Und wenn uns die laufenden Projekte auf diesem Feld gelingen, wäre das eine technologische Revolution.

Und Sie sind zufrieden für ihre Entscheidung, nach Bayern zu gehen?

Absolut. Das war eine Erfolgsgeschichte für uns und für Bayern. Edmund Stoiber hat zu seinen Amtszeiten ja wie ein Löwe für Garching gekämpft. Das Projekt passt ja auch wie maßgeschneidert in die politische Vision Bayerns, die da lautet "Laptop und Lederhose". Wir profitieren auch von der guten Forschungskooperation mit der TU München. Garching ist eine richtige Erfolgsgeschichte und das hat auch Ministerpräsident Seehofer bestätigt.

Im Gesundheitswesen sind Sie auch aktiv mit einer Initiative "Green Hospital". Was steckt dahinter?

Wir wollen das europaweit erste ökologisch nachhaltige Krankenhaus der Welt entwickeln. Dazu haben wir gerade mit den Asklepios-Kliniken einen Kooperationsvertrag geschlossen. Der Um- und Neubau des Asklepios-Krankenhauses in Hamburg-Harburg wird als erster Pilotprojekt in Europa vollständig unter ökologischen Gesichtspunkten geplant und gestaltet. Die Idee hat großes Potenzial, denn Kliniken sind enorm energieintensiv!

In Bundespräsident Horst Köhler haben Sie einen wichtigen Verbündeten, denn er hat eine ökologische Revolution in der Wirtschaft gefordert. Ist GE dafür gerüstet?

Das will ich doch meinen. Wir haben früher als andere Unternehmen die Kraft und Bedeutung grüner Technologien erkannt. Sie sind die Schlüsselindustrien in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Wir setzen sehr darauf, wenn wir jetzt etwa in Salzbergen an unsere 2.5 Megawatt-Windenergieanlage denken, die wir entwickelt haben und nun auch sehr erfolgreich verkaufen. Oder auch auf Restwärme-Rückgewinnungssysteme bei unseren Gasmotoren. Im Mittelpunkt steht hier überall, was der Bundespräsident fordert: Mehr Energieeffizienz bei gleichzeitiger Verringerung der Umweltbelastung.

GE ist bei Windenergieanlagen Marktführer. Bleibt das aus Ihrer Sicht ein Wachstumsmarkt? Wohin geht die Entwicklung?

Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unseres Windgeschäfts, insbesondere mit dem großen Standort im niedersächsischen Salzbergen. Das ist auch zurückzuführen auf den Start unserer 2.5 Megawatt-Windenergieanlage. Unsere Auftragsbücher sind voll. Wir haben einen Orderbestand von fast einem Gigawatt. Das ist sehr zufriedenstellend. Man muss aber hinzusagen, dass die gesamte Windindustrie unter der weltweiten Rezession leidet, vor allem was die Projektfinanzierung angeht, etwa Windparks in den USA oder in Osteuropa. Das wird sich in 2010 fortsetzen. Für 2011 hingegen erwarte ich dann wieder starke Wachstumsraten.

In München ist jetzt der Startschuss für die Wüstenstrominitiative "Desertec" gefallen. 15 Prozent des Stromverbrauchs in Europa sollen künftig aus der Sahara kommen. Kritiker zweifeln an der Machbarkeit des Projekts. Sie auch?

Das ist sicherlich ein sehr ambitioniertes Unternehmen, dazu noch in einem sehr frühen Stadium. Es gibt natürlich sehr hohe finanzielle und sicherheitstechnische Risiken. Warten wir also einmal ab, wie sich das Projekt entwickelt. Wir selbst sind an solarthermischen Projekten etwa in Arizona selbst auch beteiligt.

Der Kampf gegen umweltschädliches CO2 ist auf dem jüngsten G8-Gipfel zum globalen Ziel ernannt worden. Geben Sie dem Wunsch, dass die Erde sich nicht mehr als 2 Grad bis 2050 erwärmt eine Chance? Sind denn die entsprechenden Technologien überhaupt verfügbar?

Die Erklärung auf dem Gipfel ist ein theoretischer Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend wird aber sein, wie diese Pläne in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Darüber ist nichts gesagt worden auf dem Gipfel. Viele der notwendigen Technologien existieren heute ja schon. Man müsste sie nur konsequent anwenden. Nehmen wir das Beispiel Kohleenergie. Kohle wird weltweit ein sehr wichtiger Energieträger bleiben. Russland und China investieren sehr stark in Kohle. Und wir sollten verstärkt in saubere Kohlkraftwerke investieren. Gerade Deutschland sollte hier eine Führungsrolle übernehmen. Das würde viele zukunftsträchtige Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Wir müssen eine Exportnation für umweltfreundliche Technologien sein.

Mit welchen Hoffnungen sehen Sie der Bundestagswahl entgegen? Mit schwarz-gelben?

Wir hoffen, dass auch die nächste Bundesregierung sich sehr stark auf Technologie fokussieren wird. Nur das wird Wohlstand bringen und sichern in einem global immer größer werdenden Wettbewerb.

Interview: Hans Peter Schütz

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker