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Herbstgutachten 2011: Wirtschaft bremst - Jobmotor brummt weiter

Nach Ansicht der führenden Wirtschaftsforscher wird das Wachstum in Deutschland 2012 eine Vollbremsung hinlegen. Auf dem Arbeitsmarkt geht das deutsche "Jobwunder" aber weiter - und auch die Löhne dürften weiter steigen.

Nach zwei Jahren Aufschwung muss sich die deutsche Wirtschaft 2012 auf einen harten Rückschlag einstellen. Die führenden Forschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich nach unten revidiert: Die Ökonomen erwarten nach 2,9 Prozent im laufenden Jahr dann nur noch einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 Prozent. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Herbstgutachten der Konjunkturforscher hervor. Hauptgründe für den Wachstumseinbruch sind die Auswirkungen der Schuldenkrise und die weltweite Konjunkturabkühlung.

Kritik übten die Wirtschaftsexperten am Euro-Krisenmanagement der Politik. Sie fordern, endlich einheitliche Verfahren für den Umgang mit Staats- und Bankenpleiten durchzusetzen. Mit einer Eskalation der Bankenkrise wegen einer Umschuldung in Griechenland rechnen die Institute aber nicht.

Trotz der befürchteten Konjunkturflaute sagen die Forscher gute Zeiten für Arbeitnehmer voraus: Im nächsten Jahr werde die Arbeitslosenquote im Jahresschnitt auf 6,7 Prozent sinken (2011: 7,0). Die Löhne sollen im kommenden Jahr kräftiger steigen und die Beschäftigung einen Rekordwert erreichen.

Stundenlöhne legen stärker zu als in Vorjahren

Die tariflichen Stundenlöhne dürften um 2,5 Prozent zulegen und damit stärker als in diesem Jahr mit 1,8 Prozent. "Die Lohn- und Gehaltsrunde 2011 ist weitgehend abgeschlossen, mit vielen Vereinbarungen, die auch das Jahr 2012 betreffen", schrieben die Institute. "Dabei zeigt sich, dass angesichts der günstigeren gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich höhere Abschlüsse getätigt wurden als in den Vorjahren."

Die Zahl der Arbeitslosen wird laut der Prognose im kommenden Jahr um 153.000 auf rund 2,8 Millionen sinken, die Beschäftigung um fast 200.000 auf den Rekordwert von knapp 41,3 Millionen steigen. "Der Arbeitsmarkt dürfte von der kurzen wirtschaftlichen Stagnation nicht zurückgeworfen werden", schrieben die Forscher. "Die Unternehmen werden zur Überbrückung der konjunkturellen Schwächephase zunächst auf flexible Arbeitszeitinstrumente zurückgreifen."

Staat langt kräftiger zu

Entlastung kommt auch von der Preisfront: Die Inflationsrate wird demnach von 2,3 auf 1,8 Prozent fallen und damit wieder unter der Zwei-Prozent-Marke liegen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. "Ausschlaggebend hierfür dürfte der geringere Anstieg der Importpreise sein", erwarten die Institute. "Der inländische Preisdruck wird hingegen leicht zunehmen." Maßgeblich dafür seien verstärkt anziehenden Lohnstückkosten. Auch der Staat drehe an der Preisschraube. "So werden Kommunen vielfach Gebühren erhöhen, um ihre Haushalte zu konsolidieren", hieß es. "Zudem dürfte die Umgestaltung des Energiemix, bedingt durch die Abschaltung von Atomkraftwerken, den Stromverbrauch künftig verteuern."

Die Gemeinschaftsdiagnose wurde von vier Konsortien von Wirtschaftsforschungsinstituten erstellt, zu dem das Münchner Ifo-Institut, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beteiligt. Sie dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Konjunkturprognose am 20. Oktober. Diese Zahlen wiederum sind die Basis für die Steuerschätzung im November und damit für die weitere Ausgabenplanung.

fw/Reuters/DPA / DPA / Reuters