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Frühjahrsgutachten Deutsche Wirtschaft schüttelt alle Krisen ab


Weder die Atom-Katastrophe in Japan noch die Nordafrika-Krise können der deutschen Wirtschaft viel anhaben. So sehen es jedenfalls die wichtigsten Forschungsinstitute. Sie hoben ihre Wachstumsprognose deutlich an.

DeDie Atom-Katastrophe in Japan und die Unruhen im ölreichen Nordafrika können die deutsche Wirtschaft nicht erschüttern - die führenden Forschungsinstitute sagen für 2011 einen anhaltenden Aufschwung voraus. Die Ökonomen hoben in ihrem Frühjahrsgutachten ihre Konjunkturprognose deutlich an. Sie erwarten nun eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent. Im Herbst hatten sie nur 2,0 Prozent erwartet. 2012 werde sich der Aufschwung etwas abschwächen.

Die Produktionsausfälle in Japan seien zwar spürbar: "Auswirkungen auf die Konjunktur werden aber voraussichtlich nur kurzzeitig spürbar sein", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten. Für Verunsicherung bei den Unternehmen sorgt auch der blutige Konflikt in Libyen, einem Land, das viel Öl und Gas nach Europa liefert. Die Institute haben aber ausgerechnet, dass die Unruhe im arabischen Raum aktuell nur gut 10 US-Dollar pro Barrel zu den steigenden Ölpreisen beiträgt. "Dies dürfte die weltwirtschaftliche Expansion nur wenig schmälern."

Positiver Effekt hoher Tarifabschlüsse

Dank des Aufschwungs geht der Boom auf dem Arbeitsmarkt weiter. Die Arbeitslosenzahl wird nach Einschätzung der Experten im Jahresdurchschnitt von gut 3,2 Millionen im vergangenen Jahr weiter auf knapp 2,9 Millionen 2011 und auf 2,7 Millionen 2012 sinken. Die Quote soll auf 6,9 Prozent (2011) und 6,5 Prozent (2012) schrumpfen. Allein in diesem Jahr könnten 430.000 neue Jobs in Deutschland entstehen.

In den Brieftaschen der Arbeitnehmer zahlt sich das Comeback der deutschen Wirtschaft aus. Positiv wirken sich hohe Tarifabschlüsse aus, wie das Plus von 2,4 Prozent bei den Beschäftigten der Länder oder die 3,2 Prozent für die Beschäftigten von Volkswagen. Die Institute sagen unter dem Strich weitere Lohnsteigerungen in diesem und im nächsten Jahr voraus. Höhere Kosten für Strom, Benzin oder Lebensmittel fressen einen Teil aber wieder auf. "Die Inflationsrate wird mit 2,4 Prozent im Jahr 2011 und 2,0 Prozent im Jahr 2012 relativ hoch sein."

Geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten erforderlich

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommt aufgrund der starken Konjunktur bei der Sanierung des Staatshaushalts schnell voran. In diesem Jahr wird im Gutachten eine Defizitquote von 1,7 Prozent erwartet - deutlich unterhalb der Drei-Prozent-Grenze des europäischen Stabilitätspaktes. 2012 soll das deutsche Defizit weiter auf 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken.

Als Risiko für die deutsche Wirtschaft wird unverändert die Euro-Schuldenkrise bewertet. Die Ökonomen loben zwar das beschlossene Gesamtpaket zur Stabilisierung der Gemeinschaftswährung und dem Aufbau des dauerhaften Rettungsschirms.

Die Aussagen zur künftigen Beteiligung von Gläubigern seien aber schwammig. Das könnte die Märkte verunsichern. "Eine Beteiligung der Kapitalgeber ist nur glaubhaft, wenn ein staatlicher Zahlungsausfall nicht zu größeren Verwerfungen auf den Finanzmärkten oder im Bankensystem führen." Um dies zu erreichen, ist ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten erforderlich.

Das Frühjahrsgutachten mit dem Titel "Aufschwung setzt sich fort - Europäische Schuldenkrise noch ungelöst", an dem acht Institute beteiligt sind, ist eine wichtige Grundlage für die neue Wachstumsprognose der Bundesregierung, die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am 14. April vorstellt. Auch die nächste Steuerschätzung im Mai hängt davon ab.

DPA DPA

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