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Hintergrund: Nokia - die Fakten

Die Pläne des Handyherstellers Nokia haben Stürme der Entrüstung in Deutschland ausgelöst: Das Werk in Bochum soll geschlossen, die Arbeitsplätze nach Rumänien verlagert werden. Die Hintergründe des Falles Nokia lesen Sie auf stern.de.

Mitte Januar hat der Handy-Weltmarktführer Nokia bekannt gegeben, das Werk in Bochum zu schließen. Stattdessen will der finnische Konzern künftig in Rumänien produzieren lassen.

Seither fürchten die 2300 Mitarbeiter in Bochum um ihren Arbeitsplatz. Begründet wurde der Schritt von Nokia mit den günstigeren Lohnkosten in Rumänien. Von Politik und Gewerkschaften hagelte es massive Kritik: So schaltete sich selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein und sagte, dass sie "die gesamte Kommunikation und alles, was darum herum ist, unverständlich finde".

Der neue Standort in Jucu ist inzwischen geöffnet, vorerst hat die Fabrik 350 Mitarbeiter, langfristig sollen es 3500 werden. Der rumänische Gewerkschaftsbund Cartel Alfa hat dem finnischen Handy-Hersteller Nokia vorgeworfen, in seiner neuen Fabrik in Jucu die Arbeitszeit über das in Rumänien zulässige Maß hinaus verlängern zu wollen. Dies wäre "eine neue Form der Sklaverei", sagte Bogdan Hossu, der Präsident von Cartel Alfa.

Nokia wolle über eine Änderung des rumänischen Arbeitsgesetzes erreichen, dass die Arbeiter in Jucu für 60 bis 70 Stunden pro Woche zur Arbeit verpflichtet werden dürfen, sagte Hossu weiter. Derzeit seien höchstens 48 Stunden zulässig. Rumäniens Arbeitsminister Paul Pacuraru hatte vor einigen Tagen erklärt, Nokia habe bei ihm eine Änderung des Arbeitsgesetzes mit dem Ziel beantragt, dieses "flexibler" zu machen. Einzelheiten wurden nicht genannt.

41 Millionen Euro Subventionen zurückzahlen?

Für die Produktion in Nordrhein-Westfalen hatte der Handyhersteller 41 Millionen Euro Subventionen vom Bundesland erhalten. Das Land NRW forderte nach Bekanntwerden des Skandals die Subventionen zurück, die die versprochene Zahl an sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern unterschritten worden sei. Nokia wies die Anschuldigungen zurück und verweigerte, die Subventionen zurückzuzahlen.

Der Betriebsrat des Bochumer Nokia-Werkes verhandelt indes mit der Firmenspitze über einen Interessenausgleich für die 2300 Mitarbeiter. Über die Inhalte wahrten beide Seiten Stillschweigen. Die Arbeitnehmervertreter wollen Abfindungen für alle Beschäftigten und Hilfe des Unternehmens bei der Suche nach neuen Investoren durchsetzen. "Wir wollen Geld und einen neuen Arbeitsplatz", hatte die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach gesagt. Als Termin für die endgültige Schließung des Werkes in Bochum ist inzwischen der 30. Juni 2008 genannt worden. Der Betriebsrat fordert eine Verlegung des Termins auf Ende des Jahres.

EU-Kommission prüft, ob Nokia unzulässige Vergünstigungen bekommt

Die EU-Kommission prüft unterdessen, ob Nokia in Rumänien unzulässige Vergünstigungen bekommen hat. Medienberichten zufolge interessiere sich Brüssel insbesondere für die geplante Befreiung des finnischen Konzerns von der lokalen Immobiliensteuer.

Diese Vergünstigung ist nach Angaben des Industriepark-Betreibers in Jucu, Tetarom, nicht nur für Nokia, sondern für alle Mieter des Industrieparks geplant. Derzeit hat der Park "Tetarom III" in Jucu aber juristisch noch nicht den Status eines Industrieparks. Dieser Status ist eine Voraussetzung für die Befreiung von der Immobiliensteuer. Die Formalitäten sollen binnen zwei Monaten geregelt werden, hieß es.

Lio/ DPA/ Reuters/ AP / AP / DPA / Reuters