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HP: Häme von der Ex

Rache ist süß: In ihren Memoiren revanchiert sich die gefeuerte HP-Chefin Carly Fiorina mit pikanten Details über die mittlerweile von einem Bespitzelungsskandal gebeutelte Firma.

Von Helene Laube

Carly Fiorina hatte immer schon eine Neigung zu medienwirksamen Auftritten. Nach monatelangem Schweigen hat sie jetzt wieder eine Chance dazu. Und die Veröffentlichung ihrer Memoiren hätte die einst mächtigste Frau der US-Wirtschaft nicht vollendeter timen können, auch wenn sie keinen Einfluss auf die Ereignisse der vergangenen Wochen hatte. Die Biografie der im Februar 2005 überraschend geschassten Vorstandschefin von Hewlett-Packard (HP) kommt nun in die US-Buchläden - während der traditionsreiche Technologiekonzern aus dem Silicon Valley durch einen hochnotpeinlichen Bespitzelungsskandal in seinen Grundfesten erschüttert wird.

Täglich neue Schlagzeilen über den aufgescheuchten HP-Aufsichtsrat, der Direktoriumsmitglieder, Journalisten und Familienmitglieder beschatten ließ, ihre Rufnummernlisten illegal beschaffte und von Detektiven den Müll durchwühlen ließ, heizen das Interesse an Fiorinas Autobiografie in einer Weise an, wie es keine Werbekampagne geschafft hätte. Und Fiorina kann in "Tough Choices" mit dem mittlerweile weit über die Landesgrenzen bekannten Direktorium abrechnen.

dilettantisch, dysfunktional, zerstritten, kindisch

Dieser Aufsichtsrat - laut Fiorina ein dilettantischer, dysfunktionaler, zerstrittener, kindischer und passiv-aggressiver Haufen - war es, der ihr ab ihrem Amtsantritt 1999 das Leben schwer machte. Vor 19 Monaten bugsierte er sie in einem anonymen Flughafenhotel in Chicago unsanft vor die Tür. Immerhin wurde ihr der Abschied mit einer 21,4 Millionen Dollar schweren Abfindung versüßt, aber ohne "mir in die Augen zu schauen und mir zu sagen, warum". "Sie bedankten sich nicht, sie verabschiedeten sich nicht", klagt Fiorina.

Die 52-jährige Texanerin enthüllt auf 256 Seiten neue - meist unvorteilhafte - Details zu einigen Hauptdarstellern im Spionageskandal. Fünf Personen sind bereits angeklagt, darunter die zurückgetretene Aufsichtsratschefin Patricia Dunn. Sie machte einen "extrem zufriedenen Eindruck, dass sie einen wichtigeren Part" übernehmen konnte, urteilt Fiorina. Dunn wurde nach ihrer Entlassung zur Aufsichtsratschefin gekürt.

Der ausgeschiedene Aufsichtsrat George Keyworth, der als Leck entlarvt worden ist, sei "emotional und überreizt" und "ungeduldig mit praxisnahen Details". Sein engster Verbündeter im Aufsichtsgremium, der renommierte Finanzinvestor Thomas Perkins "verfolgte ganz offensichtlich eigene Ziele". Fiorina räumt aber ein, dass sie nicht "verstand, was diese beinhalteten". Perkins hatte den Verwaltungsrat im Mai verlassen, verärgert über die Spitzelmethoden.

Fiorina hatte selbst eine Untersuchung - ohne illegale Verfahren - eingeleitet, nachdem Aufsichtsräte im Januar 2005 Firmeninterna an die Presse weitergegeben hatten. Sie sei "schockiert" gewesen, als sie vom Vorgehen der von Dunn angeheuerten Ermittler gehört habe, sagte sie in einem Interview im US-Fernsehen. Weitere Auftritte werden in den kommenden Wochen folgen.

Und Fiorina wird sich die Chance nicht entgehen lassen, eindringlich darauf hinzuweisen, dass ihr Nachfolger Mark Hurd die Wende bei HP nicht zuletzt dank der von ihr eingeleiteten Änderungen geschafft habe. Trotz der für die Ex-Konzernchefin zeitlich glücklichen Zusammenfalls des Spitzelskandals mit ihrer Buchveröffentlichung haben sie und ihr Verlag, die Penguin Group, die Werbe-Maschinerie angeworfen. Sie beginnt mit mehreren TV-Sendungen, es folgen Lesungen auf einer Buchtour quer durchs Land. Zum ersten Mal seit ihrem jähen Abgang im Winter 2005 spricht Fiorina auch wieder im Silicon Valley und in San Francisco.

Keine offiziellen Kommentare aus Palo Alto

Bei HP in Palo Alto enthält man sich offizieller Kommentare zu "Tough Choices". In der Presseabteilung will man das Buch noch gar nicht gelesen haben. Dennoch können es sich die Sprecher nicht verkneifen, Journalisten ein für die Veröffentlichung vorbereitetes Dokument zuzuschicken. Es soll den Autoren helfen, Fiorinas "Aussagen von der Realität zu trennen". Auf 20 Seiten werden unter anderem die Finanzergebnisse aus der Ära Fiorina denen von Hurd gegenüber gestellt.

FTD