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INDUSTRIE: Fujitsu Siemens kappt Drei-Jahres-Plan

Computerhersteller verabschiedet sich von seinem Umsatzziel von über zehn Mrd. Euro. Es soll kein Wachstum auf Kosten des Gewinns geben.

Der Vorstandschef von Fujitsu Siemens, Paul Stodden, hat einen Teil seines Drei-Jahres-Plans gestrichen. »Aus heutiger Sicht werden wir bis 2004 nicht die zehn Mrd. Euro Umsatz erreichen«, sagte Stodden im Gespräch mit der FTD am Rande der jährlichen Unternehmensmesse in Augsburg. Auf dieses Ziel hatte sich der Chef des niederländischen Computerherstellers ursprünglich mit Fujitsu und Siemens geeignet, die jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen halten. Fujitsu Siemens liegt unter den PC-Herstellern in Europa auf Platz vier hinter den US-Anbietern Hewlett-Packard, Dell und Compaq.

Damit gibt Stodden seine alte Strategie auf, Umsatzzuwachs zur Priorität zu machen. Wichtiger sei, profitabel zu bleiben, sagte Stodden. Bis 2004 sei das Ziel, eine Umsatzrendite von 0,5 bis 1 Prozent zu halten.

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2002 stellte Stodden lediglich einen Umsatz von 5,9 Mrd. Euro in Aussicht - genauso viel wie im vorigen Jahr. Noch im August hatte er ein Plus von zwölf Prozent auf 6,6 Mrd. Euro vorhergesagt. Vor Steuern soll der Gewinn bei 30 Mio. Euro liegen. Das würde dem Unternehmen gerade so eben bei der Umsatzrendite über die selbst gesetzte Untergrenze von 0,5 Prozent helfen. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres bis Ende September lag die Umsatzrendite nur bei 0,1 Prozent - bei einem Erlös von 2,5 Mrd. Euro und einem Gewinn von drei Mio. Euro.

Probleme bei Technonolgiesegmenten

Stoddens Kalkül: Mit schwarzen Zahlen dürfte er gegenüber seinen beiden Aktionären einen leichteren Stand haben, als wenn er den Umsatz auf Kosten der Gewinne steigern würde. Siemens und Fujitsu haben derzeit Probleme mit einem Teil ihrer Technologiesegmente. So lieferte etwa die Mobilfunksparte von Siemens (ICM) im dritten Geschäftsquartal einen operativen Verlust (Ebita) von 511 Mio. Euro ab. Die Netzwerksparte ICN lag bei minus 563 Mio. Euro.

Noch in diesem Jahr setze er sich mit den beiden Aktionären Siemens und Fujitsu zusammen, um die Ziele für die Zeit nach 2004 festzuzurren, sagte Stodden. Danach dürfte eine Umsatzrendite von einem Prozent als Ziel keinen Bestand mehr haben, sagte er.

Siemens Vorstandschef Heinrich von Pierer fordert von allen Geschäftsfeldern einen positiven so genannten Geschäftswertbeitrag oder EVA (Economic Value Added). Danach muss der Gewinn nach Steuern höher sein als die Mindestrendite für das in ein Geschäft investierte Kapital. Erreicht eine Sparte diese Zielmarke nicht, gilt sie als Verkaufskandidat. Stodden wollte nicht sagen, wie hoch sein Gewinn sein muss, um einen positiven EVA zu erreichen.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fujitsu und Siemens Bereiche mit geringen Gewinnen in ihren Unternehmen noch lange dulden werden«, sagte ein Londoner Analyst. Gerade bei Siemens sei man nach dem US-Börsengang ungeduldiger geworden. Für Fujitsu Siemens gilt beiden Aktionären mittelfristig auch ein Börsengang als Option. Der dürfte aber nur bei guten Gewinnen erfolgreich sein. Zum Vergleich: Computerkonzern Dell erreicht eine Umsatzrendite von sieben Prozent.

Geschäft mit Consumer-PC

Damit seine Gewinne steigen, hat Stodden strategische Geschäftsfelder identifiziert, die vergleichsweise hohe Margen versprechen: In Speicher, Server, Service und Notebooks werde vornehmlich investiert, sagte Stodden. Grund: Das Geschäft mit Tisch-Computern, Hauptumsatztrager mit knapp 55 Prozent, wirft kaum Gewinne ab; die Verkäufe an Privatkunden bewegen sich sogar in den roten Zahlen. »Bis Ende März 2002 soll auch das Geschäft mit Consumer-PC profitabel sein«, sagte Stodden. Dazu nehme Fujitsu Siemens dort auch Umsatz-Einbußen in Kauf. Unternehmen wie Dell oder Compaq hatten zuletzt in Deutschland gegen den Marktführer bei PC für Privat-Anwender mächtig Boden gut gemacht.

Für die strategischen Bereiche stellt Stodden 800 Beschäftigte ein. Sie sollen deren Umsatzanteil von rund 45 Prozent weiter steigern. Fujitsu Siemens will mit Servern, Speichern, Service und Notebooks das Thema Mobilität besetzen. Unternehmenskunden investieren verstärkt in Technologie, mit denen ihre Beschäftigten von überall arbeiten können. Allerdings ist das auch der Fokus der meisten Konkurrenten von Fujitsu Siemens: »Das Thema Mobilität wollen alle Hersteller besetzen«, sagt der Londoner Analyst. Bislang habe Fujitsu Siemens nicht deutlich gemacht, wo das Unternehmen den überlegenen Ansatz habe. Sven Clausen, Augsburg