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INFORMATIONSTECHNOLOGIE: Gemeinsam statt einsam

Auch eine Antwort auf die Branchenflaute: Hewlett-Packard übernimmt den Computerhersteller Compaq für 25 Milliarden Dollar in Aktien.

Im Kampf gegen die anhaltende Flaute der Computerbranche hat sich Hewlett-Packard zur Übernahme des Konkurrenten Compaq entschlossen. Mit dem Zusammenschluss der beiden US-Konzerne entsteht ein neues Mammutunternehmen, das dicht an den Branchenführer IBM heranrückt. Der Kaufpreis beträgt 25 Milliarden Dollar (27,6 Milliarden Euro/53,9 Milliarden Mark) in Aktien, wie beide Unternehmen am Montagabend im kalifornischen Palo Alto mitteilten.

HP beansprucht Führungsrolle

»Gemeinsam werden wir die Industrie in den kommenden Jahren neu gestalten«, sagte die Vorstandsvorsitzende von Hewlett-Packard, Carly Fiorina. Die Übernahme von Compaq katapultiere HP in eine neue Führungsrolle. Das Gesamtunternehmen erwirtschaftet nach den letzten Zahlen mit 145.000 Beschäftigten einen Umsatz von 87 Milliarden Dollar - IBM liegt bei 90 Milliarden - und einen Gewinn von 3,9 Milliarden Dollar im Jahr. Vorsitzende und Vorstandsvorsitzende der neuen Gesellschaft wird die bisherige HP-Chefin Carly Fiorana, welche das Gesamtunternehmen auch leiten soll. Präsident wird der bisherige Compaq-Chef Michael D. Capellas.

Perfekte Ergänzung

Allein im PC-Geschäft liegen Compaq und HP auf den Plätzen zwei und drei der Weltrangliste, Marktführer ist der Direktvertreiber Dell. Ein zunehmend größerer Anteil an den Geschäften entfällt aber auf Dienstleistungen für die IT-Abteilungen von Unternehmen, die beide Konzerne in den vergangenen Jahren ausgebaut haben. Vor allem HP war zuletzt erfolgreich in Service und Support, während Compaq mit Sitz im texanischen Houston seine Stärken im PC- und Server-Geschäft hat.

Dramatischer Kursverfall

Hewlett-Packard und Compaq haben wie fast alle Technologie-Firmen in den vergangenen Monaten einen drastischen Kursverfall erlebt: Die Hewlett-Packard-Aktien stürzten seit dem Höchststand im Sommer vergangenen Jahres um 66 Prozent ab, Compaq verlor sogar 76 Prozent. Beide Firmen haben in den vergangenen Monaten Sanierungsprogramme angekündigt; der angekündigte Personalabbau bei Compaq beträgt 8.500 Stellen, bei Hewlett-Packard sollen 6.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Kauf finanziert durch Aktientausch

Die Übernahme sieht vor, dass eine Compaq-Aktie in 0,63 HP-Aktien getauscht wird - dies entspricht einer Kaufprämie von 18 Prozent über dem gegenwärtigen Kursniveau. Die HP-Aktionäre werden damit 64 Prozent, die Anteilseigner von Compaq 36 Prozent des neuen Mammutkonzerns halten, der seinen Sitz wie HP schon bisher in Palo Alto haben wird.