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Kolumne - Neulich im Netz: Operation T-Punkt: Patient tot

Aus. Vorbei. Das zwecks Reparatur zum T-Laden gebrachte Notebook ist Geschichte, Schrott und Sondermüll.

Überraschen kann das nicht. Erstens, weil moderne Gerätschaften selten länger als wenige Minuten über das Garantieende hinaus funktionieren. Zweitens, weil das Notebook auf Grund eines mysteriösen Abkommens zur Reparatur nicht beim Hersteller Compaq, sondern bei der Telekom landete. Bei der Telekom! Die kommen ja nicht einmal mit ihrem eigenen Kram zurecht. Als T-Techniker im Büro einer kleinen Agentur einmal eine zweite ISDN-Dose montierten, brannte beinahe das Haus ab! Ursache war ein unheilbringender Schraubenzieher mit T-Mütze auf dem Oberstübchen. "Ich glaube, der Kollege hat die Kabel vertauscht. Ich reparier das mal", sagte er noch. Dann rauchte es.

Jahre später: Die ganze Welt ist in Bewegung, nur die Telekom nicht. Wie ein Fels in der Brandung übt sie sich in der hohen Kunst des Besetzens sinnfreier Räume. Ein solcher flattert in Papierform herein und nennt sich Kostenvoranschlag. Weniger beherrschte Zeitgenossen hätten eine Axt in das nächste Türblatt geschmettert. Nichtsdestotrotz. Da war sie wieder, die Ohnmacht angesichts der Dreistigkeit: Für den Austausch der alten gegen eine neue Festplatte verlangt die Telekom 1.100 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Und Porto.

Angeblich verdient niemand daran

Kein schlechter Preis: Uneingebaut verlangt der Handel rund 250 Euro für den Compaq-Speicher. Macht rund nicht überzeugend erklärbare 850 Euro. Die Telekom, so der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung, verdiene jedenfalls nicht daran. Aber die Lagerkosten fürs Material, dann sei man ja auch ziemlich schnell und drauflegen wolle die Telekom ja auch nicht, "auch wenn es uns unangenehm ist". Hören Telekom-Mitarbeiter zu, wenn sie selbst reden? Wohl nicht. Andernfalls würden sie wohl bewusstlos von dem Unsinn, den sie den lieben langen Tag daherplappern.

Wie dem auch sei. In Anbetracht des Reparaturpreises klappt der Deckel des Notebooks endgültig zu. In einem Anflug von überirdischer Kulanz tauscht der T-Mann die Kostenvoranschlagskosten von einer Handvoll Euro gegen das post-mobil zu entsorgende Digiwrack. Das nennt man wohl Nullsummenspiel.

Thomas Hirschbiegel