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Kolumne - Neulich im Netz: T-Punkt: Der Wahnsinn trägt Magenta

Sachen gibt's, die gibt es gar nicht. Man muss nur ein Notebook von Compaq besitzen und das kaputt machen.

Na ja. Kaputt machen muss man es eigentlich nicht. Warten bis es den Geist aufgibt genügt schon. Dieser Zeitpunkt ist bei vielen Geräten ungefähr 24 Stunden nach Ablauf der Garantiezeit gekommen. Keine Überraschung also, als sich die Festplatte des Notebooks schließlich verabschiedet. Jetzt, wo es kaputt ist, will auch Compaq nichts mehr wissen von dem alten Kasten und schickt Besitzer zur Telekom.

Zu den Wahnsinnigen in Magenta? Und auch noch in die Höhle des Löwen: Den T-Punkt-Laden. Mein Puls rast, ich bekomme schweißnasse Hände. Vor Jahren war ich letztmals dort – und hatte gehofft, nie mehr dort hin zu müssen. Damals ging es um einen einfachen ISDN-Anschluss und endete fast in der Klapsmühle. Ich sehe sofort wieder die Bilder vor mir: Ein junger Mann mit rotem Polohemd, Lederkrawatte und leerem Blick. Durch ihn hindurch erklärte ich ihm, was wie wo geschehen sollte. Er nickte freundlich, peilte einen Punkt im Nichts an, sagte "in zwei Wochen" und die Katastrophe nahm ihren Lauf.

Seit diesem Ereignis vor gut einem Jahrzehnt hat sich nicht viel geändert. Noch immer wartet man Stunden, bis man endlich "bedient" wird. Ich lege das Notebook auf den Tisch und sage, was Sache ist. Stille. Der Mitarbeiter fährt sich mit der Hand durch seinen rasiergewässerten Dreitagebart, wirbelt eine Wolke scharfen Zitrusdufts auf und erklärt, dass er gar nicht weiß, "wie" ein Compaq-Gerät zur Reparatur angenommen werden müsse. "Mit den Händen", schreit es in mir. Er nestelt am Deckel des Notebooks herum. Reparaturannahme, das habe er "noch nie gemacht".

"Der ist gerade noch in einem Kundengespräch"

Ein Kollege müsse helfen. Da gäbe es sogar einen, der das "schon mal" gemacht habe. "Ich sag dann mal gerade Bescheid beim Kollegen, dass er sich gleich um Sie kümmert", sagt der Herr mit dem Zitrusduft und verschwindet. "Der ist gerade noch in einem Kundengespräch", ruft er quer über den Tresen. Ich versuche mir vorzustellen wie es ist, "in" einem Kundengespräch zu sein. Es gibt bestimmt bequemere Plätze. Und dann kommt er schon mit forschem Schritt, schaut kurz auf den Patienten, macht auf der Stelle kehrt und kehrt mit einem Formular zurück.

Die andere Firma holt alle Geräte ab

Kaum sumpft der erste Tintenklecks aufs Papier, ist schon wieder Schluss. Der Kollege des Dreitagebärtigen erstarrt zur Salzsäule. "Das geht so nicht", presst er heraus, "da ist ja keine Verpackung dabei. Das können wir so nicht annehmen. Da muss eine Verpackung dabei sein. So können wir keine Garantie übernehmen, dass da nichts dran kommt an das Gerät." Repariert werde das Notebook nämlich woanders. Bei der Telekom könne das niemand. Die andere Firma aber, erklärt der Tintenklecksende, holt alle Geräte ab. Egal von welcher Firma. Hauptsache, es handelt sich dabei um Faxgeräte.

Thomas Hirschbiegel
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