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Insolvenzverfahren: Gläubiger segnen Karstadt-Rettung ab

Die Karstadt-Beschäftigten können Hoffnung schöpfen. Die Gläubigerversammlung hat ihr Okay für die Fortführung der insolventen Warenhauskette gegeben. Ein Wermutstropfen: Sechs Filialen des Traditionshauses müssen geschlossen werden - mindestens.

Die insolvente Kaufhauskette Karstadt soll nicht zerschlagen werden. Die Gläubiger des Unternehmens gaben am Dienstag in Essen grünes Licht für den Plan des Insolvenzverwalters, das Unternehmen fortzuführen. Dennoch sollen mindestens sechs Karstadt-Häuser und Fachmärkte in Hamburg, München, Dortmund, Berlin, Stuttgart und Braunschweig geschlossen werden, weitere elf Filialen stehen auf dem Spiel. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg warb auf der Versammlung für eine Sanierung und Fortführung der Warenhauskette. Dies sei "für alle Beteiligten die beste Lösung", hieß es in Görgs Bericht. Eine Sanierung von Karstadt könne verhindern, "dass es zu hohen Vermögensschäden durch eine Zerschlagung kommt".

Elf Häuser auf dem Prüfstand

Geschlossen werden sollen zum Jahresbeginn das Karstadt-Warenhaus im Hamburger Elbe-Einkaufszentrum sowie Karstadt-Dependencen der jeweiligen Haupthäuser in Dortmund und München. Betroffen sind außerdem eine WOM-Filiale in Stuttgart, eine Schaulandt-Filiale in Braunschweig und ein Karstadt-Multimediamarkt in Berlin. An den sechs Standorten arbeiten nach Karstadt-Angaben derzeit rund 400 Menschen auf Voll- und Teilzeitstellen. Mit der geplanten Schließung der sechs Standorte stehen nun noch elf Karstadt-Häuser auf der Prüfliste des Insolvenzverwalters, bei denen eine Fortführung noch nicht gesichert ist. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte am Rande der Gläubigerversammlung, Ziel sei, möglichst viele dieser Häuser weiterzuführen.

Kaufhauskette soll nach Sanierung verkauft werden

In seinem Bericht bekräftigte der Insolvenzverwalter, eine Sanierung von Karstadt durch einen Insolvenzplan setze voraus, "dass einzelne Beteiligte nennenswerte Beiträge zu leisten bereit sind". Hierzu gehörten die Vermieter der bundesweit derzeit noch mehr als 100 Waren- und Sporthäuser von Karstadt. Auch die rund 26.500 Karstadt-Beschäftigten müssten zu Einbußen bereit sein. Görg hatte sich bereits am Wochenende mit Arbeitnehmervertretern darauf verständigt, dass die Mitarbeiter zur Rettung ihrer Jobs fast drei Jahre lang auf Urlaubsgeld, tarifliche Vorsorgeleistungen und Teile des Weihnachtsgeldes im Gesamtwert von 150 Millionen Euro verzichten. Görg plant, Karstadt nach der Sanierung zu verkaufen. Durch die Fortführung solle das Unternehmen so stabilisiert werden, "dass wir neue tatkräftige Investoren dafür finden", sagte er. "Wir haben eine größere Anzahl von ernsthaften Angeboten für einzelne Teile dieses Konglomerats und auch für das Ganze". Namen möglicher Investoren nannte er nicht. In der Vergangenheit hatte wiederholt die Metro-Gruppe Interesse an einem Teil der Karstadt-Häuser gezeigt.

Marathon von Gläubigerversammlungen

An der Gläubiger-Versammlung in der äußerst spärlich besetzten Essener Gruga-Halle nahmen rund 160 Stimmberechtigte teil, welche die Ansprüche von etwa 25.500 Karstadt-Gläubigern vertraten. Insgesamt fordern die bis zu 40.000 Gläubiger von Karstadt 2,7 Milliarden Euro von der Tochter des insolventen Arcandor-Konzerns. Mit dem Treffen der Karstadt-Gläubiger wurde der am Montag begonnene Marathon von Gläubigerversammlungen nach dem Zusammenbruch des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor fortgesetzt. Es ist eines der größten Pleiteverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach den Treffen der Arcandor-Gläubiger am Montag und der Gläubiger von Karstadt am Dienstag wollen sich am Mittwoch die Gläubiger des Katalogversenders Quelle in der Essener Gruga-Halle versammeln.

DPA/AP / AP / DPA