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Irland: Nach dem Aufstieg droht der Absturz

Mithilfe von EU-Subventionen stieg Irland vom Armenhaus zum europäischen Tigerstaat auf. Nun droht ein jäher Absturz: Die grüne Insel erkennt mit Schrecken, dass der jahrelange Boom zuende ist. Doch damit können sich die Iren nur schwer abfinden.

Von Andre Tauber, Collinstown

Als sich der Platz vor dem Pub füllt, da weiß Ursula Cahill, dass etwas Außergewöhnliches passiert sein muss. Das ist in Collinstown, einem Weiler im Niemandsland 100 Kilometer von Dublin gelegen, nur selten der Fall. An diesem Aprilmontag kommen die Arbeiter der einzigen großen Fabrik der Region viel zu früh von ihrer Schicht zurück. Die Wirtin rennt nach draußen und hört: Der Automobilzulieferer Iralco lässt Insolvenz prüfen. Es ist für sie, als hätte das Herz von Collinstown aufgehört zu schlagen.

Dem Antrag ging ein heftiger Lohnstreit zwischen Geschäftsführung und Belegschaft voraus. Die Arbeiter wollten nicht glauben, dass sich die Produktion bei den hohen Arbeitskosten nicht mehr lohne, klagt der Gesellschafter Jürgen Marl. Dabei habe er mit jedem einzelnen über den Ernst der Lage gesprochen. "Die Leute sind es gewohnt, dass die Firma seit 40 Jahren gut läuft", sagt Tom Rogers, der Insolvenzverwalter, der nun nach einem neuen Investor sucht. "Da dachten sie offenbar, es könnte immer so weitergehen."

Irland wird gerade aus einem Traum gerissen. Der Wirtschaftsboom, den das Land in den vergangenen zwei Jahrzehnten erlebte, hat ein abruptes Ende gefunden. Und damit auch die Erwartung, es werde den Menschen immer besser gehen. Nicht nur bei Iralco wird gekürzt, überall im Land streichen die Unternehmen Stellen. Die Wirtschaft leidet unter der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie, vor allem macht ihr der starke Euro zu schaffen. Denn er erschwert den Export in die wichtigsten Märkte Großbritannien und USA. Die Immobilienkrise würgt die Nachfrage zusätzlich ab.

"Wir steuern auf ein Nullwachstum zu"

Das schlägt sich längst auch in den Wachstumsprognosen nieder. Die Zentralbank korrigierte ihre Vorhersage deutlich nach unten. Sie erwartet für 2008 nur noch rund 2,4 Prozent Wachstum, nach 5,3 Prozent im Vorjahr. Das Dubliner Wirtschaftsinstitut Esri geht sogar von mageren von 1,8 Prozent aus. Der Ökonom Alan Ahearne von der National University of Ireland in Galway hält selbst diese Zahlen noch für zu optimistisch. "Wir steuern auf ein Nullwachstum zu", fürchtet er. Patricia Callan, Chefin der Vereinigung der kleinen Betriebe SFA, warnt vor Schönfärberei: Irland müsse akzeptieren, dass die Insel eine "wettbewerbsunfähige, kostenintensive Wirtschaft geworden ist, die in unruhigen internationalen Gewässern treibt". Eine Wahrnehmung, die bei vielen Iren längst nicht angekommen ist. Sie leben nach wie vor im Rausch eines ewig währenden Aufschwungs.

Die Geschichte vom Wirtschaftswunder ist mittlerweile Teil des Erbguts der Iren. Sie wird heute an Schulen und Universitäten gelehrt. Anfang der 80er-Jahre lockte die Grüne Insel mit niedrigen Löhnen und Steuern zahlreiche ausländische Firmen an. US-Unternehmen wie Intel, Apple und Microsoft oder Finanzdienstleister bauten ihre Fabriken und Filialen auf. Es waren diese Direktinvestitionen, die das Wachstum antrieben. Und mit Strukturmitteln der Europäischen Gemeinschaft, der Irland seit 1973 angehört, wurden Autobahnen, Gewerbegebiete und schnelle Datennetze geschaffen. Insgesamt flossen 17 Milliarden Euro aus Brüssel nach Irland.

Strukturprobleme im verarbeitenden Gewerbe zeichnen sich schon lange ab

Das Resultat waren zum Teil zweistellige Wachstumsraten. Seit 1992 hat sich die irische Wirtschaftsleistung fast verdoppelt, sie ist pro Kopf die zweithöchste in der EU. Es war ein Kulturwandel für das Land, aus dem in der Vergangenheit viele junge Leute abgewandert waren, um Arbeit woanders zu suchen. Erstmals kamen die Auslandsiren zurück und trieben den Boom an. Umso schockierender sind für die Leute die jüngsten Schreckensmeldungen. Etwa, dass der Kekshersteller Jacob Fruitfield Food 220 Stellen streicht, der Hersteller medizinischer Implantate Allergen ein Werk in Arklow mit 360 Mitarbeitern schließt und der US-Elektronikkonzern Motorola ein Werk mit 330 Arbeitern zusperrt. Auch der größte Arbeitgeber des Landes, der US-Chiphersteller Intel, kürzte jüngst 200 Stellen in seiner Produktion - um sie allerdings woanders wieder aufzubauen. Die Arbeitslosenrate stieg auf 5,5 Prozent - den höchsten Wert seit neun Jahren.

Die Strukturprobleme im verarbeitenden Gewerbe zeichnen sich schon lange ab. Der Einbruch beim Wachstum wird allerdings erst jetzt deutlich, weil in Irland ein langjähriger Bauboom zu Ende ging. Der Bausektor sei seit sechs Jahren der Haupttreiber des irischen Wachstums gewesen, sagt Ahearne. "Die fünf Prozent an Wachstum nach 2002 waren nicht nachhaltig." Wie wichtig der Immobilienmarkt für die irische Wirtschaft ist, wird im Umland von Dublin deutlich. Dort wurden ganze Städte aus dem Ackerboden gestampft, um Platz für heimkehrende Iren sowie die zahlreichen Gastarbeiter zu machen, die aus den neuen EU-Ländern nach Irland strömen. Eine dieser Siedlungen ist Tyrrelstown, unweit des Dubliner Flughafens gelegen. Alle 90 Sekunden jagt ein Jet über die Siedlung hinweg und bringt die Häuser zum Zittern.

"Schlimmste Delle seit zwölf Jahren"

Joe McPeake, Immobilienmakler in Tyrrelstown, erinnert sich gern an die Boomjahre. "Früher brauchte ich wenige Tage, um einen Käufer zu finden, heute dauert es oft Monate", sagt er. Es gäbe ein Überangebot an Häusern, und die Preise fielen. "Wir erleben die schlimmste Delle seit zwölf Jahren." Im Schaufenster seines Maklerbüros kann man den Marktniedergang ablesen: Ein Haus, das vor 18 Monaten noch 450.000 Euro kostete, wird nun für 350.000 Euro angeboten.

Mittlerweile verschenkt McPeake einen Volvo an jeden seiner Kunden, um ein Haus überhaupt loszuwerden. Um das Überangebot nicht weiter zu befeuern, werden in diesem Jahr rund 40.000 Häuser weniger gebaut, schätzt der Verband der Bauindustrie CIF. Das Land kostet das nach einer gängigen Faustrechnung rund vier Prozent Wirtschaftswachstum. 20.000 Arbeitern im Bausektor droht in diesem Jahr die Entlassung. Für den Finanzminister Brian Cowen, der am 7. Mai das Amt des Regierungschefs übernimmt, kommen die Probleme zur denkbar schlechtesten Zeit. Denn am 12. Juni soll Irland über den EU-Reformvertrag von Lissabon abstimmen. In der EU nimmt man wenig Rücksicht auf den wirtschaftlichen Abschwung, im Gegenteil: Einige Länder dringen auf eine Harmonisierung der Körperschaftsteuer, die die Iren einen weiteren Standortvorteil kosten könnte. Die Hälfte der Iren sind noch unentschlossen, ob sie dem Vertrag zustimmen wollen.

Die Positionen der Kontrahenten sind wenig versöhnlich

Cowen muss auch die schwierigen Lohnverhandlungen mit Gewerkschaften und Arbeitgebern führen. Gemeinsam legen sie seit 20 Jahren die Lohnerhöhungen für alle Branchen verbindlich fest. Nach dem letzten Abkommen, das in diesem Jahr ausläuft, sind die Löhne in den vergangenen 27 Monaten um 10,7 Prozent gestiegen - der EU-Durchschnitt lag bei vergleichsweise niedrigen 6,6 Prozent. Die Positionen der Kontrahenten sind heute wenig versöhnlich. Das zeigte sich bei einem Zusammentreffen Cowens mit den Delegierten des Dachverbands der Gewerkschaften Ictu am vergangenen Donnerstag. Die Delegierten hatten zuvor beschlossen, dass die Löhne mit der Inflation, die derzeit bei fünf Prozent liegt, mithalten müssten. Cowen wies die Forderungen zurück. Hohe Löhne seien jetzt schädlich, sagte er im Dubliner Rugby-Stadion Croke Park. "Damit würden wir nicht nur das Ziel verfehlen, unseren Lebensstandard zu erhöhen. Im Gegenteil: Das würde viele Jobs kosten." Nicht nur die Arbeitgeber, auch die bedeutenden Ökonomen des Landes stimmen ihm zu. Cowen will die Wirtschaft stattdessen mit einer gewaltigen Entwicklungsspritze stützen. Bis ins Jahr 2013 sollen 184 Milliarden Euro investiert werden. Die Straßen rund um den Flughafen sind bereits aufgerissen, das Breitbandnetz für schnelles Internet soll weiter ausgebaut werden. Es sind Investitionen, die vor allem der krisengeschüttelten Bauwirtschaft zugutekommen. Sie sollen Irlands Industrie den Weg in eine goldene Zukunft ebnen.

Erste Triebe sind schon zu sehen: In Forschungsclustern und Industrieparks sitzen Firmen aus den Computer-, Pharma- und Biotechnologiebranchen. Und auch die Finanzdienstleister, die sich wegen niedriger Steuern in Dublin niederlassen, werden weiter stark wachsen, glaubt Ökonom Ahearne. "In fünf Jahren sehe ich für Irland wieder eine positive Entwicklung." Zweistellige Wachstumsraten "gehören allerdings der Vergangenheit an". Diese Botschaft hat mittlerweile selbst Collinstown erreicht. Seit einer Woche arbeitet die Belegschaft von Iralco wieder. Sie hat vom Insolvenzverwalter eine Gnadenfrist von sechs Monaten bekommen, in der er einen Investor zu finden hofft. An große Lohnerhöhungen glaubt keiner mehr. Schichtführer Andrew Elder sagt: "Dass der Neue hier kürzen muss, ist allen klar."

FTD
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(