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Millionen Jobs im Ausland: Von wegen "very bad" - Job-Studie kontert Trumps Deutschland-Kritik

US-Präsident Donald Trump schimpft regelmäßig, die starke deutsche Wirtschaft sei schlecht für die Handelspartner. Eine Studie der bayerischen Wirtschaft stellt sich dem entgegen: Deutschland sichere Millionen von Arbeitsplätzen in anderen EU-Ländern.

Donald Trump und deutsche Autos

Vor allem deutsche Auto-Exporte sind Donald Trump ein Dorn im Auge. Der deutsche Fahrzeugbau sichert aber auch Arbeitsplätze in anderen Ländern.

Die deutsche Wirtschaft ist eines der Lieblingsziele von Donald Trumps Twitter-Tiraden. Regelmäßig echauffiert sich der US-Präsident, wie schädlich die deutsche Exportstärke für die Handelspartner sei. Er spricht von unfairen Handelspraktiken, ärgert sich über zu viele deutsche Autos auf amerikanischen Straßen und droht mit Strafzöllen. Kritik am deutschen Außenhandelsüberschuss gab es zwar auch vorher schon, doch Donald Trump hat sie auf ein ganz neues Niveau gehoben. 

Damit nicht auch die europäischen Partner in Trumps Rhetorik einstimmen, versucht die bayerische Wirtschaft nun, mit einer neuen Studie die Vorwürfe zu entkräften. Kernaussage des 23-seitigen Papiers, dass das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos erstellt hat: Die deutsche Wirtschaft sichert auch in anderen Ländern Millionen Arbeitsplätze - und zwar vor allem innerhalb der EU, wo die Handelsbeziehungen am stärksten sind. "Die Kritik, wonach die Stärke der deutschen Industrie zu Lasten anderer Staaten in der EU geht, ist völlig unbegründet - das Gegenteil ist der Fall", erklärt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die die Studie in Auftrag gegeben hat. 

Für fast fünf Millionen Jobs verantwortlich

Rund 4,8 Millionen Jobs sichert die deutsche Wirtschaft in anderen EU-Staaten, haben die Studienautoren errechnet. Allein die Nachfrage der deutschen Industrie nach Vorleistungs- und Investitionsgütern aus anderen Ländern ist laut Studie für 3,4 Millionen Jobs in der EU verantwortlich. Den Rest machen Konsumgüter für private Verbraucher aus. 

Im Gegensatz zu Donald Trump, der auf "America First" und Isolation setzt, argumentiert die Studie: Je enger eine Volkswirtschaft mit der deutschen verflochten ist, desto mehr kann sie profitieren. Die meisten Güter importiert Deutschland aus den Nachbarländern Niederlande, Frankreich und Belgien. Aus Österreich, Luxemburg, Ungarn und Polen geht mehr als jedes vierte Exportgut nach Deutschland, aus Tschechien sogar etwa jedes dritte. Dass auch gegenüber den meisten EU-Partnern ein Missverhältnis zwischen Exporten und Importen herrscht, blendet die Studie allerdings aus.

Die meisten Jobs sichert der Handel mit Deutschland in Polen. Fast 900.000 sind es laut Studie in dem Nachbarland. In Tschechien, Niederlanden, Frankreich und Italien ist der Güterexport nach Deutschland für jeweils 400.000 bis 500.000 Arbeitsplätze verantwortlich.

Donald Trumps Anti-Deutschland-Furor dürfte die Studie allerdings nicht mäßigen. Denn zum einen betrachtet die Studie nur die deutschen Importe und nicht den in der Kritik stehenden Exportüberschuss. Zum anderen wurden mögliche positive Effekte auf den Arbeitsmarkt in den USA nicht untersucht.