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Keine Subventionen für GM: Auch Opel wackelt

Auch wenn die Opel-Führung sich noch in Gelassenheit übt - das gescheiterte Milliardenpaket für die amerikanische Autoindustrie wird auch in Deutschland Folgen haben. Ein Experte rechnet damit, dass die Opel-Mutter GM in einem halben Jahr pleite ist. Das würde auch Auswirkungen für deutsche Zulieferer haben.

Der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, hat sein Bedauern über das geplatzte Hilfspaket für die angeschlagene US-Autoindustrie geäußert. "Es wäre schön gewesen, wenn wir endlich ein bisschen Sicherheit bekommen hätten", sagte Einenkel am Freitag. Ein Drama seien die weg gebrochenen Hilfen dennoch nicht. "Für den Fall der Fälle haben wir mit unseren Bürgschaftsbitten bei Bund und Ländern ja bereits vorgesorgt", erklärte der Betriebsrat. Die Gespräche verliefen sehr konstruktiv und er sei voller Hoffnung, dass man bald eine Lösung finde. Es bestehe weiter die Chance, dass Opel auch in Zukunft Autos in Europa bauen werde.

Die Führungsetage der europäischen General Motors-Tochter reagierte mit Enttäuschung auf die Nachricht aus den USA: "Natürlich sind wir sehr enttäuscht über diese Entwicklung", hieß es am Freitag in einer Pressemitteilung. In Deutschland werde weiter mit der Bundesregierung und den vier Bundesländern mit Opel-Werken über eine Bürgschaft verhandelt. In diesen Gesprächen werde eine Lösung für den Fall vorbereitet, dass GM den Opel-Betrieb nicht mehr finanzieren könne und Opel auf dem freien Markt keine Kredite mehr erhalte. Trotz des geplatzten Milliardenpakets werde General Motors in Europa wie bisher weiterarbeiten: "Wir sind dabei, unsere Kostenstruktur drastisch zu senken und führen unsere wichtigsten Produktprogramme wie den Insignia fort, um unser Geschäft zu aufrechtzuerhalten", hieß es.

Regierung will schnell handeln

Die Konsequenzen aus dem Scheitern sind nach Angaben der Bundesregierung noch unklar. Opel habe bisher keinen Bedarf für eine Bundesbürgschaft signalisiert, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. Sollte es akut Entscheidungsbedarf über eine solche Bürgschaft geben, könne die Regierung sehr rasch handeln. Voraussetzung sei aber, dass kein deutsches Steuergeld an die amerikanische Opel-Mutter GM fließe.

In Deutschland bemüht sich Opel seit Mitte November um eine Staatsbürgschaft von Bund und Ländern. Die Bundesregierung hatte sich grundsätzlich zur Beteiligung an einer Milliardenbürgschaft bereit erklärt - allerdings nur unter der Bedingung, dass die Mittel in Deutschland bleiben. Bis Weihnachten sollten alle Vorbereitungen getroffen werden, um eine Entscheidung fällen zu können.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet mit Pleiten von General Motors und Chrysler noch in diesem Jahr. "Es ist schrecklich. Kommt das Paket nicht, gehen Chrysler und General Motors noch 2008 in Konkurs", sagte Dudenhöffer. Im Konkurs würden sich die Auto-Riesen aber nicht erholen. Deshalb müsse man "ein halbes Jahr später mit Anschlusskonkursen in Europa rechnen". In größter Gefahr sieht Dudenhöffer auch die deutschen Zulieferer mit Amerika-Geschäft: "Wer in den USA stärker im Geschäft ist, wird bluten müssen."

Auch deutsche Zulieferer gefährdet

Continental sei sehr sensibel aufgestellt, und auch bei Schaeffler sei die Kapitaldecke auch durch Übernahmen "unendlich dünn geworden". Beide suchten verzweifelt nach Investoren. "Ganz klar: Wenn jetzt GM und Chrysler stürzen, wackelt auch Conti", sagte Dudenhöffer. Auch Bosch und weiteren Zuliefern werde ein Wegbrechen ihrer Abnehmer "richtig weh tun". Für Opel sieht Dudenhöffer keinen Weg aus der Zwangsgemeinschaft mit General Motors: "Die einzige Hoffnung wäre, dass jemand Opel kauft. Und so jemanden finden Sie nicht." Interessenten werde es erst geben, wenn es darum gehe, sich die besten Teile aus der Opel-Konkursmasse zu sichern. "Deshalb gilt: Wenn GM nicht gerettet wird, sieht es sehr schlecht aus für Opel."

Eine Übernahme von Opel durch die Bundesregierung komme aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht: "Zum einen wären die Risiken nicht zu überschauen. Zum anderen ist Opel kein eigenständiger Konzern, sondern eine mit General Motors verflochtenen Marke. Deshalb könnte Opel gar nicht auf eigenen Beinen stehen."

Mit der US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), die das geplante Rettungspaket mit ihrem Widerstand gegen schnelle Lohnsenkungen verhindert hatte, ging Dudenhöffer hart ins Gericht: "Es sieht so aus, als ob diese Leute alle über die Klinge springen lassen." Bei diesem Spiel werde es aber nur Verlierer geben: "Da gibt es niemanden, der in die Hände klatschen kann. Wenn die großen Autobauer Pleite gehen, wird man in Detroit nie mehr eine Arbeitsplatz finden. Umso unbegreiflicher, wie dort Russisch Roulette gespielt wird."

AP/DPA / AP / DPA