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KIRCH: Insolvenzantrag noch vor dem Wochenende?

In Deutschland bahnt sich die größte Pleite der Nachkriegsgeschichte an: Es verdichten sich die Hinweise, dass KirchMedia, bereits am Freitag Antrag auf Insolvenz stellen wolle.

In Deutschland bahnt sich die größte Pleite der Nachkriegsgeschichte an: Am Donnerstag verdichteten sich die Hinweise, dass die KirchMedia, in der das Kerngeschäft der Kirch-Gruppe gebündelt ist, bereits am Freitag Antrag auf Insolvenz stellen wolle. Dies würde zugleich das Aus für den Kirch-Konzern bedeuten, der unter Schulden von rund 6,5 Milliarden Euro leidet.

Streit um Bundesliga-Bürgschaften

Unterdessen gab es Kritik an Plänen der Bundesregierung und einiger Länder, die staatliche Bürgschaften für Bundesliga-Vereine angekündigt hatten, um sie vor Auswirkungen einer möglichen Kirch-Pleite zu schützen. Der Liga würden in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro Ausfall an Fernsehlizenzgebühren drohen. Die Regierungen von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein sowie der Bremer Bildungssenator Willi Lemke lehnten solch staatliche Hilfen für den Profi-Fußball vehement ab.

Noch vor dem Wochenende Insolvenzantrag

Die Chancen für eine Rettung des Kirch-Konzerns in letzter Minute sanken indes weiter. Ein Banker sagte am Donnerstag: »Die Zeit läuft ab.« Bankenkreise bestätigten, dass die Verhandlungen über einen Überbrückungskredit, der den Konzern vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren sollte, ohne Ergebnis abgebrochen wurden. Die KirchMedia plane deshalb noch vor dem Wochenende Insolvenz zu beantragen, berichteten »Süddeutsche Zeitung« und »Wall Street Journal«.

Nur die möglichen Investoren um den australischen Medientycoon Rupert Murdoch und den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi könnten mit Zugeständnissen noch die drohende Pleite verhindern, hieß es. Diese hätten aber die Forderung der Banken nach einer Beteiligung an der notwendigen Zwischenfinanzierung bislang kategorisch abgelehnt. »Murdoch und Berlusconi sind aber jederzeit für eine Überraschung gut«, so Bankenvertreter.

»Hauptsache klare Verhältnisse«

Die Institute haben aber offenbar inzwischen ihre Abwehrhaltung gegen eine Insolvenz aufgegeben: »Das wäre ja auch nicht das schlimmste, weil man dann zumindest klare Verhältnisse hat«, betonte ein Eingeweihter. Die derzeitige Hängepartie schade dem Medienkonzern, eine Insolvenz könne dagegen die Chance für einen Neuanfang sein.

Das Rettungsmodell der Banken sah den Angaben zufolge vor, dass die bisherigen Minderheitsgesellschafter Murdoch und Berlusconi im Rahmen einer Kapitalerhöhung die Konzernmehrheit übernommen hätten.