HOME

KIRCHMEDIA: Nach Insolvenzantrag: Banken wollen investieren

Mit weiteren Kapitalspritzen soll das Kerngeschäft - und die damit verbundenen rund 5.500 Arbeitsplätze - der KirchGruppe am Leben erhalten werden.

Nach dem Insolvenzantrag der KirchMedia wollen die Gläubigerbanken das Kerngeschäft der KirchGruppe mit weiteren Kapitalspritzen am Leben erhalten. Das neue Management der Gesellschaft ist zuversichtlich, einen Großteil der 5.500 betroffenen Arbeitsplätze dadurch erhalten zu können. »Unser Ehrgeiz ist es, diesen größten bundesdeutschen Krisenfall so schonend wie möglich für alle Beteiligten zu lösen und dabei so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten«, sagte der neue Geschäftsführer Wolfgang van Betteray, der in den vergangenen Wochen bereits bei Kirch als Krisenmanager tätig war. Die Banken sind bereit, unter Umständen noch einmal eine Milliardensumme in die KirchMedia zu investieren und die Mehrheit zu übernehmen.

Jetzt geht's um die Filetstücke

In den kommenden Wochen wollen die Kreditinstitute aber zudem mit einer Reihe von Investoren verhandeln, die an einem Einstieg interessiert sind. »Ich habe den Eindruck, die reißen sich darum«, sagte Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann. Als Kandidaten gelten in der Branche unter anderem der Axel Springer Verlag und die WAZ. Allerdings legen sich sich Banken und das Management ausdrücklich nicht auf eine »deutsche Lösung« fest. Damit ist ein Einstieg der KirchMedia-Gesellschafter rund um Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch bei Kirch noch nicht vom Tisch.

Unklarheit über Premiere-Zukunft

Unklarheit herrschte zunächst über die Zukunft des Bezahlsenders Premiere. Während van Betteray einen Insolvenzantrag ankündigte, widersprach ein Premiere-Sprecher dieser Darstellung. Beim Amtsgericht war bis zum Nachmittag noch kein Insolvenzantrag für die KirchPayTV eingegangen.

Wende statt Ende

Für das Kerngeschäft KirchMedia bedeute der Insolvenzantrag »keinen Endpunkt, sondern einen Wendepunkt«, sagte Commerzbank-Vorstand Hartmann. »Wir sprechen nicht von der Abwicklung einer Industriebrache, sondern von einem Wachstumsmarkt«.

Jaffé ist Insolvenzverwalter

Die KirchGruppe hatte am Montagvormittag wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag für die KirchMedia gestellt, in der das Kerngeschäft um den Filmrechtehandel und den TV-Konzern ProSiebenSAT.1 gebündelt ist. KirchMedia stellte nach Angaben des neuen Geschäftsführers Wolfgang van Betteray einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Dadurch wird eine weitgehend eigenverantwortliche Sanierung und Restrukturierung des Unternehmens ermöglicht. Der vom Münchner Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, Anwalt Michael Jaffé, hat mehr eine verwaltende Funktion.

Zeit der Nachverhandlungen

Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb der KirchMedia mit ihren 5.500 Mitarbeitern kontrolliert fortzuführen und als Ganzes zu erhalten, sagte Betteray. Mit US-Filmstudios, dem DFB und der FIFA wurden bereits Kontakte geknüpft, um belastende Verträge nachzuverhandeln.

Gläubigerbanken unterstützen Konzept

Die Gläubigerbanken mit der Bayerischen Landesbank als größtem Kreditgeber an der Spitze unterstützen das Sanierungskonzept van Betterays. Die Banken sind dazu bereit, notwendige Massekredite auf Basis üblicher Sicherheiten bereit zu stellen, sagte Hartmann. In den kommenden Monaten benötigt die KirchMedia einen dreistelligen Millionenbetrag, um die Liquidität zu sichern. Zudem sind die Banken auch grundsätzlich bereit, als Eigenkapitalgeber aufzutreten. Die Banken können dabei nach seinen Angaben auch einen Milliardenbetrag investieren und die Mehrheit übernehmen. Die Kreditinstitute würden in einem Gläubiger-Beirat eine »konstruktive Rolle für das Weiterbestehen« der KirchMedia übernehmen.

Keine Brüche

Die neue Geschäftsführung der KirchMedia strebt keinen Bruch mit Leo Kirch und seinem Vize Dieter Hahn an. »Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Hahn uns auf unsere Bitte hin weiter zur Verfügung steht«, sagte van Betteray. Auch Leo Kirch kann viel Erfahrung vorweisen. Es ist aber offen, ob die beiden auch operativ tätig werden.

Kirch nimmt alleinige Schuld auf sich

Die neue Führung wollte am Montagabend die Beschäftigten auf einer Versammlung über die Lage nach dem Insolvenzantrag informieren, Hahn und Kirch wollten daran dem Vernehmen nach aber nicht teilnehmen. Leo Kirch plant in einem Schreiben an die Beschäftigten zur Situation Stellung zu nehmen. Hartmann sagte, dass Kirch ausdrücklich allein die Schuld für sein Scheitern auf sich nimmt. Dies ehrt ihn.