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Konzernchefs: Die Abfindungskönige

VW-Chef Bernd Pischetsrieder wird sich seinen Abgang wohl mit einer Abfindung in Millionenhöhe versüßen lassen. Damit ist er nicht der erste Konzernchef. Wir zeigen Ihnen die Abfindungskönige.

Von Verena Diethelm

Der scheidende VW-Chef Bernd Pischetsrieder ist nicht der einzige Konzernchef, der sich seinen Abgang mit vielen Millionen versüßen lässt. Die oft Schwindel erregenden Summen für die zumeist glücklosen Manager sorgen immer wieder für heftige Kritik und folgenreiche Skandale.

Erinnern Sie sich noch an den spektakulären Abgang Werner Seiferts vom Börsenparkett oder den Korruptionsskandal rund um den ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher?

Egal wie viel zerbrochenes Porzellan die Firmenchefs hinterließen und ungeachtet der Kritik, die es in der Öffentlichkeit hagelte, die Konzernlenker sind meistens mit einem Goldenen Handschlag gut ausgestiegen.

Ulrich Schumacher (Infineon)

Als Ulrich Schumacher im März 2004 überraschend als Infineon-Chef zurücktrat, konnte er sich über eine zugesagte Abfindung von 5,25 Mio. Euro freuen. Die Freude währte jedoch nicht lange: Als die Staatsanwalt im Zuge der Korruptionsaffäre im Herbst 2005 auch gegen Schumacher Ermittlungen aufnahm, verwehrte das Unternehmen die Zahlung der zweiten Hälfte der damals vereinbarten Abfindung.

Werner Seifert (Deutsche Börse)

Werner Seifert musste 2005 nicht nur gegen mächtige Hedge-Fonds, sondern auch gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Deutsche Börse kämpfen. Während er im Ringen um die Übernahme der London Stock Exchange (LSE) auf Druck von Großaktionären klein beigeben musste, setzte er sich im Streit um seine Abfindung durch. Er erhielt etwas weniger als 10 Mio. Euro zum Abschied.

Carly Fiorina (HP)

2005 musste die einstige Vorzeige-Managerin Carly Fiorina den Chefsessel beim US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) räumen. Sie stolperte vor allem über die bis heute umstrittene Übernahme des Konkurrenten Compaq im Jahr 2002. Die Texanerin bekam eine Abfindung von 21 Mio. $ ausbezahlt.

Klaus Esser (Mannesmann)

Die wohl größte Abfindung in Deutschland strich der Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser ein. Nachdem er den Übernahmekampf gegen Vodafone verloren hatte, bekam er 15 Mio. Euro Abfindung zusätzlich zur Auszahlung seines Vertrags. Die üppigen Prämien stehen auch im Mittelpunkt des Mannesmann-Prozesses, der derzeit in seiner zweiten Auflage stattfindet. Angeklagt sind neben Esser auch der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel.

Wolfgang Urban (Karstadt-Quelle)

Kein glückliches Händchen bewies Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban mit Investments in Fitness-Center, Starbucks-Cafes und den Sportsender DSF. Nachdem Urban 2004 eine desaströse Bilanz vorgelegt hatte, wurde er als Konzernchef abberufen. Medienberichten zufolge erhielt Urban bei seinem Abgang rund 10 Mio. Euro.

Clemens Börsig (Deutsche Bank)

Der ehemalige Finanzchef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, ließ sich seinen Wechsel in den Aufsichtsrat mit einer Abfindung von mehr als 17 Mio. Euro entlohnen. Börsig trat im Mai 2006 die Nachfolge von Rolf Breuer als Aufsichtsratsvorsitzender an. Eigentlich war Börsig als Übergangslösung für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt worden, falls dieser wegen des Mannesmann-Prozesses zurücktreten müßte.

Richard Grasso (NYSE)

Rekordverdächtig ist das Abfindungspaket, das Ex-NYSE-Chef Richard Grasso genehmigt wurde. Satte 187 Mio. $ sollte der Börsenchef als Abschiedsgeschenk erhalten. Der seit 1988 amtierende NYSE-Chef hatte sein Amt im September 2003 aufgegeben, nachdem die Kritik an seinem Gehalt von 140 Mio. $ und der exorbitanten Abfindung immer massiver geworden war. Der New Yorker Generalstaatsanwalt reichte 2004 schließlich eine Klage gegen Grasso ein.

FTD