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Krise in der Eurozone Spanien - ein Irland in XXL-Format?


Spaniens Finanzen sind gesünder als die von Irland oder Griechenland. Dennoch haben die Anleger ihre Zweifel. Muss in der Schuldenkrise auch Madrid Hilfen der EU in Anspruch nehmen?

Spanien ist nicht Irland. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hält es für "absolut ausgeschlossen", dass Madrid in der Schuldenkrise auf Hilfen der Europäischen Union angewiesen sein könnte. Die Experten sind sich da aber nicht so sicher. "Irland, Griechenland und Portugal, das potenziell als der nächste Dominostein gilt, sind nur die Appetithappen", schrieb der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman in der "New York Times". "Danach kommt Spanien. Das wird das Hauptgericht sein."

Dabei unterscheidet sich die Finanzlage in Spanien stark von der in Griechenland oder Irland: Das Niveau der Staatsverschuldung ist mit 64,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) relativ niedrig; Madrid hat anders als Athen bei seinen Haushaltsbilanzen nicht geschummelt; und es muss im Gegensatz zu Irland keine Milliardenbeträge zur Rettung seiner Banken aufbringen. "Ich denke, dass für Spanien keine europäische Rettungsaktion notwendig sein wird", meint der spanische Wirtschaftsprofessor Pablo Martín Aceña.

Zwei Schwachpunkte

Aber die Anleger sind skeptisch. Die Aktienkurse an der Madrider Börse sanken in der vorigen Woche um sieben Prozent. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen steigen auf immer neue Rekordwerte. Wenn die Anleihen sich weiter verteuern, wird irgendwann der Moment kommen, an dem auch Spanien Schwierigkeiten bekommen wird, seine Schulden zu finanzieren.

Die spanische Wirtschaft weist zwei wichtige Schwachpunkte auf. Sie ist erstens aufgrund relativ hoher Löhne und Preise in vielen Bereichen international nicht konkurrenzfähig. Die Wirtschaft hat daher wenig Wachstumschancen und kaum Hoffnung, von einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent - der höchsten in Westeuropa - herunterzukommen. Zweitens ist in Spanien ebenso wie in Irland eine Immobilienblase geplatzt. Der Bauboom der vergangenen Jahre war zu einem großen Teil mit Krediten von Sparkassen finanziert worden. Niemand kann sagen, in welchem Ausmaß die kleineren Geldinstitute heute auf "faulen Krediten" sitzen, die kaum mehr einzutreiben sind.

Lange Liste an Hausarbeiten

"Es reicht nicht aus, nur zu erklären, dass Spanien nicht Irland ist", betonte die Wirtschaftszeitung "Cinco Días". "Man muss dies auch mit Taten beweisen." Das Konkurrenzblatt "Expansión" listete eine Reihe von Maßnahmen auf, mit denen Spanien das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen könnte. Danach müsste Madrid die Fusion von Sparkassen beschleunigen, den Immobilienmarkt sanieren, die Regionen des Landes zur Haushaltsdisziplin anhalten, eine Rentenreform einleiten und die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern.

Nach einer Prognose der EU-Kommission wird Spanien 2011 bei der Neuverschuldung den zugesagten Wert von 6,0 Prozent des BIP voraussichtlich um 0,4 Punkte überschreiten. Nach den Regeln der Europäischen Währungsunion darf die Neuverschuldung des Gesamtstaates eigentlich nicht über 3 Prozent liegen. Die EU-Behörde erinnerte die Spanier daran, dass sie sich zu weiteren Sparmaßnahmen verpflichtet hatten für den Fall, dass sie ihre Haushaltsziele nicht einhalten können.

Hubert Kahl, DPA DPA

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