Landesbanken WestLB-Eigner für Fusion mit Helaba


Überraschende Wende im Poker um die Zukunft der angeschlagenen WestLB: Die drittgrößte Landesbank Deutschlands strebt jetzt offenbar eine eine Fusion mit der kleineren Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) an.

Die monatelang diskutierte Fusion der WestLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zum zweitgrößten deutschen Geldhaus ist vom Tisch: Die WestLB-Anteilseigner - das Land Nordrhein-Westfalen und die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen - befürworteten am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung die rasche Aufnahme von Fusionsgesprächen mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Auch die Helaba signalisierte Gesprächsbereitschaft. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers begrüßte den Vorstoß: "Jetzt herrscht Klarheit über die weitere Entwicklung der WestLB." Die hessische Landesregierung äußerte sich ebenfalls positiv: "Ziel von solchen Gesprächen sollte es sein auszuloten, ob die Kräfte beider Institute für beide Seiten gewinnbringend gebündelt werden können", sagte der Sprecher des Wiesbadener Finanzministeriums, Jürgen Harrer.

Monatelanges Tauziehen beendet

Der Einigung war ein monatelanges Tauziehen zwischen den WestLB-Anteilseignern vorangegangen. Die Sparkassenverbände hatten zunächst einen Zusammenschluss mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) befürwortet. Doch wurde dies von der Landesregierung abgelehnt, die eine Schwächung des Finanzplatzes Düsseldorf befürchtete und stattdessen für die Beteiligung privater Investoren plädierte. Rüttgers betonte: "Auf der Basis des neuen Geschäftsmodells hat die Bank eine Zukunft. Zusammen mit der Helaba leisten wir einen Beitrag zur Konsolidierung."

Sorgen müssen sich allerdings wohl die Beschäftigten bei der Bank machen. Denn in der Erklärung hieß es auch, die Anteilseigner seien sich einig, "dass wesentliche Restrukturierungsmaßnahmen in der WestLB notwendig sind". Dies beinhaltet in der Regel den Abbau von Arbeitsplätzen.

Anteilseigner garantieren angemessene Kapitalausstattung

Die Helaba äußerte sich vorsichtig optimistisch zu den anstehenden Fusionsgesprächen. "Grundlage der Gespräche wird sein, dass hinsichtlich der Bewertung der Institute belastbare Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2007 vorliegen", hieß es in einer Erklärung der Landesbank Hessen-Thüringen: "Sämtliche Risiken müssen transparent, kalkulierbar und beherrschbar sein." Darüber hinaus müsse Klarheit über das künftige Geschäftsmodell der WestLB bestehen. Die WestLB-Anteilseignern betonten, der Zusammenschluss könne das Geschäftsmodell des kombinierten Instituts stärken und die Standortinteressen der beteiligten Länder angemessen berücksichtigen.

Die dringend notwendige Neuausrichtung des Geschäftsmodells der WestLB soll danach durch den Erwerb des Mittelstandsgeschäfts der IKB-Bank oder durch eine andere vergleichbare Akquisition beschleunigt werden. Dabei seien die Anteilseigner auch offen für die Beteiligung von Finanzinvestoren, hieß es. Bei der Neuausrichtung des Geschäftsmodells soll vor allem das Mittelstandsgeschäft der WestLB und das Produktangebot für das Retailgeschäft der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen gestärkt werden.

Eigentümer wollen Kapitalausstattung "jederzeit gewährleisten"

Das Land Nordrhein-Westfalen, die Landschaftsverbände sowie die Sparkassenverbände bekräftigten ihre Bereitschaft, "jederzeit eine angemessene wirtschaftliche Kapitalausstattung der WestLB zu gewährleisten". Die Düsseldorfer Bank hatte in diesem Jahr durch Fehlspekulationen im Eigenhandel und durch die US-Immobilienkrise Verluste von fast einer Milliarde Euro erlitten und rechnet für das Gesamtjahr deshalb mit tiefroten Zahlen in der Bilanz.

DPA DPA

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