Lieferstopp Moskau will Ukraine den Gashahn zudrehen


Im Streit über die drastische Preissteigerung für Gaslieferungen an die Ukraine bleibt Russland hart. Moskau droht, die Lieferungen an seinen Nachbarn bereits am Sonntag einzustellen.

Im Streit über die drastische Preissteigerung für Gaslieferungen an die Ukraine bleibt Russland hart. Das Gasmonopol Gasprom wies am Freitag einen Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko zurück, den Preis bis zum 10. Januar einzufrieren. Das meldete die Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Juschtschenko wollte mit seinem Vorschlag offenbar Zeit für die Gespräche zur Beilegung des Streits gewinnen.

Stopp an Neujahr?

Moskau droht, die Lieferungen an seinen Nachbarn am Sonntag um 8.00 Uhr einzustellen, sollte Kiew die Vervierfachung des Preises nicht akzeptieren. Russland will den Preis für je 1.000 Kubikmeter Erdgas von derzeit 50 Dollar (42 Euro) auf 220 bis 230 Dollar (186 bis 194 Euro) anheben. Das entspricht in etwa dem Weltmarktniveau. Die Ukraine befürchtet davon Nachteile für ihre energiehungrige Schwerindustrie und hat darum gebeten, die Erhöhung über fünf Jahre zu strecken. Die Gespräche zur Beilegung des Streits wurden am Freitagmorgen in Moskau in Arbeitsgruppen fortgesetzt, wie der staatliche russische Fernsehsender Rossija meldete.

"Klar und entschlossen handeln"

Gasprom-Chef Alexej Miller bekräftigte derweil die Drohungen gegen die Ukraine. "Wir werden klar und entschlossen handeln", sagte er. Der Gasprom gehörende russische Fernsehsender NTV unterbrach extra sein Programm, um die Äußerungen Millers live zu übertragen. Ein Sprecher von Gasprom wies Einlassungen des ukrainischen Ministerpräsidenten Juri Jechanurows zurück, wonach Gasprom neue Vorschläge unterbreitet habe. Jechanurow erklärte auch, sein Land erhalte nächstes Jahr 40 Milliarden Kubikmeter Gas aus Turkmenien. Diese Lieferungen seien bereits vertraglich vereinbart, betonte er in einem Radiointerview. Er trat damit offenbar Befürchtungen entgegen, die Ukraine werde künftig weniger Gas aus Turkmenien erhalten.

Die russische Regierung hatte am Donnerstag angekündigt, im kommenden Jahr ihre Gasimporte aus Turkmenien zu erhöhen. Analysten vertraten die Ansicht, damit würde weniger Gas aus Turkmenien für den Export in die Ukraine übrig bleiben. Die Ukraine deckt ihren Gasbedarf zu etwa 45 Prozent aus Turkmenien. Aus Russland kommen etwa ein Drittel. Das ukrainische Notfallministerium kündigte am Freitag die Einrichtung eines Krisenstabes an, der im Falle einer Energieknappheit die Lage koordinieren soll. Die Bundesregierung sieht derzeit keine Gefahr für die deutsche Gasversorgung durch den Streit zwischen Russland und der Ukraine. Zudem rechnet sie mit einer Einigung der Kontrahenten, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin sagte. Eine deutsche Vermittlerrolle lehnt die Regierung ab. Zuvor hatten Politiker mehrerer Parteien den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Vermittlung aufgefordert.

EU berät über Folgen des russisch-ukrainischen Gasstreits

Die Europäische Kommission will in der kommenden Woche mit Energievertretern der 25 EU-Staaten über die Auswirkungen des russisch-ukrainischen Gasstreits sprechen. Die Sitzung sei für den 4. Januar anberaumt, erklärte die EU-Behörde am Freitag in Brüssel. Man müsse auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, sagte ein Sprecher der Kommission.

Reuters/AP AP Reuters

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