LKW-MAUT Brummis müssen blechen


Lautlose Kontrolle: Mit Anfang nächsten Jahres müssen Lastwagenfahrer auch auf deutschen Autobahnen eine Maut zahlen. Pkw-Fahrer werden davon wenig merken.

Auf Deutschlands Autobahnen steht ein Umbruch bevor: Mit Beginn des nächsten Jahres müssen Lastwagenfahrer eine Maut entrichten. Unterwegs mit dem Pkw wird man davon allerdings kaum etwas bemerken - auch Staus sollen ausbleiben. Dafür wollen die Firmen DaimlerChrysler Services, Deutsche Telekom und Cofiroute sorgen. Ihr »Toll Collect«-(TC)-Gerät gilt im Rennen um das beste System zur Erhebung der Lkw-Maut auf Autobahnen als aussichtsreicher Kandidat. Es soll die kilometergenaue Abrechnung der Maut gewährleisten.

Keine 'italienischen Zustände'

»Wir sind bereit«, sagt Michael Tasbach, Leiter der mit der Entwicklung von TC betrauten Abteilung bei Daimler mit Sitz in Bonn. Modernste Elektronik soll Staus vor Mautstationen wie in der Schweiz oder in Italien vermeiden, wenn wie geplant ab 2003 auch in Deutschland die Lkw-Maut eingeführt wird. Derzeit liegt das Gesetz beim Vermittlungsausschuss zwischen Bund und Ländern. Die Länder fordern eine klare Zweckbindung der Einnahmen für Projekte der Verkehrsinfrastruktur.

Daimler gibt Wahlmöglichkeit

Erhält Daimler den Zuschlag gegen den einzigen Konkurrenten Ages Maut Systems, der sich vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wieder in das Verfahren eingeklagt hatte, haben Lkw-Fahrer die Wahl. Sie können sich entweder manuell oder automatisch in das TC-System einbuchen, bevor sie auf eine mautpflichtige Autobahn auffahren.

Automatische Buchung lohnt nicht immer...

Für den Fahrer, der mit seinem mautpflichtigen Gefährt, einem mehr als 12 Tonnen schweren Lkw, nur selten die Autobahn nutzt, lohnt sich die automatische Einbuchung nicht. Er zahlt entweder gleich per Internet oder zieht sein Ticket an einem Automaten. Die Geräte sollen an zahlreichen Tankstellen, Auffahrten und Raststätten aufgestellt werden. Der Fahrer führt seine Chipkarte ein, gibt die Achszahl an, wählt die Route aus und zahlt den Betrag für die geplante Strecke - je nach Fahrzeug zwischen 10 und 17 Cent (19,6 und 33,3 Pfennig) pro Kilometer.

...ist aber praktischer

Bequemer für Vielfahrer ist die automatische Einbuchung. Wenn der Fahrer seinen Wagen startet, schaltet er gleichzeitig den eingebauten Zähler, die so genannte On-Board-Unit (OBU), mit ein. Auf der OBU sind alle relevanten Daten wie Achszahl, Gewicht, Abgas- Schadensklasse und die gefahrenen Kilometer gespeichert.

Jederzeit Ortung möglich

Außerdem ist die OBU mit einem Empfänger für das »Global Positioning System« (GPS) und einem Mobilfunk-Sender ausgestattet. Das GPS ermöglicht über den Empfang von Signalen, die per Satellit gesendet werden, jederzeit eine genaue Bestimmung der Position des Lkws. »Das Gerät kann ohne Mühe unterscheiden, ob sich der Lastwagen auf einer mautpflichtigen Autobahn oder einer parallel verlaufenden Landstraße befindet«, verspricht Michael Rummel, Leiter des Daimler Mobility Management.

Unbemerkte Kontrolle

Die Maut-Kontrolle selbst wird vom Fahrer kaum bemerkt. Auf der Köln-Bonner Autobahn A 555 werden die Stationen schon seit Jahren an zwei Versuchsbrücken getestet. Passiert ein Wagen eine Brücke mit Kontrollsystem, wird das Fahrzeug von einem Fächer aus Laserstrahlen erfasst. Der Computer liest das Kennzeichen ein und bestimmt Fahrzeugtyp und -größe. Über einen Datenabgleich ermittelt das Gerät in Sekundenschnelle, ob es sich um einen mautpflichtigen Lkw handelt und die Gebühr ordnungsgemäß entrichtet wurde. Die Bilder der Autos, die nicht unter die Mautpflicht fallen, werden sofort vernichtet - so verlangt es das Datenschutzgesetz.

Zuschlag erhofft

Mit TC hofft die Daimler-Telekom-Cofiroute-Gruppe nicht nur in Deutschland mitzuzählen, sondern in der ganzen Welt. In Österreich hat sich die Gruppe ebenfalls um den Zuschlag beworben. »Auch in Asien ist die Maut derzeit ein großes Thema«, sagt Tasbach. Geld sollen dabei besonders die »Mehrdienste« bringen: Über GPS haben zum Beispiel nicht nur Maut-Kontrolleure, sondern gegen Aufpreis auch die Spediteure ihre Fahrzeuge genau im Blick. Tasbach verspricht: »So können überflüssige Leerfahrten vermieden werden.«

Steffie Tölg


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