Lothar Späth Grenzgänger, Politiker, Manager und "Mr. Industrie Ost"


Lothar Späth hat Servus gesagt - und gar nicht leise: Am Donnerstagmittag fuhren vor dem ehemaligen Gästehaus des volkseigenen Kombinates Carl Zeiss Jena die Möbelpacker vor und brachen Späths Zelte nach zwölf Jahren in Thüringen ab.

Mit einem Hauch von Wehmut sagte Jenoptik-Chef Lothar Späth bei der letzten Hauptversammlung a Ade. "Es war das Risikoreichste, aber auch das Spannendste, was ich in meinem Leben gemacht habe", bekannte der 65-Jährige. Und er vergaß beim Abschied auch die 16.000 Menschen nicht, die er als eine seiner ersten Amtshandlungen beim größten ostdeutschen Technologiekonzern vor zwölf Jahren entlassen musste. Das heute erfolgreiche Unternehmen sei auch auf ihrem Rücken entstanden. Der seit 1998 börsennotierten Jenoptik AG bleibt er als Aufsichtsratschef verbunden.

'Aufbauhelfer Ost' hat neue Pläne

Nach seiner Zeit als Aufbauhelfer Ost hat Späth mit Ruhestand ohnehin nichts im Sinn. Er hat "wieder Lust, etwas ganz anders zu machen." Der Schwabe wird die Investmentbank Merrill Lynch bei ihrem Europageschäft beraten, einige neue Aufsichtsratsmandate hat er auch angenommen. "Es ist nicht meine Welt, in der Sonne zu liegen." Nach seinem Rücktritt als CDU-Regierungschef in Stuttgart 1991 war dem Schwaben in Jena ein für Politiker ungewöhnliches Comeback gelungen: als Unternehmenssanierer und Konzernschmied.

Einst war er der 'Senkrechtstarter' der CDU

Umtriebig und unterwegs war er schon immer. Viele Jahre galt Späth als politischer "Senkrechtstarter" der CDU. 1978 wurde er mit 40 Jahren in Stuttgart zum damals jüngsten deutschen Ministerpräsidenten gewählt. Er machte sich einen Namen als Modernisierer bevor er nach dem Vorwurf zu großer Nähe zur Industrie als Regierungschef ging. Nur wenige Wochen später wechselte der Politiker (Spitzname "Cleverle") ins Unternehmerlager. Stolz ist er darauf, "dass mich Niederlagen nicht umwerfen." Mit der Politik blieb er aber verbandelt - 2002 ging er als möglicher Wirtschaftsminister der Union in den Bundestagswahlkampf. Der Ausflug erledigte sich mit dem Wahlsieg von Rot-Grün.

Aktionäre waren sehr zufrieden

Sein Auftauchen im April 1991 in Thüringen - zunächst als Zeiss- Berater der damaligen Landesregierung und dann als Chef des Unternehmens Jenoptik - sorgte zuerst für Wirbel. Für viele ist der Industriepolitiker, der aus einem ehemaligen Kombinat einen Technologiekonzern mit 10.000 Beschäftigten formte, heute ein "Glücksfall". "Ihre fröhliche, zupackende Art hat vielen Mut gemacht", sagte ein Aktionär. Späth, am 16. November 1937 als Sohn eines Lagerverwalters in Sigmaringen geboren, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. In Baden-Württemberg wird er künftig häufiger als in Jena sein. In Stuttgart hat er sich ein Büro gemietet.


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