HOME

stern.de-Umfrage: Wer hat Arbeit für Roland Koch?

Vorsichtig, gaaanz vorsichtig, hat Hessens Ministerpräsident angedeutet, dass er nicht zwingend Hessens Ministerpräsident bleiben wird. Aber was dann? Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Teeküche? Wir bitten die stern.de-Leser: Schreiben Sie uns unter aktion@stern.de, ob Sie einen Job für Roland Koch haben.

Es gibt ein Leben danach. Oskar Lafontaine, SPD, Ex-Ministerpräsident des Saarlandes, heuerte als "Bild"-Kolumnist an. Lothar Späth, CDU, Ex-Chef von Baden Württemberg, wurde Chef von Carl Zeiss Jena. Hans Eichel, SPD, schmierte bei der Wahl in Hessen ab und durfte dann Gerhard Schröders Kasse betreuen. Auch Roland Koch scheint sich vorsichtig, gaaanz vorsichtig, mit dem Gedanken zu befassen, dass er nicht ewig hessischer Ministerpräsident sein wird. "Glauben Sie doch bitte nicht, dass ich mich persönlich so wichtig nehme", sagte er auf die Frage der "Bild", ob er aufs Amt verzichte, wenn die SPD dies zur Bedingung für eine große Koalition in Wiesbaden machen würde.

Tatsächlich hat Koch ein Karriereproblem, aus drei Gründen. Die Bevölkerung will ihn nicht: In Umfragen von Forsa und Infratest-dimap hat sich jeweils eine Mehrheit gegen seinen Verbleib im Amt des hessischen Ministerpräsidenten ausgesprochen. Kanzlerin Angela Merkel will ihn auch nicht, jedenfalls nicht vor 2009: Die CSU gibt den Posten des Wirtschaftsministers nicht frei, also kann Koch nicht ins Berliner Kabinett einrücken. Die hessischen Parlamentarier wollen Koch erst recht nicht: SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti würde sich eher die Hand abhacken, als eine große Koalition unter Koch einzugehen, Grünen-Chef Tarek Al-Wazir hat eine ähnlich gefestigte Abneigung gegen die Jamaika-Koalition.

Berüchtigte Gaben

Was nun, Herr Koch? Ein paar Monate wird er in Hessen noch ausharren können, dann kommt die Stunde der Wahrheit - und die Suche nach einem neuen Job beginnt. Da die Arbeitsagenturen bekanntermaßen nur schleppend reagieren, fragt stern.de Sie, die Leser: Haben Sie eine Verwendungsmöglichkeit für Roland Koch? Eine Idee, wo er sich nützlich machen könnte? Schreiben Sie Ihre Vorschläge an aktion@stern.de, wir sammeln sie und präsentieren die besten Angebote und Ideen auf stern.de

Kochs Qualifikationen sind zweifelsohne beträchtlich. Der 49-Jährige ist Volljurist mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht, 14 Jahre arbeitete er als Anwalt, danach neun Jahre als Ministerpräsident Hessens. Seine Qualitäten als Teamchef sind genauso berüchtigt wie seine Gaben als Redner. Und spätestens seit der CDU-Parteispendenaffäre dürfte er auch Kenntnisse auf dem Finanzsektor haben, vor allem zu Geldanlagen in der Schweiz. Fremdsprachenkenntnisse sind unbekannt, mutmaßlich beherrscht er sowohl das Englische wie auch das Hessische fließend. Sein Nachteil: Sein Hang zur verbalen Zuspitzung könnte Mitarbeiter verletzen und den Betriebsrat auf den Plan rufen. Aber dieses Problem haben viele führungsstarke Persönlichkeiten, mögen sie nun Roland Koch oder Otto Schily heißen.

Stoiber ist schon in Brüssel

Kniffliger ist, einen Job zu finden, der Kochs Ego und derzeitiger Position entspricht. In Berlin tummeln sich Heerscharen an Beratern und Netzwerkern, die Politikerkarrieren ölen, sollte es zum Wahl-GAU kommen. Einer von ihnen sagte stern.de, dass Koch wohl keinen Chefposten in einem privaten DAX-30-Unternehmen antreten könnte. Dafür sei er schlicht nicht qualifiziert. Allenfalls in politisch dominierten Firmen könne er etwas werden, also bei der Bahn, der Post, der Telekom, vielleicht auch bei Energieversorgern, weil deren Hauptgeschäft derzeit das Verhandeln mit der Regierung sei. Koch ersetzt Zumwinkel? Leider ist der Job schon vergeben. Koch goes RWE? Klingt auch nicht sexy. Realistischer ist, dass Koch versuchen wird, in der Politik zu bleiben. Gerüchte besagen, dass er zur EU-Kommission wechseln könnte. Edmund Stoiber, auch so ein Ex, ist dort bereits unter Vertrag, er soll - ehrenamtlich - den bürokratischen Wust entsorgen. Für Koch müsste es schon ein bisschen mehr sein als ein Ehrenamt. Aber die Vakanzen sind auch in Brüssel begrenzt.

Nichts als Fragen und Eventualitäten. Also helfen Sie mit, hier ist ihr bürgerschaftliches Engagement gefragt: Vermitteln Sie einen Job für Roland Koch, sonst werden wir die "hessischen Verhältnisse" nie los. Angebote jederzeit unter aktion@stern.de.

lk