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LUFTFAHRT: Angeschlagene LTU sieht eigene Fluglizenz bedroht

Ohne baldiges Sanierungskonzept, das auch noch eine dauerhafte Liquidität garantiert, droht der LTU vielleicht der Entzug der Fluglizenz.

Dem angeschlagenen Ferienflieger LTU droht nach eigener Einschätzung der Entzug seiner Fluglizenz. Werde nicht »zeitnah« ein Sanierungskonzept vorgelegt, das die dauerhafte Liquidität gewährleistet, könnte die Fluglizenz entzogen werden, sagte LTU-Sprecher Marco Dadomo am Mittwoch. Für Fluglizenzen ist das Luftfahrt-Bundesamt zuständig, das aber keine Stellungnahme zur Lage der LTU abgeben wollte. Diese Dinge seien vertraulich, hieß es. Nach dem Zusammenbruch des LTU-Großaktionärs Swissair wird nun dringend ein neuer Investor gesucht. Die nordrhein-westfälische Landesregierung teilte dazu mit, Gespräche mit potenziellen Investoren würden mit Hochdruck geführt.

Nach Angaben des Vergleichsverwalters der Swissair liegt inzwischen ein Papier vor, wie sich die schweizerische Fluglinie von ihrem 49,9-Prozent-Anteil an der LTU trennen könnte. Nähere Angaben dazu wurden zunächst aber nicht gemacht.

Derzeit arbeitet LTU an einem Sanierungplan, der bis 2004 Einsparungen durch Lohnkürzungen und Einschnitte bei Sachkosten von rund einer halben Milliarde Mark vorsieht. Nachdem am Freitag mit dem Kabinen- und Bodenpersonal bereits ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen worden war, ringen derzeit die LTU-Geschäftsführung und die Vereinigung Cockpit (VC) noch um einen Abschluss für die rund 330 Piloten der Gesellschaft. Erste Gespräche waren am Freitag abgebrochen worden, da bei den Themen Flugstunden- und Arbeitsplatzgarantie keine Einigung erzielt werden konnte. Sie wurden am Mittwochmittag aber fortgesetzt.

Die Piloten wollen eine unbefristete zehnprozentige Lohnkürzung akzeptieren und erhalten derzeit ihr Gehalt auf Basis einer verminderten Zahl von Flugstunden. Dies kann nach LTU-Angaben aber ebenso wenig gewährleistet werden wie eine Arbeitsplatzgarantie. Mögliche Investoren könnten sonst abgeschreckt werden, hieß es zur Begründung. Die Landesregierung in Düsseldorf führt nach eigenen Angaben unterdessen weiterhin Gespräche mit den LTU-Anteilseignern, Banken sowie »potenziellen Investoren«.

Die Finanzkrise der Verluste schreibenden LTU hatte sich verschärft, nachdem der zahlungsunfähige Großaktionär Swissair vor vier Wochen um Gläubigerschutz nachsuchen musste. Die schweizerische Fluggesellschaft hatte bei Übernahme ihres knapp 50-Prozent-Anteils an der LTU den Ausgleich von Verlusten bei der LTU bis zum Jahr 2005 garantiert.

Der Kölner Handelskonzern Rewe, mit 40 Prozent zweitgrößter Anteilseigner, will sich eigenen Angaben zufolge zwar an der Sanierung des Ferienfliegers beteiligen, seine Anteile aber nicht aufstocken. Wie das Engagement aussehen wird, ist aber bisher noch unklar. Eine ins Gespräch gebrachte Treuhandlösung unter Beteiligung des ehemaligen Anteilseigners WestLB wurde von der Landesbank mit Hinweis auf das Wettbewerbsrecht abgelehnt. Die WestLB ist am Touristik-Konzern Preussag beteiligt und musste seinerzeit aus kartellrechtlichen Gründen seine LTU-Anteile abgeben. Auch Mitbewerber Air Berlin hat abgewunken. »Das ist nicht im Gespräch und nicht beabsichtigt«, sagte ein Sprecher zu Reuters.

Ein Krisengipfel zur Rettung des Unternehmens, an dem neben NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) und Vertreter des Wirtschaftsministeriums auch die WestLB, die Stadtsparkasse Düsseldorf sowie Rewe teilgenommen hatte, war am Freitag ohne Ergebnis vertagt worden. Die Landesregierung hat bereits eine Bürgschaft in Millionenhöhe in Aussicht gestellt, einen schlüssigen Sanierungsplan aber zur Voraussetzung gemacht.