DFB-Pokal Bayer zerstört Klinsmanns Pokal-Träume


Was für ein denkwürdiges Spiel: Bayer Leverkusen hat mit einem 4:2-Sieg Bayern München aus dem DFB-Pokal geworfen und steht im Halbfinale. In der zweiten Halbzeit fielen innerhalb von 20 Minuten fünf Tore, bis Stefan Kießling in einer hochdramatischen Schlussphase für die Entscheidung sorgte.

Bayer Leverkusen hat seinen Bayern-Fluch besiegt und in einem am Ende dramatischen Pokal-Fight die erste Titelhoffnung der kriselnden Münchner in dieser Saison zerstört. Nach einer lange Zeit ideenlosen Vorstellung verlor der Cup-Verteidiger am Mittwoch bei der Werksmannschaft mit 2:4 (0:0) und schied im Viertelfinale des DFB-Pokals aus. Tranquillo Barnetta (54.), Arturo Vidal (61.), Patrick Helmes (70.) und Stefan Kießling (90.+2) machten vor der Bayer-Rekordkulisse von 50 500 Zuschauern in der ausverkauften Düsseldorfer LTU-Arena die erste Bayern-Niederlage im Pokal seit dem 2:4 bei Alemannia Aachen am 20. Dezember 2006 perfekt. Nach den späten Gegentoren durch Lucio (72.) und Miroslav Klose (74.) musste der Cupsieger von 1993 allerdings noch mächtig um das Halbfinale zittern. Für Bayer endete damit eine Negativserie von acht Pflichtspiel-Niederlagen in Serie gegen die Bayern.

"Wir müssen den Pokal leider abhaken, aber es hilft jetzt nichts, auf die Jungs draufzuhauen. Eine Stunde lang hat bei uns was gefehlt, wir müssen das jetzt verdauen", erklärte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann. Nüchtern fiel die Analyse von Manager Uli Hoeneß aus: "Wir müssen die Mannschaft jetzt wieder so nach vorne bringen, dass wir unsere Ziele in der Bundesliga und Champions League erreichen."

"Tolles Spiel" von Bayer

Bayer-Sportdirektor Rudi Völler sprach von einem "tollen Spiel unserer Mannschaft. Dieses Tempo über 90 Minuten zu halten, verdient großen Respekt". Sein Trainer Bruno Labbadia bezeichnete den Sieg als hochverdient. "Wir haben eine unglaublich junge Mannschaft mit einem großen Potenzial. Dieser Sieg war ein wichtiger Schritt auch für die Köpfe der Spieler", sagte der Coach.

In der Liga läuft es für die Münchner im Augenblick alles andere als wunschgemäß, und auch in ihrem 200. DFB-Pokal-Spiel blieb Klinsmanns Starensemble 70 Minuten lang den Nachweis seiner Klasse schuldig. Während die Leverkusener entschlossen in die Zweikämpfe gingen und eine hohe Laufbereitschaft demonstrierten, fehlten den Aktionen der Bayern ohne den grippekranken Philipp Lahm und den an der Achillessehne verletzten Torjäger Luca Toni Tempo und Biss. Erst beim 0:3-Rückstand wachten die Münchner auf und brachten die bis dahin klar dominierenden Gastgeber in Bedrängnis. In der 82. Minute verhinderte Rene Adler gegen Franck Ribéry sogar das drohende 3:3.

Hochdramatische Schlussphase

Nach dem 0:1 in Hannover hatte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser gefordert, dass ein Ruck durch die Mannschaft gehen müsse. Dies bewies der Labbadia-Elf eindrucksvoll. In einer schwungvollen Anfangsphase ließ Leverkusen dem Rekord-Pokalsieger kaum Zeit zum Luftholen, doch Helmes vergab gleich dreimal in aussichtsreicher Position. Barnetta (22.) verpasste mit einem Versuch aus 18 Metern die nächste Gelegenheit, die Werkself in Führung zu schießen.

Von der Bayern-Offensive war wenig zu sehen. Erst vier Minuten vor der Pause wurde Nationalkeeper Adler gefordert, als er einen Drehschuss von Hamit Altintop reaktionsschnell entschärfte. Im zweiten Durchgang steigerten die Leverkusener das Tempo noch einmal und gingen durch eine feine Einzelleistung von Barnetta in Führung. Der Schweizer nahm ein Zuspiel von Sinkiewicz auf, umkurvte zwei Münchner Abwehrspieler und ließ Rensing mit einem platzierten Schuss aus 16 Metern keine Chance. Sechs Minuten später machte Vidal mit seinem Kopfball nach einer Ecke von Barnetta das 2:0 perfekt.

Klinsmann reagierte umgehend und brachte mit Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger zwei frische Offensivkräfte aufs Feld, doch die Maßnahme zeigte erst nach dem dritten Treffer durch Helmes Wirkung. Lucio nach einem Stellungsfehler von Adler und Klose per Kopfball brachten ihre schier aussichtslos zurückliegende Mannschaft doch noch einmal heran und sorgten für eine hochdramatische Schlussphase. Erst Kießling sorgte für klare Verhältnisse.

Andreas Schirmer und Dietmar Fuchs/DPA DPA

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