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MÄRKTE: Der große Rundumschlag der Halbjahresergebnisse

Die neuen Zahlen lassen hoffen: zwar leiden immer noch einige Unternehmen unter der Wirtschaftsflaute und den schwachen Börsen, aber es gibt auch Krisengewinnler.

Börsennotierte Unternehmen sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig per Gesetz öfter als nur einmal im Jahr zur Vorlage ihrer Geschäftszahlen verpflichtet werden. Ein entsprechendes Gesetz zur Veröffentlichung von »wischenberichten« wird derzeit im Bundesjustizministerium erarbeitet. Dabei muss noch geklärt werden, wie oft solche Zwischenberichte vorgelegt werden sollen und wie sie geprüft werden. Die Bundesregierung folge damit einem Vorschlag der Regierungskommission zur Reform des Aktienrechts. Momentan dominieren aber die neuen Halbjahresergebnisse einiger Unternehmen die Wirtschaftsberichterstattung.

Sixt legt im ersten Halbjahr Rückwärtsgang ein

Deutschlands größter Autovermieter Sixt nimmt im ersten Halbjahr bei Umsatz und Gewinn den Fuß vom Gas. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ging um rund 10 Prozent auf 25,1 Millionen DM (12,83 Mrd Euro) zurück. Der Umsatz blieb mit rund 2,4 Milliarden DM um 4,6 Prozent hinter dem des Vorjahreszeitraumes zurück. Für das Gesamtjahr erwartet Sixt nach wie vor einen Rückgang von zehn Prozent bei Umsatz und Überschuss.

Commerzbank-Gewinn bricht dramatisch ein

Börsenschwäche und Konjunkturflaute haben der Commerzbank einen dramatischen Gewinneinbruch von 76 Prozent im ersten Halbjahr beschert. Zugleich stiegen die Kosten weiter, wenn auch zuletzt leicht abgeschwächt. Dabei verringerte sich das Vorsteuerergebnis um 73,9 Prozent auf 495 Millionen Euro (965,25 Millionen Mark). Allerdings war das Vorjahresergebnis maßgeblich von dem hohen Sonderertrag aus dem Börsengang der Tochter comdirect bank beeinflusst. Bereinigt um diesen Ertrag fiel das Ergebnis der ersten sechs Monate um gut die Hälfte niedriger aus. Der Gewinn nach Steuern und konzernfremder Gesellschafter verringerte sich um 76,1 Prozent auf 262 Millionen Euro. Zugleich stiegen die Verwaltungsaufwendungen um 17,8 Prozent. Das Institut beschloss daher ein kurzfristiges Sparprogramm samt Einstellungsstopp.

Bayer-Gewinn brach in Gesundheitssparte ein

Einen herben Gewinneinbruch verzeichnete der Chemie- und Pharmakonzern Bayer im ersten Halbjahr 2001 in seiner Gesundheitssparte. Das operative Ergebnis in dem Bereich verringerte sich wegen Produktionsproblemen bei biologischen Medikamenten um 39 Prozent auf 400 Millionen Euro (780 Mio DM). Bayer hatte am Vortag den Cholesterinsenker Lipobay/Baycol wegen gefährlicher Nebenwirkungen vom Markt genommen. Der Vermarktungsstopp des Medikaments dürfte laut Bayer zu weiteren Einbußen bis zu 650 Millionen Euro (1,3 Mrd DM) führen.

MobilCom-Ergebnis durch UMTS-Kosten belastet

Der Telekommunikationsanbieter MobilCom verbuchte im ersten Halbjahr 2001 ein Umsatzplus von 33 Prozent. Der Umsatz stieg von 1,05 Milliarden Euro (2,05 Mrd DM) im 1. Halbjahr 2000 auf 1,4 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Im operativen Geschäft war das Halbjahres-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit 18,3 Millionen Euro positiv. Mit UMTS-Anlaufkosten betrug es dagegen minus 31,12 Millionen Euro (1. Halbjahr 2000: 65,17 Mio Euro).

Nur EADS hat Grund zur Freude

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS sieht sich trotz der Konjunkturflaute im Aufwind. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 33 Prozent auf 14 Milliarden Euro. Allerdings liegt ein guter Teil des Zuwachses an der erstmalig 100-prozentigen Einbeziehung von Airbus. Der Auftragseingang wuchs sogar von 24 auf 42,8 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand von 185 Milliarden Euro ist laut EADS der höchste in der weltweiten Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie.

Auch bei Audi brummt es

Der Audi-Konzern hat Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr trotz der schwachen Autokonjunktur spürbar gesteigert. Die Erlöse legten um 14,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro (22,3 Mrd DM) zu. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um 19,3 Prozent auf 463 Millionen Euro (905 Mio DM). Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern stieg um 4,3 Prozent auf 51.130 Beschäftigte.