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Twitter-Tirade: Donald Trump auf Zinne: Rundumschlag gegen Mauergegner, Guatemala und "AOC plus 3"

Niemand findet Donald Trump so perfekt wie Donald Trump selbst. Deshalb hat sich der US-Präsident jetzt mal Luft verschafft - und eine Twitter-Tirade gegen jeden und alles losgelassen.

Donald Trump verschafft sich via Twitter-Tirade Luft

So geht Präsident, findet Donald Trump, und er versteht nicht, wieso andere das anders sehen (können).

AFP

Wissen Sie was "AOC plus 3" bedeutet? Es geht um Mitglieder des US-Kongresses. Um gewählte Abgeordnete, die Donald Trump nicht genehm sind. Und deshalb fasst er Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) und drei weitere demokratische Jungabgeordnete, Ilhan Omar, Rashida Tlaib und Ayanna Presley ("plus 3") mal eben unter einer wenig respektvollen Gruppenbezeichnung zusammen. Die vier Demokratinnen sind aber beileibe nicht alles, was dem Präsidenten derzeit über die Leber läuft: da sind noch die, die ein Impeachment wollen und die, die die Mauer nach Mexiko nicht wollen und Guatemala und und und überhaupt: "Keep Amercia Great!" - wenn sonst nichts hilft.

In einer wahren Twitter-Tirade aus zehn Kurznachrichten innerhalb von drei Stunden - selbst für Trump-Verhältnisse sehr reichlich - hat der US-Präsident jetzt deutlich gemacht, was ihn in der Politik im Moment so alles nervt. Das ist vor allem die mangelnde Anerkennung für den in seinen Augen so großartigen Job. Aber es gab auch Anlass zu erfreuten Mitteilungen: "Glückwunsch an Boris Johnson", twitterte er seinem Bruder im Geiste zu, "dafür, dass er nun Premierminister des Vereinigten Königreichs ist. Er wird großartig sein!" Daran wird sicherlich auch der Verschreiber von Tochter Ivanka nichts ändern, die Johnson zum Regierungschef des "United Kingston" machte. Dort, in United Kingston, ist womöglich auch der "Prince of Whales", der Prinz der Wale, zuhause. Als solchen hatte Trump selbst mal den britischen Thronfolger Prinz Charles, eher als "Prince of Wales" bekannt, also Prinz der Region Wales, bezeichnet. Deshalb: Schwamm drüber, Ivanka! Der Kingston-Tweet ist längst gelöscht.

Trump nennt Prinz Charles "Prince of Whales"

Immer diese Medien

Über das Löschen eines solchen Gezwitschers würde sich wohl auch die Regierung von Guatemala freuen, doch sie sieht sich nun mit Sonderzöllen, einem nicht näher bezeichneten "Bann" oder weiteren Gebühren bedroht, oder auch mit allen dreien dieser Maßnahmen. Guatemala sei einfach "nicht brav" gewesen, meinte Trump, da ein Migrationsabkommen zwischen beiden Regierungen nicht zustande kam. Das Land habe sich entschieden, die Vereinbarung zur Unterzeichnung des Abkommens zu brechen, in dem es zu einem sicheren Drittstaat erklärt worden wäre. Ganz so einfach war es natürlich nicht. Oppositionspolitiker hatten sich nämlich an den Obersten Gerichtshof des Landes gewandt und der entschied, dass Präsident Jimmy Morales ohne Zustimmung des Parlaments keine solche Vereinbarung unterzeichnen darf. Das überstrapaziert aber offenbar die Geduld des US-Präsidenten mit dem mittelamerikanischen Staat, "der Karawanen mit einer großen Zahl Menschen, einige von ihnen mit Vorstrafen, in die Vereinigten Staaten geschickt hat", wie Trump twitterte.

Und weil das (angeblich) so ist, sei es ja so gut, dass Trump diese Mauer an der südlichen US-Grenze (angeblich) baut. In diesem Zusammenhang ging Trump in einem Tweet wieder einmal hart mit der (angeblich) falsch berichtenden Presse ins Gericht. "Wenn eine alte Mauer an der Süd-Grenze, die bröckelt und einfällt, und die in einem wichtigen Abschnitt errichtet wurde, um Probleme zu vermeiden, durch eine 30 Fuß hohe Stahl- und Betonmauer ersetzt wird, heißt es in den Medien, dass keine neue Mauer gebaut wurde." Das seien Fake News. Er baue (angeblich) jede Menge Mauern - zum Beispiel, um die Migranten aus Guatemala fern zu halten.

Donald Trump will Ilhan Omars Albtraum sein

Den jungen demokratischen Abgeordneten um Alexandria Ocasio-Cortez (Sie erinnern sich: "AOC plus 3") passt das bekanntlich gar nicht. Die vier Jung-Politikerinnen sind eigentlich als "The Squad", die "Truppe", bekannt und haben als solche auf die unhaltbaren Zustände in US-Migrationslagern aufmerksam gemacht (wie zuletzt auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International). Die vier US-Bürgerinnen, die Trump unlängst "zurück in ihre Herkunftsländer" wünschte, bezeichnete der US-Präsident in seiner Twitter-Tirade nun sogar als "Albtraum für die USA". Omar wolle ja ein Albtraum für ihn, den Präsidenten, sein, doch das - und da machte Trump bereits eine Vorhersage für die Präsidentschaftswahlen - werde er umdrehen, wenn er den Staat Minnesota 2020 Omar wegnehme. Schon 2016 hätte er Minnesota fast gewonnen, im kommenden Jahr werde er dort ganz sicher gewinnen, weil Amerika (die mit antisemitischen Äußerungen, für die sie sich später entschuldigte, aufgefallene) Omar "hasse" und Minnesota wirtschaftlich das beste Jahr "ever" erlebt habe.

Sowieso seien es für das ganze Land in allen Bereichen die besten Zeiten - dank ihm, Donald Trump. "Wir haben die beste Wirtschaft in der Geschichte, die höchste Einstellungsrate der Geschichte, die historisch meisten Menschen in Arbeit, den besten Aktienmarkt in der Geschichte, die historisch größten Einschnitte bei Steuern und Vorschriften, das beste und modernste Militär der Geschichte (fast vollkommen neu aufgebaut aus dem erschöpften Militär, das ich übernommen habe) [...] und noch viel viel mehr", twitterte der 73-Jährige. Alles angeblich, weil nichts belegt. "Gee, lasst uns den Präsidenten seines Amtes entheben", lästerte Trump weiter, um gleich wieder gegen "AOC plus 3" und die anderen Demokraten zu ätzen. Die würden ja alle am "Trump-Störungs-Syndrom" leiden.

Und dann gleich zu "Turning Point USA"

Genau, und weil das so ist, war es gut, das alles mal weggetwittert zu haben. Denn selbst ein Donald Trump muss mal Dampf ablassen. Und sich dann unter Gleichgesinnten erholen. Er freue sich auf den Besuch der Studentenorganisation "Turning Point USA", twitterte Trump zum Abschluss seiner Tweet-Serie. Darunter seien einige der "tollsten und klügsten jungen Leute auf dem Planeten".

Junge Studentinnen und Studenten, denen es ein Anliegen ist, die Website "Professor Watchlist" zu betreiben, die "der Dokumentation und Enthüllung von Hochschulprofessoren gewidmet ist, die konservative Studenten diskriminieren, antiamerikanische Werte fördern und linke Propaganda im Klassenzimmer fördern." Und noch etwas bringt einen laut einem Bericht der "New York Times" in den Fokus dieser Watchlist: unliebsame Bemerkungen über Donald Trump. "Keep America Great!"

Quellen: Donald Trump (Twitter-Account), "New York Times", "Professor Watchlist", Nachrichtenagentur DPA, "Wikipedia-Entrag: Turning Point USA"