MEDIEN VIVA übernimmt Comedy-Schmiede

Durch die Brainpool-Übernahme will der Kölner Musiksender seine eigene Wettbewerbsposition gegenüber dem Hauptkonkurrenten MTV stärken.

Der Musiksender VIVA übernimmt die durch Comedy-Shows wie »TV total« und »Die Wochenshow« bekannt gewordene Kölner Fernsehproduktionsfirma Brainpool. Die Brainpool-Mehrheitsaktionäre, die zusammen rund 64,5 Prozent am Unternehmen halten, stimmten einem entsprechenden Angebot von Viva bereits zu, wie die beiden Unternehmen am Mittwoch in Köln mitteilten.

Lizenzgeschäft lockte

»Durch den Zusammenschluss entsteht ein führendes Musik-TV und Young-Entertainment-Medienunternehmen in Europa«, betonte VIVA-Finanzvorstand Christian Gisy. Der Musiksender, der mit seinem Programm bereits in Deutschland, Italien, der Schweiz, Ungarn und Polen präsent ist, sieht die Übernahme als wichtigen Baustein in seiner Wachstumsstrategie. Mit Hilfe des zugekauften Unterhaltungs-Know-hows will der Musiksender seine Marktführerschaft im Kerngeschäft gegenüber dem Konkurrenten MTV festigen. Außerdem wird dadurch die finanzielle Basis des Senders verbreitert. Stammten bisher die Einnahmen größtenteils aus dem Verkauf von TV-Werbezeiten, wird dies nun durch Einnahmen aus den Lizenzgeschäften von Brainpool ausgebaut.

Beide Seiten profitieren

Auch das Brainpool-Management unterstützte die Übernahme. Der Vorstandsvorsitzende Jörg Grabosch betonte, dass der Zusammenschluss ganz neue Wachstumsperspektiven eröffnet. Damit bekommt sein Unternehmen schlagartig Zugang zu den nationalen und internationalen VIVA-Kanälen bekommen, die nun als eine hervorragende Testplattform für die Programmentwicklung genutzt werden sollen. »Dadurch wird sich unsere Wettbewerbsfähigkeit als unabhängiger Format-Produzent für die großen privaten Sendergruppen ProSiebenSat1 und RTL nachhaltig verbessern«, meinte Grabosch. Auch kann Brainpool von den Möglichkeiten der VIVA-Großaktionäre profitieren, zu denen neben dem Medienriesen AOL Time Warner auch die Musikkonzerne EMI und Vivendi Universal gehören.

Aktientausch läuft bis Dezember

Die Übernahme erfolgt in Form eines Aktientausches. Die Brainpool-Mehrheitsaktionäre erhalten für je 2,14 Stammaktien des eigenen Unternehmens eine Stammaktie der VIVA Medien AG. Dies entspricht einer Prämie in Höhe von 26,8 Prozent bezogen auf die XETRA-Schlusskurse am 5.November. Das gleiche Angebot wird auch allen anderen Brainpool-Aktionären gemacht, das Umtauschangebot läuft im Zeitraum vom 9.November bis zum 7.Dezember. Es ist beabsichtigt, die Notierung der Brainpool-Aktien 2002 am Neuen Markt zu beenden, hieß es in einer auf der Viva-Website veröffentlichten Mitteilung.

Wechselweise in den Vorstand

Nach der Übernahme soll Brainpool-Chef Grabosch den Angaben zufolge in den Viva-Vorstand einziehen, Viva-Chef Dieter Gorny und sein Finanzvorstand Gisy ergänzen dann umgekehrt den Vorstand von Brainpool. Claus-Dieter Grabner verlässt dagegen den Brainpool-Vorstand, hieß es ohne nähere Begründung. Der Pro-forma-Umsatz des neuen VIVA-Konzerns wird für das Jahr 2002 auf etwa 125 Millionen Euro (rund 243 Millionen Mark) prognostiziert. Für das laufende Jahr wurde das Umsatzziel auf 54 Millionen Euro von zuvor geplanten 60 Millionen Euro gesenkt. Die Gewinnerwartung liegt bei rund 40 Millionen Mark. Für die Jahre ab 2002 erwartet das Unternehmen eine EBIT-Marge von deutlich über zehn Prozent.

Mehr Aktien kommen in den Streubesitz

Nach der Übernahme ist den Angaben zufolge unter anderem eine gruppenübergreifende Vermarktung von Künstlern geplant, die beispielsweise von Viva TV gezielt gefördert werden sollen, um später bei von Brainpool TV produzierten Shows und Serien zum Einsatz zu kommen. Zudem sollen Programm- und Kostensynergien durch die Zusammenlegung von Produktionsstudios- und Teams sowie der Zentralisierung der Verwaltung am Standort Köln erzielt werden. Die Streubesitz von Viva soll sich auf rund 26 Prozent erhöhen und damit für Investoren attraktiver werden. Nach der Transaktion sollen die beteiligten Medienkonzerne AOL Time Warner, Vivendi Universal und EMI jeweils 15,2 (Vorher: 18,9) Prozent an dem neuen Konzern halten.

Veteranen

1993 ging Viva als erster deutscher Musiksender an den Start und am 19. Juli 2000 an den Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse. Viva sendet nach eigenen Angaben chart- und trendorientierte Musik- und Lifestyle-Programme. Die seit dem 23. November 1999 am Neuen Markt gelistete Brainpool AG ist nach eigenen Angaben einer der führenden Produzenten und Vermarkter von TV-Shows und TV-Serien aus dem Comedybereich. Das 1994 gegründete Unternehmen hält unter anderem 50 Prozent an der gemeinsam mit Stefan Raab gegründeten Raab TV Produktions GmbH.

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