Milliardenverlust IKB-Krise stürzt KfW-Bank ins Chaos


Die staatliche KfW-Bankengruppe ist wegen der Auswirkungen der Krise bei der Mittelstandsbank IKB mit mehr als sechs Milliarden Euro in die Verlustzone gerutscht. Auch bei Ingrid Matthäus-Maier hinterließ das Bankenchaos tiefe Spuren - die KfW-Chefin ist zurückgetreten.

Die Krise um die Mittelstandsbank IKB hat auch dramatische Auswirkungen auf die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Nach einer Neubewertung ihrer Anlagen sei für das Jahr 2007 ein Minus von 6,2 Milliarden Euro angefallen, sagte der KfW-Verwaltungsratschef und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Berlin. Die staatliche KfW ist mit 43 Prozent Mehrheitseigentümerin der Düsseldorfer IKB, die sich bei Geschäften mit faulen Krediten verspekuliert hatte. Das Geschäftsergebnis sei 2007 "maßgeblich durch die Risikoabschirmungsmaßnahmen für die in existenzielle Nöte geratene IKB geprägt" gewesen, teilte die Bank mit.

Die KfW bestätigte zudem den sofortigen Rücktritt von Ingrid Matthäus-Maier als Vorstandssprecherin der Bankengruppe. Die 62-Jährige werde aus "akuten gesundheitlichen Gründen" in diesem September in den Ruhestand gehen, teilte die Banken mit. Die frühere SPD-Politikerin war in den vergangenen Monaten wegen ihres Krisenmanagements beim IKB-Debakel zunehmend unter Druck geraten. Das hinterließ offenbar tiefe Spuren: Die Turbulenzen um die IKB, die mehrheitlich der KfW gehört, und die andauernde Diskussion um ihre Person hätten dazu geführt, "dass ich mich nicht mehr mit voller gesundheitlicher Kraft meiner Arbeit widmen kann und zudem die KfW immer mehr Schaden nimmt", ließ Matthäus-Maier verbreiten. Sie nehme daher das Recht aus ihrem Anstellungsvertrag wahr, mit Vollendung des 63. Lebensjahres in den Ruhestand zu treten. Übergangsweise übernimmt KfW-Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh das Amt des Bankensprechers.

Steinbrück: Bundeshaushalt nicht berührt

Glos nannte als Grund für die Bewertungskorrekturen den Eintritt der Staatsbank in die IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding, die die KfW in die eigenen Bücher genommen hatte. Diese Papiere hätten zum 31. Dezember 2007 neu bewertet werden müssen, wobei ein Wertberichtigungsbedarf bei der KfW von 1,8 Milliarden Euro entstanden sei. Ohne die Belastungen durch die IKB und Abschreibungen auf den Anteil der IKB bei der Staatsbank hätte letztere einen Gewinn von rund einer Milliarde Euro erzielt, sagte Glos. Aufsichtrastmitglied und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte, die KfW werde die Verluste auf neue Rechnung vortragen und mit künftigen Gewinnen verrechnen. Deshalb werde der Bundeshaushalt von dem Minus nicht berührt. Er korrigierte zudem die Darstellung des FDP-Politikers Jürgen Koppelin, der den Betrag zunächst als neues Milliardenloch bei der IKB bezeichnet hatte. Koppelin ist ebenfalls Mitglied des Kontrollgremiums.

Die IKB musste nach Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt mit Milliardenhilfen des Staates und der Kreditwirtschaft vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Die bisher drei Rettungspakte haben ein Gesamtvolumen von rund 8,5 Milliarden Euro. Mit rund sechs Milliarden trägt den Großteil davon die KFW. Der von der KFW angestrebte zügige Verkauf der IKB verzögerte sich zuletzt. Angesichts der Börsenturbulenzen ließen sich die riskanten Wertpapiere der Bank kaum zu attraktiven Preisen verkaufen, hieß es in Bankenkreisen. Angepeilt wird nun statt Sommer ein Verkauf bis Jahresende.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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