Milliardenverluste Post zieht sich aus den USA zurück


Die Deutsche Post zieht die Notbremse und steigt nach Milliardenverlusten aus dem Expressgeschäft in den USA aus. Knapp 15.000 Mitarbeiter verlieren damit ihre Jobs. Der Versuch, in Amerika Logistik-Platzhirschen wie TNT oder UPS den Rang abzulaufen, scheint damit endgültig gescheitert.

Die Deutsche Post will mit einer Rosskur ihr kriselndes US-Geschäft sanieren und wird deshalb nach Milliardenverlusten erstmals seit ihrem Börsengang im Jahr 2000 einen Jahresverlust ausweisen. Der Konzern will 2008 insgesamt rund 15.000 Mitarbeiter der Logistik-Tochter DHL in den USA entlassen, weitere Streichungen sollen bei Partnerunternehmen hinzukommen. Das inneramerikanische Expressgeschäft wird damit praktisch eingestellt. Post-Aktien verzeichneten nach Bekanntgabe des Ausstiegs und der Veröffentlichung der Zahlen Kursgewinne von plus 7,11 Prozent und 10,02 Euro.

Mit dem harten Einschnitt in den USA will die Post die seit Jahren in diesem Bereich anfallenden Milliardenverluste stoppen. Rund 5400 Arbeitsplätze bei DHL-Express in den USA wurden bereits in einem ersten Schritt seit Mai abgebaut. Die jetzt beschlossene Aufgabe des inneramerikanischen Expressversands kostet weitere 9500 Arbeitsplätze, insgesamt sind also 14.900 Jobs betroffen.

Internationale Lieferungen nicht betroffen

Post-Chef Frank Appel betonte am Montag in Bonn, er wolle den Konzern "in schwieriger Zeit wetterfest" machen. Während das inneramerikanische Geschäft eingestellt wird, sollen internationale Lieferungen in die USA und von dort ins Ausland weiter an die Kunden gebracht werden. Stellenabbaupläne der Post waren zuvor sogar Thema im US-Wahlkampf gewesen.

Durch die Forcierung des Umbaus steigen die Kosten dafür auf auf 3,9 Milliarden Dollar - von bisher angenommenen zwei Milliarden. Der Großteil davon werde bereits 2008 verbucht und den Konzern im Gesamtjahr in die Verlust-Zone reißen, gab das Unternehmen bekannt.

Demgegenüber sollen die operativen Kosten im US-Geschäft von derzeit 5,4 Milliarden Dollar auf weniger als eine Milliarde Dollar gedrückt werden. Auch in anderen Geschäftsbereichen will Appel den Rotstift ansetzen und bis Ende 2010 eine Milliarde Euro einsparen. Er reagiert damit auf den wirtschaftlichen Abschwung. Dieser hinterlässt bereits deutliche Spuren auch in den Geschäften anderer großer Logistik- und Postkonzerne wie TNT, UPS und FedEx.

Abschwung hinterlässt Spuren

Im dritten Quartal verzeichnete die Deutsche Post einen Rückgang des operativen Gewinns (Ebit) vor Einmaleffekten um acht Prozent auf 429 Millionen Euro. Im Gesamtjahr wird die Kennziffer mit rund 2,4 Milliarden Euro erwartet, wie der Konzern bereits zu einem früheren Zeitpunkt mitgeteilt hatte. Die ursprüngliche Erwartung hatte bei 2,9 Milliarden gelegen.

Appels Vorgänger Klaus Zumwinkel hatte den Staatsmonopolisten Ende der neunziger Jahre zu einem weltweit agierenden Logistik-Riesen umgebaut. 1998 war die Post bei DHL eingestiegen und hatte sich die Tochter 2002 vollständig einverleibt. 1999 hatte der Konzern in den USA zudem Air Express International geschluckt, 2003 folgte die Übernahme von Airborne Express. Der Versuch, den Platzhirschen UPS und FedEx in ihrem Heimatmarkt Konkurrenz zu machen, scheiterte aber. Qualitätsprobleme verärgerten zunächst die Kunden. Als diese behoben waren, sorgte die beginnende Rezession in den USA für neue Verluste.

Reuters/DPA DPA Reuters

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