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MOBILCOM: Geplante Einsparungen provozieren Streit zwischen Berlin und Paris

Nach einem Bericht der »Financial Times Deutschland« will das angeschlagene Mobilfunkunternehmen Mobilcom kräftig sparen. Ein Sprecher des Unternehmens kündigte den Wegfall von 800 Stellen an.

Das angeschlagene Mobilfunkunternehmen MobilCom will nach einem Bericht der »Financial Times Deutschland« 130 Millionen Euro Kosten einsparen und dazu 800 Stellen streichen. Einem entsprechenden Konzept von Vorstandschef Thorsten Grenz habe der Aufsichtsrat am Dienstag zugestimmt. Ein Sprecher des Unternehmens wollte zu dem Zeitungsbericht keine Stellung nehmen. Grenz hatte jedoch bereits am Vortag ein Einsparprogramm und den Wegfall von mehreren hundert Stellen angekündigt. Damit solle im Stammgeschäft bis zum nächsten Sommer die Gewinnzone erreicht werden.

MobilCom baue darauf, dass France Télécom weiterhin den Aufbau des neuen Mobilfunknetzes nach dem UMTS-Standard finanziere, heißt es in dem Bericht. Der Aufsichtsrat habe zugestimmt, dass MobilCom am UMTS- Geschäft festhalte.

MobilCom-Großaktionär France Télécom, dessen bislang verweigerte Zahlungen entscheidend für die Zukunft des norddeutschen Unternehmens sind, äußerte sich auch zwei Tage nach der Zusage des Hilfspakets von bis zu 400 Millionen Euro zunächst nicht. Der Rückzieher der Franzosen hatte MobilCom in eine bedrohliche Lage gebracht. MobilCom und Bundesregierung bestehen auf den Verpflichtungen von France Télécom.

»Geschlossene Verträge sollten eingehalten werden«

Indirekt bekräftigte die französische Industrieministerin Nicole Fontaine den Rückzug von France Télécom. Die Entscheidung, die Partnerschaft mit MobilCom aufzukündigen, sei »unglücklicherweise nicht zu umgehen« gewesen, sagte sie in Paris. »Das ist eine Unternehmensentscheidung, keine der Regierung«, betonte sie weiter. France Télécom ist mehrheitlich im Staatsbesitz.

Dabei wird der Ton zwischen Frankreich und Deutschland schärfer. In der »Berliner Zeitung« mahnte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) die Regierung in Paris sowie den MobilCom- Großaktionär France Télécom zur Vertragstreue. »Ich gehe davon aus, dass sich das französische Staatsunternehmen France Télécom an geschlossene Verträge hält«, sagte Müller und fügte hinzu: »Als deutscher Wirtschaftsminister kann ich doch nicht tatenlos zusehen, wenn ein französischer Staatskonzern durch meines Erachtens vertragswidriges Verhalten kurzfristig über 5000 Menschen arbeitslos machen will.«

Unterdessen nahm der Streit zwischen den Parteien im Bundestag wegen der Vorgänge um MobilCom an Schärfe zu. Die Unionsfraktion beantragte zu diesem Thema für diesen Donnerstag eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses. SPD und Grüne wollen diesen Antrag aber zurückweisen.