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Kostenfalle Mobilfunk: Die höchsten Handy-Rechnungen

Wer im Tarif-Dschungel der Netzbetreiber nicht aufpasst, verheddert sich schnell in teuren Gebühren. Spätestens bei Schlagwörtern wie Roaming oder GPRS sollten die Warnsignale des Nutzers angehen. Neun extreme Rechnungen und ihre Ursachen.

Von Benedikt Sauer

Manche Handy-Tarife könnte man durchaus mit dem Wirrwarr einer Einkommenssteuererklärung vergleichen: Wer da bis ins kleinste Detail durchblickt, hat den Respekt seiner Mitmenschen verdient. Die Mehrheit gehört jedoch zu denen, die die Gebührenliste des Mobilfunkvertrags bestenfalls überflogen, aber auch gleich wieder vergessen haben. Dieser Leichtsinn kann jedoch teuer werden.

Gerade bei Roaming-Gebühren halten die Netzbetreiber gerne die Hand auf. So kann auf der Reise ins Ausland ein noch in Deutschland gestarteter Download schnell zur unbewussten Kostenexplosion führen. Am Ende des Monats fallen dann Gebühren an, für die man sich in einigen der hier aufgeführten Fälle ein neues Auto leisten könnte - oder die einen der Rechnungsempfänger sogar in den Selbstmord trieben.

Hohe Roaming-Kosten sind aber nicht der einzige Übeltäter. Auch SMS-Sucht oder eine falsche Kommasetzung des Netzbetreibers können die Ursache für einen finanziellen Schock am Ende des Monats sein. Welche Beträge dabei zustande kommen können, zeigt Ihnen unsere Top neun der skurrilsten Rechnungs-Fälle.

1325 Euro

Ein 30-jähriger Mann aus Paderborn erhielt von Mobilcom zwei Rechnungen über insgesamt 1325 nur für den Versand von SMS-Nachrichten. Der Kunde verweigerte die Bezahlung und verlangte einen Einzelnachweis für die verschickten Kurznachrichten. Diesen hatte Vodafone jedoch bereits gelöscht. Als der Fall vor das Paderborner Amtsgericht ging, entschied der Richter für den Kunden. Vodafone müsse die Richtigkeit der Rechnungen darlegen können, auch wenn der Kunde beim Vertragsabschluss keinen Einzelnachweis beantragt habe.

3500 Euro

In Seoul brachte sich am 16. Februar 2006 ein südkoreanischer Jugendlicher um, weil er offenbar seine Handyrechnung von umgerechnet 3500 Euro nicht zahlen konnte. Laut Aussage der Eltern habe sich der Junge in einem Zimmer eingeschlossen und dann Abgase eingeleitet. Der Vater berichtete der Polizei, dass sein Sohn ihn zuvor sehr verzweifelt von einem Anruf des Mobilfunkbetreibers erzählt hatte.

6000 Euro

Fast 380.000 Menschen sollen nach Expertenansicht süchtig nach Handy-Kurzmitteilungen sein - mit steigender Tendenz. Ein 17-jähriger Patient des Psychotherapeuten Andreas Herter aus Hannover verursachte durch das "Simsen" innerhalb von zwei Monaten eine Handyrechnung von etwa 6000 Euro. Auf den Inhalt der SMS kommt es den Süchtigen nicht unbedingt an. Auch nicht auf eine Antwort. "Einer meiner Patienten hat einfach nur Telefonnummern gesammelt und dann wahllos irgendwelche komischen SMS verschickt", sagte Herter. Darunter: "Ich bins, dein Handy, hole mich mal aus der Tasche" oder schlicht und einfach nur "Bei dir stinkts".

11.200 Euro

Vorsicht, wenn man zu nah an der Grenze wohnt: Eine 18-jährige Frau aus Hohenems in Österreich machte einen Wochenendtrip ins benachbarte Lindenberg in Deutschland. Von dort aus wählte sie sich über ihren Mobilfunkprovider "One" ins Internet. Dabei bemerkte sie nicht, dass das Netz kurz nach der Einwahl über One auf den deutschen Anbieter Vodafone wechselte. Fast 900 MB wurden heruntergeladen, bis der Internetzugang gesperrt wurde.

Zurück in Österreich erhielt die junge Frau die Nachricht, dass insgesamt 350 Euro Roaming-Gebühren angefallen seien. Als die Rechnung kam, waren es jedoch 11.200 Euro. One bot seiner Kundin daraufhin an, die Summe auf 7300 Euro zu reduzieren. Die Frau schaltete schließlich die Konsumentenberatung der Arbeiterkammer Voarlberg ein, die in Berufung ging.

14.000 Euro

Die Handyrechnung lag bei einem D2-Kunden seit 1999 monatlich zwischen 34 und 156 Euro. Im August 2004 forderte der Mobilfunkbetreiber plötzlich 13.962,77 Euro. Anscheinend wurden mehrere Tage lang Serientelefonate zu 0190-Nummern von jeweils knapp unter einer Stunde Dauer und sofortiger Wiedereinwahl getätigt. Der Kunde lehnte die Zahlung ab und vermutete einen Hacker-Angriff über die Bluetooth-Schnittstelle seines Handys.

D2 zog mit dem Fall vor das Landgericht Augsburg. Die Richter entschieden jedoch für den Kunden, da es naheliegend sei, "dass der Beklagte Opfer einer unbemerkten Herstellung von Verbindungen durch heimliche Manipulation Dritter" geworden sei. Das Hacker-Risiko habe nicht der Kunde zu tragen, sondern der Netzbetreiber.

14.350 Euro

Der britische Netzbetreiber Vodafone forderte von einem Kunden für zwölf Stunden Internetnutzung im Ausland 11.050 Pfund (etwa 14.350 Euro). Die Ehefrau des englischen Geschäftsmannes wollte über eine mobile Datenkarte vier Folgen der US-Serie "Friends" auf den Laptop ihres Mannes downloaden. Eigentlich kein Problem, denn der Download wäre innerhalb Englands kostenlos gewesen. Nur flog der Ehemann kurz darauf mit dem Laptop für zwei Tage nach Deutschland. Nach der Landung lief der Download automatisch weiter, nur fielen nun die Kosten für Daten-Roaming an.

17.000 Euro

"Ich hätte gerne eine Flatrate", "Ah, Sie wollen also einen Volumentarif!" So ähnlich hätte der Fall zwischen einem O2-Kunden und seinem Mobilfunkanbieter auch ablaufen können. Der Mann aus Hamburg suchte eine Handy-Flatrate, um unbegrenzt surfen zu können. Mit dem "Internet Pack L"-Tarif von O2 glaubte er, eine solche gefunden zu haben. Immerhin versprach der Werbeslogan "nahezu unbegrenzt surfen". Wäre da nur nicht das kleine Wort "nahezu". Denn das sollte darauf hinweisen, dass es sich hierbei um keine Flatrate, sondern um einen Volumentarif mit 5 GB handelt, der nahezu unbegrenztes Surfen erlaubt, solange keine großen Downloads oder IPTV-Dienste mit im Spiel sind.

Der Hamburger staunte nicht schlecht, als ihm am Ende des Monats eine Rechnung von 16.693 Euro vorlag. Mehr als 32 GB schoss er über das 5-GB-Limit hinaus. Für jedes Megabyte drüber wurden ihm 50 Cent berechnet. Doch der Mann hatte Glück: Nachdem sich die Verbraucherzentrale Hamburg eingeschaltet hatte, konnte der Betrag aus Kulanz auf nur noch 264,50 Euro gedrückt werden.

55.300 Euro

85.000 Dollar (umgerechnet etwa 55.300 Euro) wurden für einen Kanadier fällig, weil er die Vertragsbedingungen seines Handy-Tarifs nicht gelesen hatte. Denn die gebuchte Handy-Flatrate für unbegrenzte Internetnutzung war nicht dafür gedacht, das Mobilfunkgerät als Modem für den PC zu verwenden. Doch genau das hatte der 22-jährige damit vor und lud fleißig riesige Datenmengen auf seinen Rechner herunter. Als die Rechnung kam, verweigerte er jedoch die Zahlung mit der Begründung, dass ihm niemand den Tarif erklärt habe. Aus Kulanz senkte der Anbieter "Bell Canada" die Forderung auf umgerechnet knapp 2200 Euro, doch der Kanadier wollte auch diesen Betrag nicht zahlen.

63 Millionen Euro

Was muss man alles anstellen, um nach einem Monat eine Handyrechnung von 63.280.067,96 Euro präsentiert zu bekommen? Bei einer Frau aus dem französischen Ort Herserange reichte es aus, sich über eine Rechnung von Tele2 über 67,96 Euro schriftlich zu beschweren und um eine Klärung des Sachverhalts zu bitten. Prompt schickte ihr der Mobilfunkbetreiber die korrigierte Millionen-Fassung zu. "Da muss uns wohl ein Komma verrutscht sein", sagte Vizedirektor Oliver Anstett von Tele2.