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Geldhaus in Siena: Monte dei Paschi - die gefährlichste Bank Europas

In einem Palast in Siena residiert das älteste Geldhaus der Welt: Monte dei Paschi. Es könnte eine neue Finanzkrise auslösen und damit die gesamte EU gefährden. Wie soll es gerettet werden?

Monte dei Paschi in Siena

Gegründet vor 544 Jahren: die Zentrale der Krisenbank Monte dei Paschi in Siena

Auf die Idee, eine Bank "Papa" zu nennen, können nur Italiener kommen. "Babbo Monte", "Papa Berg", so reden die Einwohner des toskanischen Städtchens Siena über ihre Bank "Monte dei Paschi". Babbo Monte war mehr als ein Geldhaus. Babbo war der Patron. Jährlich ließ er 150 bis 200 Millionen Euro über der Region abregnen; Babbo bezahlte Krankenhäuser und Schulbusse, Jazzkonzerte und Weingüter. Babbo wusste, was die Einwohner verdienen, Babbo bestimmte, was die Bauern anbauen. Und wenn im August die Reiter der "Contrade", der Stadtviertel Sienas, ihre Pferde durch die Gassen rund um die Piazza del Campo hetzten, dann hatte Babbo bezahlt. Mit Handschlag grüßten die Reiter den Bankchef. Sie wussten, wem sie ihre bunten Kostüme verdankten.

Über Jahrhunderte lebte Siena gut von dem Patron. Monte dei Paschi ist das älteste Geldhaus der Welt. Vor 544 Jahren ursprünglich als "Bank der Frommen" gegründet, hat Babbo alles überlebt, Pest, Plagen, Kriege. Bis die moderne Finanzwelt kam. 

Seine Manager sehnten sich nach dem großen Geld. Deshalb kauften sie 2007 für viele Milliarden einen Konkurrenten. Doch sie verhoben sich, einige dubiose Finanzwetten platzten - und so leidet Babbo nun schon seit 2011. Der Patron verteilt kaum noch Geld, er braucht es selbst.

Ja, er frisst es regelrecht. Zehn Milliarden Euro verschlang er bereits, jetzt verlangt er noch mehr. Seine faulen Kredite belaufen sich auf beängstigende 47 Milliarden Euro. Keiner Bank weit und breit geht es so schlecht.

Gefährlich für ganz Europa

Und dieser Virus des Babbo könnte nun ganz Europa anstecken. Alessandro Profumo, der frühere Chef des Instituts, beschrieb bereits vor anderthalb Jahren die Gefahr. Als ihn ein Journalist fragte, was bei einer Schieflage seines Hauses geschehe, sagte er: "Dies wäre hochgefährlich für das gesamte europäische Finanzsystem."

Vor zwei Wochen mahnte die Europäische Zentralbank das Institut dringend, die gefährlichen Anleihen drastisch zu reduzieren. Seitdem gibt es an den Finanzmärkten kaum ein anderes Thema, nicht mal der Brexit sorgt für annähernd so viel Unruhe. Denn nicht nur dem Babbo in Siena fehlt Geld, den anderen italienischen Banken geht es genauso. In ihren Büchern verstecken sich faule Kredite über 360 Milliarden Euro, ein Fünftel aller Darlehen. Nach Jahren der Rezession können selbst gute Schuldner die Raten nicht mehr zahlen.

Es droht: eine Kettenreaktion, die Rückkehr der Finanzkrise. Fallen die Kredite in Italien aus, machen auch andere europäische Geldhäuser Verluste. Allein die deutschen Banken halten italienische Anleihen im Wert von 13 Milliarden Euro, die Franzosen von 40 Milliarden Euro. "Die Finanzbranche ist anders als die Zementindustrie", sagt David Folkerts-Landau, der Chefökonom der Deutschen Bank. Fällt ein Spieler aus, "gerät das gesamte System unter Stress".

Und gestresst ist das System schon jetzt. Experten schätzen die Summe der faulen Kredite aller europäischen Banken auf 900 Milliarden Euro. An der Börse haben die Geldunternehmen im vergangenen halben Jahr ein Drittel ihres Werts eingebüßt, 400 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank verlor zwischenzeitlich mehr als 40 Prozent ihres Börsenwerts, Monte dei Paschi sogar über 70. Nicht nur der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss fürchtet, dass ein "perfekter Sturm" durch den Finanzsektor toben könnte - die ganze Branche hat Angst. 

Da ist die Nullzinspolitik der Zentralbanken, unter der die Institute leiden, weil sie mit der Kreditvergabe, ihrem klassischen Geschäft, kaum noch etwas verdienen. Da sind die vielen Regeln der Aufseher, die eine Finanzkrise wie 2008 verhindern sollen, aber die Gewinne schmälern. Da sind neue Konkurrenten aus der Digitalwelt. Und da ist die Unsicherheit nach dem Brexit, die vor allem die Aktien der Finanzindustrie getroffen hat.

Babbo Monte und die Zukunft der EU

Babbo Monte und die italienischen Geldhäuser könnten das Land und in der Folge ganz Europa nicht nur in die wirtschaftliche, sondern auch in die politische Krise reißen. Denn die Art, wie Europas Politiker diesmal die Banken retten wollen, wird auch über die Zukunft der Europäischen Union entscheiden. Darüber, ob die Kluft zwischen Nord und Süd, zwischen Reich und Arm, wächst. Darüber, ob die Politik glaubwürdig bleibt und das Geld der kleinen Leute schützt.

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise, im Jahr 2012, hatten die Staaten neue Regeln vereinbart, wie sie Banken retten wollen. Nie mehr wollte sich der Staat erpressen lassen, die Steuerzahler sollten geschont werden, die Zeit des sogenannten Bail-out sollte ein für alle Mal vorbei sein. Auch in Deutschland waren die Banken ja mit Milliarden Steuergeldern gerettet worden.  Stattdessen gilt nun das Prinzip des Bail-in. Braucht eine Bank frisches Geld, werden zunächst die Eigentümer und Gläubiger herangezogen. Es wurde sogar eine eigene Behörde geschaffen, um marode Institute notfalls abzuwickeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte damals feierlich: "Im Bankenbereich sind wichtige Lehren aus der Krise gezogen worden."

Doch nun, beim ersten größeren Testfall, stehen diese Regeln infrage. Italiens Premierminister Matteo Renzi will sehr wohl Steuermittel einsetzen, um die Banken zu stabilisieren. Zu viele Kleinanleger könnten sonst Geld verlieren, bis zu zehn Prozent der privaten Geldvermögen, heißt es.

Renzi will die italienischen Sparer schützen

Wie entschlossen Renzi ist, zeigt eine Szene vom 11. Juli. An jenem Montag, die negativen Prognosen der EZB zu Monte dei Paschi sind gerade durchgesickert, sitzt Renzi in der Redaktion der Zeitung "Corriere della Sera". Er gibt ein Interview zur Bankenkrise und zu den möglichen Folgen für das Referendum über eine umfangreiche Verfassungsreform im Herbst, an das Renzi seine politische Zukunft geknüpft hat. Das Gespräch wird live ins Internet übertragen, und Renzi nutzt die Gelegenheit, um sich direkt an seine Landsleute zu wenden. Er lehnt sich vor, blickt ernst in die Kamera und verkündet: "Wir wollen, dass die Sparer und die italienischen Kontoinhaber sicher sind. Punkt!" In den italienischen Medien werden diese Sätze tagelang gefeiert.

Bei den anderen EU-Staaten aber stößt Renzis Ansage auf Ablehnung. Sie wollen auf keinen Fall Sonderwünsche gewähren. "Wir können nicht alle zwei Jahre die Regeln ändern", sagte die deutsche Kanzlerin bereits auf dem EU-Gipfel im Juni. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble pocht darauf, die Regeln einzuhalten. Er fürchtet die eigenen Wähler. Wie soll er weitere Rettungspakete erklären, nach den Hilfen für hiesige Banken, nach den Milliarden für Griechenland, Irland, Portugal, Spanien? Und würde der ohnehin hoch verschuldete italienische Staat bei einer Rettung mit Steuergeld nicht selbst in Not geraten? 

Ein Suizid verändert die Stimmung im Land

Im Herbst 2015 brauchten vier italienische Volksbanken schon einmal Hilfe. Die Rettungsgelder erhielten sie so, wie es die Europäer vereinbart hatten: nicht von den Steuerzahlern, sondern von den Aktionären und Anleihegläubigern. Die neuen Bankenregeln galten damals zwar noch nicht offiziell, aber Italien wandte sie an. Alles schien gut. Doch im vergangenen November nahm sich ein Mann das Leben, sein Name: Luigino D'Angelo.

Der 68-jährige Rentner aus Civitavecchi hatte von seiner Bank, der Banca Etruria, riskante Anleihen aufgeschwatzt bekommen. Über Nacht waren sie wertlos geworden, Papiere von mehr als 10.000 Kleinanlegern, Luigino d'Angelo verlor 110.000 Euro. In seinem Abschiedsbrief schilderte er, wie er stundenlang in der Schalterhalle seiner Bank gewartet hatte, wie ihm der Bankdirektor gesagt hatte, seine Anlagen seien sicher. Er schrieb, die Politik sei schuld, sie habe sein Geld vernichtet. "Keiner soll sagen, dass sei kein geplanter Betrug." Danach ging er in den Hobbykeller und erhängte sich.

Der Fall sorgte in Italien für eine aufgeregte Debatte. Die Zeitungen zeigten Luigino D'Angelos Bild, die Kommentatoren fragten: Welchen Sinn macht eine Rettung, bei der die kleinen Leute verlieren?

Luigino D'Angelos Ehefrau erklärte, am Tod ihres Mannes seien nicht nur die Banker schuld, die ihm die hochriskanten Papiere verkauft hatten, sondern auch jene Leute, die den Erlass zur Bankenrettung unterzeichnet und umgesetzt hätten. Sie verlangte: "Jemand muss für seinen Tod bezahlen." Tatsächlich legte die Regierung dann im Mai einen Solidaritätsfonds auf, um die Kleinanleger zu entschädigen. 

Matteo Renzi

"Das ist ein gutes Geschäft": Italiens Premier Matteo Renzi will die Kleinsparer retten

Der Premier pries die Bank

Nun könnte sich dieses Debakel wiederholen. Allein bei Monte dei Paschi haben die Berater Anleihen im Wert von fast 1,6 Milliarden Euro verkauft - an 40.000 Kleinanleger. Bei einer Rettung müssten sie das Geld vermutlich abschreiben. Die Wut der Anleger erhält zusätzlich Nahrung, weil Premier Renzi sogar persönlich verwickelt ist. Noch im Februar 2016 hatte er die Papiere von Monte dei Paschi öffentlich gepriesen: "Die Bank ist genesen. Das ist ein gutes Geschäft."

"Renzi sagt, die Sparer könnten ruhig bleiben, aber wir in Siena sagen, wer ruhig bleibt, wird zum Narren gehalten", sagt etwa Luca Bianchi. Der 62-Jährige leitete früher selbst eine Monte-dei-Paschi-Filiale, auch er kaufte seiner Bank Anleihen ab, für 24.000 Euro. Noch hoffe er auf Rettung, Zehntausende Guthaben steckten in den Papieren, sagt er: "Werden die nicht gerettet, wäre das eine nationale Katastrophe."

Für Renzi geht es längst um sein politisches Schicksal. Wütende Sparer kann er zum Referendum im Herbst gar nicht gebrauchen. "Wenn wir das nicht schaffen, müssten wir nach Hause gehen", sagt er. Das würde den Weg frei machen für seine Kritiker, für Beppe Grillo und dessen populistische Fünf-Sterne-Bewegung. In den Umfragen hat er Renzis Demokraten bereits überholt.

Renzi hofft nun, mit den Europäern einen Kompromiss zu erreichen. Möglich wäre eine Bankenrettung nach EU-Regeln und eine anschließende Rettung der Kleinsparer mit Staatsgeld. Die Regeln der Bankenrettung lassen Staatshilfen ausdrücklich zu, etwa zur "Abwendung einer schweren Störung der Volkswirtschaft". Selbst Schäuble sieht einen möglichen Kompromiss. Vergangenen Donnerstag sagte er: "Ich gehe davon aus, dass es eine Vereinbarung innerhalb der Regeln geben wird." 

Am Ende wird Renzi seinen Deal wohl bekommen, an seinem Abgang haben Merkel und die anderen Staatschefs kein Interesse. Italien, das viertgrößte Land der EU, stünde ohne Regierung da. Vielleicht käme mit Beppe Grillo sogar einer an die Macht, der versuchen könnte, Italien ganz aus dem Euro herauszuführen. Das will nach dem Brexit-Schock niemand riskieren.

Wie viel Geld die italienischen Banken wirklich brauchen, wird sich am 29. Juli zeigen. An jenem Freitag veröffentlicht die EBA ihre Stresstest-Ergebnisse. Zwei Dinge sind schon jetzt gewiss: Babbo Monte wird Milliarden brauchen. Und Italiens Bankenkrise ist noch nicht vorbei.  

Mitarbeit: Veronica Frenzel, Andreas Hoidn-Borchers
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(