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Nach endgültigem Aus für Drogeriekette Schleckers wollen Millionen von Schlecker


Eigentlich erwartete der Insolvenzverwalter Geld von der Schlecker-Familie. Nun stehen die Kinder auf der Gläubigerliste. Dabei hatten sie in den vergangenen Jahren gut am Schlecker-Imperium verdient.
Von Swantje Dake

Um sieben bis neun Millionen Euro hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Familie Schlecker gebeten. Es sollte ein minimaler Rettungsbeitrag sein. Ein Tropfen auf den heißen Stein, der die Pleite nicht verhindern, aber die Umstände hätte mildern können. Bekommen hat Geiwitz nichts. Und man merkt dem resoluten Mann an, dass er sauer ist: "Die Familie war entweder nicht bereit oder nicht in der Lage. Aber sie hat noch Vermögen."

Nachdem die Schlecker-Gläubiger das endgültige Aus des einstigen Drogerie-Marktführers am Dienstagnachmittag beschlossen hatten, gab Geiwitz bekannt, es stünden Gläubigerforderungen in Höhe von 665 Millionen Euro im Raum. Über die mögliche Quote zur Entschädigung der Kreditgeber der in Zerschlagung befindlichen Drogeriekette konnte der Pleiteabwickler keine Angaben machen. Er hofft allerdings, dass die Schlecker-Familie einige Millionen hinzusteuert.

Doch nun kommt es wohl ganz anders: Denn auch aus dem Schlecker-Clan werden Forderungen an das sterbende Unternehmen gestellt. Lars und Meike, die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, gehören laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" auf der Gläubigerliste – genau wie die Bundesagentur für Arbeit, der Warenkreditversicherer Euler Hermes und das Finanzamt.

Das Geschwisterpaar möchte 176 Millionen Euro aus dem Vermögen des Unternehmens: Meike Schlecker 48,43, ihr Bruder 48,9 und Logistikfirma LDG, die den beiden Kindern gehört, 76 Millionen Euro.

Kinder verdienten, Vater fuhr Verlust ein

Am Wochenende tauchten Angaben aus dem Umfeld der Schlecker-Familie auf, wonach der Clan noch gut 40 Millionen Euro besitzen soll. Allerdings nicht bei Vater Anton. Der einstige Milliardär haftet mit seinem gesamten geschäftlichen und privaten Vermögen für die Pleite der Drogeriekette. Besitzt er nichts, muss er nichts zahlen. Doch mittellos ist die Familie nicht. Frau Schlecker gehört eine Villa. Gemutmaßt wird, dass die Kinder den Großteil des Vermögens besäßen und ein paar Millionen für sich gerettet hätten.

Die Leiharbeitsagentur "Meniar" der Geschwister war eine einträgliche Firma. Über das Subunternehmen sollen nach Angaben des "Handelsblatts" rund 4300 zuvor entlassene Schlecker-Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen in Leiharbeitsverträgen an die Drogeriekette zurück vermittelt worden sein. Lars und Meike Schlecker gehört außerdem das Logistik-Unternehmen LDG. Es hat die beiden größten Lager der Drogeriekette bewirtschaftet und damit ordentlich Geld gemacht. Laut "Handelsblatt" hat die Firma zwischen 2006 und 2010 knapp 59 Millionen Euro Gewinn abgeworfen. Die Gewerkschaft Verdi hat berechnet, dass Schlecker gut und gerne fünf Millionen Euro hätte sparen können, wenn die Lagerbewirtschaftung von eigenen Mitarbeitern übernommen worden wäre.

Die LDG-Geschäftszahlen sprechen Bände: 2010 machte die Firma 32,8 Millionen Euro dem "Handelsblatt" zufolge Umsatz und 12,2 Millionen Gewinn nach Steuern. Sollten die Angaben stimmen, wäre es eine stolze Rendite für ein Jahr, in dem Schlecker schon 200 Millionen Euro Verlust machte. Während Vater Schlecker mit der Drogeriekette also rote Zahlen schrieb, verdienten die Kinder mit ihrer Logistikfirma Geld. Das nun außerhalb der Reichweite des Insolvenzverwalters liegt. Noch. Denn Geiwitz will prüfen, ob die geschäftlichen Beziehungen zwischen Vater Anton und seinen Kindern eine Vermögensverschiebung ist. Bis zu zehn Jahre rückwirkend wären diese Zahlungen und Schenkungen anfechtbar und könnte in die Insolvenzmasse fließen. "Die Insolvenzverwaltung prüft sehr genau, welche Transaktionen nach dem Insolvenzrecht korrekt sind und welche rückgängig gemacht werden können", sagte ein Sprecher von Geiwitz. "Da ist möglicherweise das eine oder andere Milliönchen zu holen", sagte der Handelsexperte Bernhard Franke im "ZDF".

Insolvenzverwalter nimmt Anton Schlecker in Schutz

Gleichwohl: Zwar sucht Geiwitz nach Millionen, will aber den Schwarzen Peter nicht Firmenpatriarch Anton Schlecker zuschieben. Die in Medienberichten genannten Angaben zum verbliebenen Vermögen der Familie Schlecker in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euron seien "reine Spekulation". Kritiker könnten der Familie vieles vorwerfen - etwa, dass sie zu spät auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten reagiert habe. "Nicht aber die Rettung von Vermögen in großem Stil", sagte der Insolvenzverwalter. Schlecker habe zwischen 2008 und 2011 mehrere Hundert Millionen Euro in das kriselnde Imperium gesteckt. Auch der Anwalt der Familie wies Vorwürfe zurück, möglicherweise sei Geld illegal gerettet worden: "Die Spekulationen entbehren jeder Grundlage."

mit Agenturen

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