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Neue Sorgen für Griechenland: Griechen-Anleihen nur noch Ramsch

Die Finanzhilfen für Griechenland werden noch dringender: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit auf Ramsch zurückgestuft. Die Investoren ergriff Panik.

Griechenland hat es künftig noch schwerer, sich am Kapitalmarkt Geld zu besorgen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschstatus heruntergestuft, was die Zinszahlungen auf Anleihen in die Höhe treibt. Das hoch verschuldete Land werde nun nur noch mit BB+/B bewertet, teilte S&P am Dienstag mit. Damit wurde die Einstufung um drei Noten verringert. Der Ausblick ist negativ. Dem Land droht somit eine weitere Herabstufung.

Hintergrund der Senkung seien Sorgen, dass das Mittelmeerland nicht die notwendigen Reformen durchsetzen könne, um seine Schulden abzubauen, erläuterte die Agentur. Nur die Agentur Moody’s bewertet Griechenland noch mit einem A-Rating.

Die Börsen reagierten geradezu panisch auf die Herabstufung, die auch Portugal - ein weiteres hochverschuldetes EU-Land - betraf. Der Dax, lange nur leicht im Minus, rauschte kurz vor Börsenschluss mit 2,7 Prozent in den Keller. Die Investoren stürzten sich stattdessen auf die soliden, aber renditeschwachen deutschen Bundesanleihen.

Auch Portugal unter Druck

Die griechischen Anleihen waren bereits in der vergangenen Woche nach der Verkündung eines unerwartet hohen Staatsdefizits abgestürzt. Die Regierung in Athen bat dann am Freitag offiziell das Ausland um finanzielle Hilfe. Diese wird vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von einzelnen EU-Staten gewährt. Die Kredite sind aber an Bedingungen geknüpft. Insbesondere Deutschland legt Wert darauf, dass die Griechen ihren Haushalt in Ordnung bringen und sparen. Die Zeit drängt: Durch die Herabstufung ist Griechenland noch stärker auf Hilfe angewiesen.

Auch für Portugal hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s schlechte Nachrichten und senkte die Bonität hier von "A+" auf "A-". Die Lage ist ähnlich wie in Griechenland, wenn auch nicht ganz so dramatisch. Das Land ist hochverschuldet, die Regierung muss sparen, die Bürger streiken und protestieren dagegen.

SPD blockiert schnelle Lösung im Bundestag

Unterdessen gerät in Deutschland der Zeitplan der Bundesregierung im Ringen um Notkredite für Griechenland in Gefahr. Die SPD im Bundestag lehnte ein Eilverfahren ab. Die Koalition aus Union und FDP hält ein solches Vorgehen jedoch für notwendig, damit Griechenland noch vor der Platzierung einer neuen Anleihe am 19. Mai frisches Geld bekommt. Außenminister Guido Westerwelle nannte erneut energische Sparanstrengungen Griechenlands als Voraussetzung für die Hilfe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte ihre Position zu Finanzhilfen für Griechenland. Über Hilfen könne man erst sprechen, wenn Griechenland die Fakten und selber Sparmaßnahmen und Veränderungen auf den Tisch lege, "die auch dauerhaft halten", erklärte Merkel auf einer Wahlkampfveranstaltung in Bocholt vor rund 1.500 CDU-Anhängern.

Die anhaltenden Diskussionen über Zeitpunkt und Bedingungen einer Rettungsaktion für Athen trieben die Risikoprämie für griechische Staatsanleihen auf einen neuen Höchststand. Die Differenz zwischen den Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen zu denen auf Bundesanleihen stieg am Dienstag auf 6,8 Prozentpunkte. Die Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen beliefen sich damit auf 9,85 Prozent. Die Zinsen für Papiere mit zweijähriger Laufzeit kletterten um einen weiteren Prozentpunkt auf 14,85 Prozent.

"Wir erleben in Griechenland die härteste Zeit seit Jahrzehnten", sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou. "Die Herausforderungen, vor denen unser Land steht, sind beispiellos, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Europa und sogar die Weltwirtschaft. Und was ich sage, ist keine Übertreibung."

ben/APN/DPA/Reuters / DPA / Reuters