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Pilotenstreik: Cityline streicht 360 Flüge

Der Arbeitskampf bei der Lufthansa geht weiter. Nach dem Bodenpersonal streiken nun erneut die Piloten der Cityline. Der Ausstand soll bis Freitagmittag dauern. Allein für Donnerstag musste die Lufthansa-Tochter 360 Flüge annulieren.

Passagiere der Lufthansa müssen sich erneut auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen: Die Pilotenvereinigung Cockpit hat die mehr als 700 Piloten bei der Lufthansa-Tochter Cityline zu einem 36-stündigen Arbeitskampf aufgerufen. Der Streik hat um Mitternacht begonnen und soll bis Freitag 12 Uhr dauern. Und er zeigt Wirkung: Für Donnerstag wurden 360 Cityline-Flüge gestrichen, wie eine Lufthansa-Sprecherin am Morgen mitteilte.

Hintergrund des Ausstandes sind Cockpit zufolge die festgefahrenen Tarifverhandlungen über die Gehälter für Piloten. Sie werden unabhängig von den Verhandlungen für das Boden- und Kabinenpersonal geführt, bei denen am vergangenen Freitag nach fünf Tagen Streik eine Einigung erreicht worden war.

Von den neuen bundesweiten Arbeitskämpfen sind nach Angaben von Cockpit unter anderem die Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Berlin-Tegel und Leipzig betroffen. Passagiere sollen nach Angaben der Lufthansa nach Möglichkeit auf die Bahn und auf andere Flüge umgebucht werden. Fluggäste könnten sich unter der Telefonnummer 0800-850 60 70 und im Internet unter www.lufthansa.com informieren.

CityLine bedient ausschließlich Strecken in Europa, vor allem auf wenig frequentierten Linien. In den 36 Stunden des Arbeitskampfes stehen fast 1800 Flüge auf dem Plan, wie viele davon auch am Freitag wegen des Streiks ausfallen müssen, ist noch offen.

Lufthansa kritisiert Streik und will Dialog

Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer kritisierte den Pilotenstreik scharf. Weitere Streiks seien eine Zumutung für die Kunden und schadeten dem Unternehmen, sagte Lauer in Frankfurt am Main. "Dialog ist hier der richtige Ansatz." Lauer betonte, dass es ein verbessertes Angebot für die Piloten bei der Regionaltochter Cityline gebe. Das Unternehmen sei bereit, direkt mit Arbeitnehmer-Vertretern zu verhandeln oder einen Schlichter anzurufen. Es gebe keinen Grund, in einen Arbeitskampf zu gehen.

Cockpit begründet die neuen Aktionen damit, dass Lufthansa in den monatelangen Tarifverhandlungen kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt habe. Bereits im Juli waren die Cockpitbesatzungen der Lufthansa-Töchter Eurowings und Cityline in einen 24-stündigen Ausstand und Ende Juli in einen 36 Stunden dauernden Streik getreten. Im Kern geht es bei den Verhandlungen um mehr Geld, eine konkrete Forderung für eine Anhebung hatte die Gewerkschaft in der Öffentlichkeit aber nicht genannt. Die CityLine-Geschäftsführung hatte zuletzt 5,5 Prozent mehr Geld bei 18 Monaten Laufzeit sowie eine Einmalzahlung von 5000 bis 7000 Euro angeboten - dieses Angebot hält Cockpit für nicht verhandelbar.

Derzeit läuft unabhängig von den Piloten eine Urabstimmung der Gewerkschaft Verdi über die am Freitag erzielte Tarifeinigung für die gut 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine. Sie erhalten rückwirkend zum 1. Juli 5,1 Prozent mehr, ab dem 1. Juli 2009 weitere 2,3 Prozent. Die Piloten des Lufthansa-Mutterkonzerns drohen ebenfalls mit Warnstreiks in den nächsten Tagen. Sie fordern eine Konzern-Personalvertretung bei Deutschlands größter Fluggesellschaft.

DPA/AP / AP / DPA