Preis-Krieg Milchbauern beenden Boykott


Der Bundesverband der deutschen Milchviehhalter will den seit mehr als einer Woche dauernden Milch-Boykott aufheben. Verbandschef Romuald Schaber rief die Bauern dazu auf, ab heute Abend wieder Milch zu liefern. Begründung: "Die letzte Bastion bei den Discountern wird bald fallen."

Im deutschen Lebensmittelhandel steht nach den zehntägigen Protesten der Milchbauern ein Ende des Lieferstopps unmittelbar bevor. Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbands der deutschen Milchviehhalter (BDM), rief die Landwirte zum Ende des Boykotts auf. "Ich fordere Sie auf, ab heute Abend wieder Milch zu liefern", sagte Schaber vor mehreren tausend Bauern am Brandenburger Tor in Berlin, denn "die letzte Bastion bei den Discountern wird bald fallen".

Es gebe so gut wie keine Handelskette, die nicht die Milchpreise erhöhen wolle, verkündete Schaber den Demonstranten. Es sei aber noch ein langer Kampf, bis davon etwas bei den Bauern ankomme. Am Donnerstagabend wollen Vertreter des BDM und des Milchindustrie-Verbands (MIV) erneut miteinander verhandeln.

Bis Donnerstagnachmittag hatten die Milchbauern ihre Proteste fortgesetzt. In Dresden, Leipzig und Chemnitz, sowie in Hamburg und Mülheim an der Ruhr versammelten sich Milchbauern in den Innenstädten oder vor Handelszentralen.

Vor den Zentralen der Schwesterunternehmen Aldi Süd in Mülheim und Aldi Nord in Essen protestierten erneut Bauern mit ihren Schleppern, um den führenden deutschen Discounter zum Einlenken zu bewegen. Sie werfen Aldi vor, Ausgangspunkt der massiven Preissenkungen im Frühjahr gewesen zu sein. An den Milchpreisen von Aldi orientieren sich erfahrungsgemäß auch zahlreiche andere Lebensmittelhändler.

"Das Ganze ist nicht mehr zu halten"

Während der Proteste hatte Schaber bereits angedeutet, dass der Lieferstopp der Milchbauern bald aufgehoben werden soll. Die Bauern seien mit den bisherigen Zugeständnissen des Handels zwar noch nicht ganz zufrieden, weil die zugesagten Preiserhöhungen nur für Butter und Milch gelten sollen, so Schaber. Aber sein Verband begrüße es, dass Bewegung in die Preisgestaltung gekommen sei. "Das Ganze ist nicht mehr zu halten", fügte er hinzu.

Der zweitgrößte deutsche Discounter Lidl hatte am Mittwoch angekündigt, die Verkaufspreise für den Liter Milch um zehn Cent und für 250 Gramm Butter um zwanzig Cent anzuheben. Andere Handelsriesen sind trotz bestehender Verträge ebenfalls zu neuen Verhandlungen mit den Molkereien bereit. "Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit", sagte ein Sprecher des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka in Hamburg.

Der zweitgrößte deutsche Lebensmittehändler Rewe wiederholte das Angebot, mit seinen Lieferanten über den Milchpreis zu verhandeln. "Wenn sich ein neuer Marktpreis bildet, wird die Rewe diesen Marktpreis nachvollziehen", sagte ein Sprecher. Ähnliche Signale kamen auch von Tengelmann und der Discount-Tochter Plus.

Aldi Süd zeigte sich ebenfalls zu kurzfristigen Neuverhandlungen bereit. "Dabei orientiert sich Aldi Süd an den aktuell im Markt diskutierten Erzeugerpreisen." Konkrete Zahlen nannte der Handelsriese aber nicht.

Die Bauern wollen einen Milchpreis von 43 Cent pro Liter durchsetzen. Derzeit erhalten sie nach eigenen Angaben maximal 35 Cent.

Reuters/AP AP Reuters

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