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Prozess gegen Deutsche Bank: Kirch will Schröder vor Gericht zerren

Seit Jahren prozessiert Leo Kirch gegen die Deutsche Bank, die den Medienmogul in die Pleite getrieben haben soll. Eine Befragung der früheren Vorstände brachte kaum Erkenntnisse. Ackermann und Co. konnten sich nur vage erinnern. Licht ins Dunkel soll ein Altkanzler bringen.

Der seit fast zehn Jahren erbittert geführte Rechtsstreit zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank verliert sich in Detailfragen. Eine Klärung der Vorwürfe, ob Deutschlands größtes Geldhaus den Medienmogul in die Pleite getrieben hat, ist noch immer nicht in Sicht. Vor dem Oberlandesgericht München spielte am Donnerstag vor allem eine Vorstandssitzung Ende Januar 2002 eine Rolle.

Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll nun als Zeuge aussagen. Vor dem Oberlandesgericht München beantragten Kirchs Rechtsvertreter am Donnerstag Schröders Vernehmung, um eine mögliche Mitverantwortung der Deutschen Bank an der Kirch-Pleite aufzuklären. Die Führungsspitze der Bank um Josef Ackermann bestritt als Zeugen vehement ein Interesse an der Kirch-Pleite.

Richter Guido Kotschy wollte klären, ob sich die Bank zu diesem Zeitpunkt verabredet hat, Kirch vorsätzlich sittenwidrig zu schädigen. Doch die Erinnerung an das Treffen, das wenige Tage vor umstrittenen Interview-Äußerungen von Ex-Bankchef Rolf Breuer zur Kreditwürdigkeit Kirchs stattfand, ist bei den meisten Zeugen verblasst. Stattdessen wurde immer wieder über die Bedeutung einzelner Wörter im Sitzungsprotokoll, das in englischer Sprache verfasst wurde, sowie Unterschiede zwischen deutscher und englischer Grammatik gestritten.

Nach Aussage des Aufsichtsratschefs der Deutschen Bank, Clemens Börsig, hat Kirch bei der Vorstandssitzung nur eine Nebenrolle gespielt. "Das war ein ganz marginaler Punkt", sagte Börsig, damals Finanzchef, vor Gericht aus. Bei dem Vorstandstreffen sei es vorrangig um die vorläufigen Zahlen für 2001 sowie die neuen Managementstrukturen gegangen.

Ackermann: "Ich wollte kein Mandat von Herrn Kirch"

Der heutige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die Linie des Geldhauses gestützt. "Ich wollte kein Mandat von Herrn Kirch", sagte Ackermann. Es habe bei der Vorstandssitzung keinen Beschluss gegeben, auf Kirch zuzugehen. Ackermann sagte, er sei nach der Sitzung auch nicht aktiv geworden. "Das ist für mich der beste Beweis dafür, dass es insoweit keinen Beschluss gab."

Ackermann räumte ein, nicht alle Antworten auf der Hauptversammlung hätten den erforderlichen Detailgrad gehabt. Die Bank werde regelmäßig mit hunderten Fragen konfrontiert und habe sich dafür bei der Hauptversammlung rund zehn Stunden Zeit genommen.

Der 84-jährige Kirch, der schwer krank und fast blind ist, hatte zuletzt schon seine Vorwürfe vor Gericht bekräftigt. Er bezieht sich vor allem auf das TV-Interview im Februar 2002. Darin hatte Breuer über die Kreditwürdigkeit Kirchs gesagt: "Was man alles lesen und hören kann ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Danach haben aus Kirch-Sicht die Banken den Geldhahn zugedreht. Seither überzieht er die Deutsche Bank mit Klagen und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe - bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Breuer sprach vor Gericht von einem "Unfall" und bedauert seine Aussagen. An der Pleite sei Kirch wegen vieler defizitärer Geschäfte und hoher Schulden aber selbst schuld gewesen.

Auch Gerhard Schröder soll aussagen

Bei dem Vorstandstreffen habe Breuer den Vorstand nur am Ende kurz über ein Gespräch mit dem damaligen Bundeskanzler Schröder informiert, sagte Börsig. Daher soll Schröder nun ebenfalls als Zeuge vor Gericht aussagen. Laut Börsig habe Kirch zwar Schwierigkeiten gehabt, das Kredit-Engagement der Deutschen Bank sei aber abgesichert gewesen. "Keiner am Tisch hatte ein verstärktes Interesse an einem Kirch-Mandat", ergänzte Börsig. Keinesfalls habe die Bank den Eindruck erwecken wollen, einen Interessenkonflikt zu haben - als kreditgebende und zugleich im Falle einer Sanierung beratende Bank. Ein Beschluss zum Vorgehen im Fall Kirch sei nicht gefasst worden, ergänzte Börsig.

Ähnlich äußerte sich der frühere Personalchef der Bank, Tessen von Heydebreck. Kirch sei bei der strittigen Sitzung nur ein Randthema gewesen. "Wir haben darüber gesprochen, aber unter ferner liefen", sagte von Heydebreck. Er habe damals gesagt, dass falls es Interesse von Dritten gebe, die Deutsche Bank in dem Zusammenhang mit einem Mandat zu beauftragen, müsse man zumindest Kirch vorher ebenfalls Gespräche anbieten. "Es war allgemeines Verständnis, dass dies der erste Schritt sein muss", sagte von Heydebreck.

mlr/Reuters/DPA / DPA / Reuters