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Quartalszahlen: Hypo Real Estate macht Milliardenverlust

Der Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat im dritten Quartal einen höheren Verlust gemacht als erwartet. Der Konzern bezifferte das Minus mit 3,1 Milliarden Euro. Im Zusammenhang mit der HRE ist auch das Bundesfinanzministerium in die Kritik geraten.

Die vom Bund und anderen Banken vor der Pleite gerettete Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hat von Juli bis September mehr als drei Milliarden Euro Verlust gemacht und braucht weitere Hilfen. Hauptursache des Absturzes seien hohe Abschreibungen bei der irischen Tochter Depfa, teilte die Bank am Mittwoch in München mit. Ab Donnerstag könne die HRE auf die bereits bereitgestellte Liquiditätshilfe von 50 Milliarden Euro zugreifen.

Das Bundesfinanzministerium wusste einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge schon weit früher von den Problemen bei der Depfa als bisher mitgeteilt. Nicht erst im Oktober, sondern bereits seit Anfang März sei das Ministerium mehrfach über eine Sonderprüfung der Bundesbank bei der Depfa informiert worden. Erste Ergebnisse der Prüfung seien am 18. August im Finanzministerium eingegangen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen Bericht des Ministeriums an den Finanzausschuss des Bundestages.

Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing warf Finanzminister Peer Steinbrück Aufsichtsversagen vor. Trotz Milliardenrisiken für die Steuerzahler seien wichtige Informationen nicht an Steinbrück weitergeleitet worden, weil es im Haus "drunter und drüber" gehe. Das Ministerium wies die Kritik zurück.

Die Hypo Real Estate machte im dritten Quartal einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro vor Steuern. Allein die Depfa musste 2,5 Milliarden Euro auf Buchwerte abschreiben, wie die Bank mitteilte. Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers, der Zusammenbruch isländischer Banken sowie neue Abschreibungen bei strukturierten Finanzprodukten kosteten die Bank weitere 600 Millionen Euro.

Damit sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. Über die bis Dezember 2009 laufende Liquiditätshilfe hinaus werde die Bank "weitere umfassende Unterstützungsmaßnahmen" aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) beantragen. Für die notwendige Restrukturierung und Neuausrichtung der Gruppe seien zusätzliche Liquiditätshilfen und erhebliches Kapital erforderlich, kündigte die HRE an. Das Marktumfeld bleibe schwierig, und die notwendige Restrukturierung des Konzerns sowie die Kosten des Rettungsschirms würden das Ergebnis im laufenden Quartal und auch im nächsten Jahr belasten.

Die angekündigte gesamte Zwischenbilanz für das dritte Quartal verschob die HRE ohne weitere Erklärung auf nächsten Montag. Erst dann will sie mitteilen, wie hoch der Verlust unterm Strich ist. Im ersten Halbjahr hatte der Konzern 207 Millionen Euro verdient. Die Börse reagierte negativ. Die Aktie der Hypo Real Estate verlor am Vormittag rund sechs Prozent und war damit Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (DAX).

Für die laufende Liquiditätshilfe habe die HRE Darlehen und Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro als Sicherheit zur Verfügung gestellt und Anteile an den operativen Tochterbanken verpfändet. Für die Hilfe zahle die HRE Zinsen sowie bei einer Rückkehr in die Gewinnzone zusätzlich bis zu 150 Millionen Euro im Jahr.

DPA / DPA