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Rocket Internet vor Börsengang: Samwer sieht "riesiges Potential" für sein Unternehmen

Kurz vor dem Börsengang von Rocket Internet gieren Investoren bereits nach den Aktien. Vorstandschef Oliver Samwer setzt es sich als Ziel, die führende Plattform außerhalb der USA und China zu werden.

Oliver Samwer ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet

Oliver Samwer ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet

Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet sieht sich auf bestem Wege zu einem erfolgreichen Börsengang. Es bestehe bereits Nachfrage für das gesamte Aktien-Angebot, sagte Mitgründer und Vorstandschef Oliver Samwer einen Tag nach Veröffentlichung des Börsenprospekts am Mittwoch in Frankfurt. "Dass heute schon genug Orders vorliegen, zeigt das Vertrauen der Investoren in das Unternehmen Rocket und sein Team."

Bei dem Börsengang sollen bis zu 1,6 Milliarden Euro erlöst werden. Etwa eine Milliarde will Rocket Internet laut Finanzvorstand Peter Kimpel dazu einsetzen, gegründete Unternehmen länger zu begleiten. Der Rest soll genutzt werden, um Beteiligungen auszubauen. "Wir werden die Gesellschaften signifikant länger finanzieren im Anfangsstadium und die Verwässerung wie früher vermeiden", erklärte Kimpel.

Wachstumsmärkte Lateinamerika, Afrika, Indien

Rocket Internet will am 9. Oktober an der Frankfurter Börse starten - im Entry-Standard für junge und stark wachsende Unternehmen. Die Preisspanne für die Aktien wurde auf 35,50 Euro bis 42,50 Euro festgelegt. Im außerbörslichen Handel wurden die Papiere am Mittwoch bereits deutlich über diesem Korridor gehandelt.

Das 2007 gegründete Unternehmen Rocket Internet bringt vor allem Internet-Startups an den Markt. Standardisierte Prozesse ermöglichen es, Gründungen quasi am Fließband zu organisieren: Eine Geschäftsidee wird schnell umgesetzt und in verschiedenen Ländern an den Start gebracht. Binnen 100 Tagen würden 80 Prozent der Ideen umgesetzt, wirbt das Management. Mittlerweile ist Rocket Internet in 116 Ländern aktiv, Schwerpunkte sind Online-Handel, Logistik und Bezahldienste.

Rocket Internet habe "ein riesiges Potenzial" vor sich, warb Samwer. "Unser Ziel ist: Eines Tages die führende Internetplattform außerhalb der USA und China zu sein." Als Wachstumsmärkte sieht das Unternehmen etwa Lateinamerika, Afrika, Russland und Indien.

Investoren brauchen langen Atem

Investoren brauchen allerdings Geduld, wie Samwer einräumte: "Die Aktie ist geeignet für den Investor, der einen sehr langen Atem hat, der bereit ist, auf die Entwicklung des Internets in Lateinamerika, in Afrika zu warten." Den neu gegründeten Unternehmen gesteht Rocket sechs bis neun Jahre zu, um profitabel zu werden.

Rocket selbst wies im ersten Halbjahr dieses Jahres 13,3 Millionen Euro Verlust aus. Dabei werden bisher hauptsächlich Verwaltungsausgaben mit Erträgen aus Anteilsverkäufen gegengerechnet. Im vergangenen Jahr gab es 174,2 Millionen Euro Gewinn - unter anderem dank des Verkaufs einer Beteiligung am Online-Modehändler Zalando, der ebenfalls an die Börse strebt. Unter den wichtigen Rocket-Beteiligungen war der in Südamerika aktive Modehändler Dafiti am nächsten dran an der Gewinnzone mit einem Verlust von 800.000 Euro im vergangenen Jahr.

Hauptanteilseigner von Rocket Internet sind die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer mit derzeit 52,32 Prozent. Diese Mehrheit geben die Brüder mit dem Börsengang auf, es dürften dann knapp 40 Prozent sein. "Die Mehrheit müssen wir aufgeben, sonst wäre dieser Börsengang nicht möglich", sagte Oliver Samwer aus. Das verhindere nicht, großen Einfluss auf das Unternehmen zu haben: "Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, Sonderrechte in irgend einer Form zu schaffen, um eine de-facto-Kontrolle auszuüben", sagte der Vorstandschef.

kis/DPA / DPA