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Konferenz "Digital, Life, Design": Gipfel zwischen Angst und Aufbruch

Bei der hochkarätig besetzten Internet- und Wirtschaftskonferenz DLD in München wechselten Internetfirmen im Wachstumsrausch ab mit Wissenschaftlern, die schwarz sehen.

Von Dirk Liedtke

"Gier und Angst sind die Triebfedern des Kapitalismus", sagt der Merck-Manager Stefan Oschmann. Das ist nicht neu, aber wahr. Bei der diesjährigen Konferenz DLD (Digital Life Design) des Burda-Verlages ("Focus", "Bunte", "Chip") liegen beide Affekte wie zwei Sorten Raumspray in der Luft, mal dominiert die Furcht, mal die Euphorie die Riechnerven.

Die Gästeliste ist zwar aus Platzgründen im Vergleich zum Vorjahr reduziert, aber von der gleichen Sorte Leute bevölkert: Manager wie Werber Holger Jung (Jung von Matt), Medienleute wie der Zeitungsverleger Dirk Ippen und der ehemalige Gruner+Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen, Internet-Investoren wie Oliver Samwer (Alando/Ebay, Jamba, Facebook) und Stefan Glänzer (Ricardo, Last.fm) und Start-Ups, die auf deren Geld scharf sind. Als Haupt-Attraktionen locken prominente Unternehmer und Manager aus dem Silicon Valley, angerichtet mit sexy Künstlern und Architekten. Zur opulenten DLD-Party im Haus der Kunst kommen auch Party-Promis wie Verona Pooth und Jenny Elvers-Elbertzhagen und C-Promis wie die ehemalige n-tv- und Super-Illu-TV-Moderatorin Eve-Maren Büchner, die ihre Karriere einst mit einem inszenierten Busen-Lupfer in der Harald-Schmidt-Show startete.

Im Internet schlägt DLD hohe Wellen: da wird in Echtzeit gebloggt, teils offiziell unter Aufsicht des veranstaltenden Verlags Hubert Burda Media. Zahllose Twitter-Nachrichten plappern nach oder kommentieren, was gerade diskutiert wird. Viele Diskussionen laufen live im Netz als Videostream und lassen sich auch hinterher noch abrufen. Fotos werden natürlich auch reichlich geschossen, und bei Flickr und anderen Seiten hochgeladen. Diese geschlossene Veranstaltung, die Manager, Investoren, Vordenker, Wissenschaftler und Medienleute "nur auf Einladung" besuchen dürfen, ist so erfreulich offen. Nur die Gespräche in den zahlreichen Kaffeepausen oder bei Dinners im kleineren Kreis bleiben wirklich vertraulich.

Für Glamour mit Grips sorgt Verlegergattin Maria Burda-Furtwängler, bekannt als spröde Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm. In ihrer Rolle als Gattin und Mutter zweier hübscher Teenager, die auch neben Papa und Mama in der ersten Reihe sitzen und als Moderatorin einer Runde zum Thema "Women Power", auf deutsch Frauenpower, macht Furtwängler eine Bella Figura. Sie ist schön, schlau und charmant - und ihr Oxford-Englisch hat nur einen Schönheitsfehler: die Worte "Woman" und "Women" klingen bei ihr fast gleich. Das fällt auf, weil Englisch die Konferenzsprache ist.

Die promivierte Medizinerin Burda-Furtwängler berichtet von einer Reise nach Kalkutta, wo sie im Auftrag der Organisation "Ärzte für die dritte Welt" einer Witwe begegnete, die zwei Kinder an Tuberkulose verloren hat. Auf dem Podium sitzen neben zwei Vorzeigeunternehmerinnen aus Mexiko und Frankreich auch die Post-Managerin Monika Wulf-Matthis und die FDP-Politikerin und Dreifach-Mutter Silvana Koch-Mehrin.

Gebeutelt von der Krise

Das Mediengewerbe, also Burdas Geschäft, wird nicht nur von der akuten Krise sondern auch von langfristig schrumpfenden Zeitschriftenverkäufen und weniger Anzeigen gebeutelt. Im Internet klicken zwar viele Menschen auch Burda-Angebote an, aber das Geld kommt woanders her: "Ohne die lukrative Reisebewertungsseite Holiday-Check könnten wir 'Focus online' nicht finanzieren", sagt Burda offenherzig. Als er den "Aenne Burda Award", einen Business-Bambi für verdiente Geschäfsfrauen, an die Internet-Unternehmerin Esther Dyson verleiht, erinnert sich Burda wehmütig an goldene Zeiten: "In Russland haben wir 1987 3 Millionen Hefte Burda Moden verkauft, heute sind es nur noch 350.000."

Traditionellen Medien müssen sich schnell neue Ideen einfallen müssen, sonst gehen sie unter - so lautet das lapidare Fazit der Verlags-Managerin Carolyn McCall von der englischen Tageszeitung Guardian: "Eine Zeitung zu drucken und dazu eine Website zu bestücken ist auf Dauer kein tragfähiges Geschäftsmodell." Andere Geschäfte finanzieren bei der renommierten liberalen Zeitung das traditionelle Geschäft. Sonst könnte es sich der "Guardian" nicht leisten, 180.000 Pfund pro Jahr für einen Irak-Korrespondenten auszugeben. Subjektive Blogger und Leserkommentare zu Artikeln im Netz können traditionellen, professionellen Journalismus nicht ersetzen, glaubt die Medienfrau: "Für die politische Entscheidungsfindung ist er unerlässlich." Das mag stimmen, aber die Diskussion hatte aus Sicht traditioneller Verlage etwas vom Pfeifen im Walde.

Ein Horrortrip, ein Schrecken ohne absehbares Ende ist alles Debattieren über die Weltwirtschaft. Schwindelerregend hohe Zahlen nennt der Chef des Finanzholding Apax, Martin Halusa: "Weltweit stehen 60 Billionen realen Werten und 70 Billionen an addierten Sozialprodukten rund 240 Billionen an Finanzprodukten gegenüber." Durch den Immobilien- und Finanzcrash seien davon 30 Billionen bereits verschwunden. Aber durch Deflation würden noch viele weiteren Milliarden aus dieser schiefen Bilanz getilgt werden. Ach ja, und wenn dieser Prozess beendet sei, drohe eine Hyperinflation. Ein Szenario zum Fürchten.

"Nichts wird mehr sein wie zuvor"

Auch wenn der Finanzmann überzeugt ist, dass die kapitalistische "Maschine wieder anspringt - dieses oder nächstes Jahr", wird nichts mehr sein wie vorher. Das bestreitet keiner der angereisten Experten. "Strukturelle Veränderungen" sagt auch die Eu-Wettbewerbskommisarin Viviane Reding voraus. Ähnlich wie US-Präsident Obama setzt sie auf Investitionen in innovative Technologien zum Umweltschutz und alternative Energiegewinnung als Konjunkturspritze.

Gar nicht zum Ernst der Lage passt der Auftritt eines ungewohnt entspannten René Obermann. Braungebrannt im dreiteiligen Anzug, im weißen Hemd, aber ohne Krawatte gibt der selbstbewusste Boss der Deutschen Telekom Einblicke in sein Privatleben und seine Gefühle. Ungekünstelt erzählt er von seiner 14-jährigen Tochter, die - wo sie geht und steht - per Handy und PC SMS, E-Mails und Status-Updates in sozialen Netzwerken wie Facebook absetzt. Und wer hätte gedacht, dass einen smarten Manager wie Obermann, der durch seine Liaison mit der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner auch ein A-Party-Promi geworden ist, auch Selbstzweifel hat?

Diese liegen allerdings lange zurück: "Als ich die von mir gegründete Firma verkaufte und als T-Mobile-Manager in den Telekom-Konzern wechselte, habe ich mich oft gefragt, ob das die richtige Umgebung für mich ist." Wieder in der Rolle des souveränen CEO mit Davos-Dauerticket rechnet Obermann allerdings vor, wie die T-Aktie sich zuletzt besser als der Branchenindex geschlagen habe.

Wenig Hoffnung auf einen geläuterten Homo Oeconomicus machen Wissenschaftler wie der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth und der amerikanische Verhaltensökonom Dan Ariely: Sein Buchtitel "Vorhersehbar irrational" bringt es auf den Punkt: Gier, Angst und Herdentrieb führen gerade an der Börse immer wieder zu Blasen, die platzen, Krisen, Krächen, dem zyklischen Auf und Ab der Märkte. Der typische Vertreter unserer Art sei folglich nicht Albert Einstein sondern Homer Simpson.

Provokationen der klugen Köpfe

In die gleiche Kerbe schlagen die zwei klügsten Köpfe der DLD-Konferenz: Daniel Kahneman, emeritierter Psychologie-Professor in Princeton und der Gewinner des Wirtschafts-Nobelpreises, gilt als wichtigster, lebender Vordenker der "Verhaltensökonomik". Mit ihm auf der Bühne: der ehemalige Börsenhändler und Risiko-Philosoph Nassim Taleb. Da treffen sich zwei intellektuelle Männerfreunde, die mit Lust am brillanten Argumentieren und ungehehemmt zugespitzten politischen Forderungen Dampf machen.

Für die Chefs der US-Notenbank Alan Greenspan und dessen Nachfolger hat Nassim Taleb nur Hohn und Spott übrig: "Ben Bernanke fuhr einen Schulbus mit verbundenen Augen." Ökonomen stellt er auf eine Stufe mit Astrologen, weil sie keine raren Ereignisse in ihre Markt-Prognosen berücksichtigen. Und die Banker verhielten sich im Crash wie Piloten in einem Schneesturm, die auf diesen nicht vorbereitet sind. Sie stürzen ab. Trotzdem dürften sie auch weiter Flugzeuge fliegen.

Wie in seinem aktuellen Buch "Der schwarze Schwan" leitet Taleb mit Freude am Provozieren her, wie Banken und Investoren die gigantischen Risiken wackliger Kredite und windiger Anlageformen systematisch unterschätzt haben. Wie ein Lottospieler, der gegen jede Wahrscheinlichkeit auf sechs Richtige hoffe, hätten Banken und ihre Aufseher gehofft, das Kartenhaus werde schon nicht zusammenbrechen, was es dann aber bekanntlich tat. "Schmeißt alle Bank-Manager raus und verstaatlicht alle Banken", ruft Taleb. Eine Bank sei ein Versorgungsunternehmen wie ein Wasserwerk oder ein Energieversorger und müsse daher nicht um gigantische Profite zocken. "Profite gehören ihnen, die Verluste halsen sie uns Steuerzahlern auf", fasst Taleb zusammen, was alle wissen und was alle aufregt, aber hilflos zurücklässt.

Mit feineren, aber nicht weniger dramatischen Argumenten analysiert die Wirtschaftspsychologe Kahneman das Desaster des Finanzsystems: "Wir haben uns an die Blase gewöhnt, weil sie schon Jahre existierte. Der intuitive Teil des Gehirns ist dabei stärker als der rationale Teil." Das größte Problem sei aber ein zutiefst menschliches: "Die Zeithorizonte passen nicht zusammen: auf ihre Lebenszeit bezogen versuchen Anleger, die maximale Rendite zu erzielen, verlieren dabei aber die langfristige Stabilität des Gesamtsystems aus den Augen." Das gibt wenig Anlass zu Hoffnung.

Viele DLD-Teilnehmer aus den USA oder Israel folgen traditonell Burdas Einladung und lassen sich dann vom Burda-Sponsor Mercedes auf den Zauberberg kutschieren - in diesem Jahr ökologisch angehaucht in S-Klasse-Limousinen mit Hybrid-Antrieb. Und eine Handvoll Leute darf sogar in Hubert Burdas Hubschrauber über die Alpen knattern. In Davos ist dieses Jahr aber Bescheidenheit angesagt. Hubert Burda lädt nicht wie sonst mit Naomi Campbell oder Claudia Schiffer als Männer-Magnet zu rauschenden Festen. Stattdessen kommt Guido Westerwelle.

Ein Teil der Offenheit beim DLD macht sich dieses Jahr auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos breit. Dort können Facebook-Nutzer während im Netz übertragener Diskussionen Kommentare abgeben und Fragen stellen, die in den Debatten einfließen sollen.

In besorgte Gesichter blickt man, wenn man gestandene Money-Männer, millionenschwere, erfolgreiche Internet-Investoren nach ihrer Prognose für den Verlauf der Wirtschaftskrise fragt. Tenor: es wird noch schlimmer, aber es könnte sogar richtig schlimm werden. Wer jetzt noch Aktien oder Fonds halte, der sei bekloppt. Die Kurse seien noch nicht auf ihrem Tiefstand angelangt.

"New Realities" - vage, aber treffend

Auch die immer noch aufgekratzte, Techno-optimistische DLD-Konferenz kommt nicht um die schmerzliche Erkenntnis herum: Die Zeiten sind hart. Burda: "Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit." Das Konferenzmotto "New Realities" ist zwar vage, aber trotzdem treffend.

Selbst die Gelddruckmaschine Google, deren Suchchefin Marissa Meyer wie immer rastlosen Vorwärtsdrang versprühte oder das Wunderkind Mark Zuckerberg, das bei Facebook bereits über 150 Millionen Kunden weltweit (davon zwei Millionen in Deutschland) zählen kann, sind nicht krisenfest: Google musste kürzlich mehr als tausend Leiharbeiter entlassen, und Facebook verdient immer noch nicht annähernd genug Geld mit Werbung, um die mit der Mitgliederzahl steil steigende Kostenkurve auszugleichen.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(