Rupert Murdoch Der zähe Medienzar


Rupert Murdoch kehrt nach Deutschland zurück. Der schwerreiche und extrem einflussreiche US-Australier besitzt bereits ein beispielloses Medienimperium, dem nun wohl auch Premiere einverleibt wird. Mit seinen Milliarden könnte er dem Pay-TV-Kanal das teure Abenteuer Bundesliga retten.

Rupert Murdoch ist bekannt dafür, dass er bekommt, was er will. Der zähe Medienzar aus Australien weiß sich durchzusetzen - geht dabei aber auch Risiken ein, die andere gar nicht erst auf sich nehmen würden. So versucht er jetzt zum zweiten Mal im deutschen Markt Fuß zu fassen - und steigt beim Pay-TV-Kanal Premiere ein. 287 Millionen Euro legt er für knapp 15 Prozent der Anteile am Münchener Unternehmen hin. Ein stolzer Preis. Denn die Aktie kostete beim letzten Schlusskurs 12,47 Euro, der US-Australier aber legte 17,50 Euro pro Papier hin. Branchenkenner sind sich sicher, dass dies nur der Auftakt ist und Murdoch Premiere in absehbarer Zeit vollständig übernehmen, zumindest sich aber maßgeblichen Einfluss bei dem Sender sichern wird.

Bereits vor einigen Jahren war er in Deutschland aktiv - letztlich gelang es ihm aber trotz zahlreicher Versuche nicht, sich auf dem hart umkämpften Markt zu etablieren. Beteiligt war er unter anderem an den Sendern Vox, ProSieben, TM3 und Premiere. In Erinnerung blieb vor allem sein Engagement in der Kirch-Gruppe. Nachdem diese nach hohen Verlusten bei dem Bezahlsender Premiere World 2002 in immer stärkere Finanznöte geriet, war Murdoch letztlich nicht bereit, eine Rettungsaktion für die in Insolvenz gegangene KirchPayTV und die Dachgesellschaft Taurus zu starten. Seine für die Rückgabe der Beteiligung an dem Sender geforderten 1,7 Milliarden Euro musste er allerdings größtenteils abschreiben.

Murdoch refinanziert Kirchs Bundesligarechte

Seine erneute Premiere-Beteiligung dürfte auch seinen Ex-Partner Leo Kirch freuen. Denn der hat sich über ein kompliziertes Konstrukt die Bundesligavermarktungsrechte gesichert. Die muss der deutsche Medien-Unternehmer nun für mindestens 500 Millionen Euro pro Saison wiederverkaufen. Da kommt ihm Murdoch gerade recht, denn mit seinen Milliarden könnte er locker die Fußballübertragungen erwerben. Für Premiere versteht sich.

Sein Vermögen und sein Imperium hat 76-Jährige über Jahrzehnte aufgebaut. Zuletzt, im Oktober 2007, hatte der gebürtige Australier den altehrwürdigen US-Verlag Dow Jones für die stolze Summe von fünf Milliarden Dollar, umgerechnet 3,6 Milliarden Euro übernommen und seinem Medienreich eine besondere Trophäe hinzufügt. Zwar gehören bereits eine Reihe renommierter Zeitungen zu Murdochs Unternehmenssammlung, darunter "The Australian" und die Londoner "Times". Doch das im 19. Jahrhundert etablierte "Wall Street Journal" des Dow-Jones-Verlags gilt als Filetstück. Die Zeitung ist eine der Säulen des amerikanischen Journalismus und zugleich sehr einflussreich in der Finanzwelt.

Eine Zeitung vom Vater geerbt

Angefangen hat Murdoch in den 50er Jahren mit einer Zeitung in Australien, die er vom Vater erbte. Durchsetzungskraft und Mut katapultierten ihn nach oben. Murdoch sah dort Chancen, wo andere nur Hürden und Risiken wahrnahmen. Er kaufte und verkaufte Zeitungen, Fernsehsender, stieg in das Kabel- und Satellitengeschäft ein und wagte sich schon bald in die Welt des Online-Journalismus vor. Auf seinem weltweiten Eroberungszug sicherte er sich unter anderem fast 40 Prozent aller britischen Zeitungen, darunter neben der "Times" auch die beiden Massenblätter "Sun" und "News of the World".

In den USA baute Murdoch, der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat, den Sender Fox News während des Irak-Feldzug mit betont patriotischer Berichterstattung, konservativer Grundhaltung und klarer Parteinahme für US-Präsident Georg W. Bush 2005 zum beliebtesten Kabelkanal auf. Übrigens auch mit Hilfe der Comicserie "Die Simpsons", die dem Randalesender stets beste Quoten bescheren.

Schon vor der Einigung mit Dow Jones war Murdochs News Corporation Ltd. der weltweit viertgrößte Medienkonzern. Er hat mit seinen rund 400 Firmen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die veröffentlichte Meinung der Welt. Dem "Wall Street Journal" werde er nicht in die redaktionelle Freiheit pfuschen, versicherte Murdoch vor wenigen Monaten noch. Was im Umkehrschluss bedeuten könnte, dass er es bei seinen anderen Publikationen durchaus zu tun pflegt.

nik/AP AP

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