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Testphase mit O2-Kunden Schufa will Kontoauszüge von Verbrauchern auswerten

Schufa
Der Schufa-Score entscheidet über die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers
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Die Schufa interessiert sich offenbar verstärkt für die Kontobewegungen von Verbrauchern. In einem Pilotprojekt mit O2 können Mobilfunkkunden den Zugriff auf Kontoauszüge zulassen, um ihren Score zu verbessern. Datenschützer sind entsetzt.

Die Schufa will künftig auch gerne Kontoauszüge von Verbrauchern auswerten. Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichten, arbeitet Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei in einem Projekt mit dem Mobilfunkkonzern O2/Telefónica daran, auf solche Daten zugreifen zu können.

Laut den Recherchen läuft im Rahmen des Dienstes "Schufa CheckNow" seit Anfang November eine dreimonatige Testphase mit dem Mobilfunkriesen. Neukunden, die aufgrund schlechter Bonität normalerweise keinen Handyvertrag bekommen würden, können sich dann von der Schufa freiwillig auf ihr Konto schauen lassen, um gegebenenfalls doch als kreditwürdig eingestuft zu werden. Dafür müssen sie nur die Einwilligung über ein entsprechendes Häkchen geben. 

O2 bestätigte dem NDR, dass derzeit die Akzeptanz eines solchen Verfahrens getestet werde. Laut Schufa werden in der Testphase noch keine Daten gespeichert. Über die spätere Ausgestaltung des finalen Produktes könne man noch keine Auskunft geben, erklärte die Schufa dem NDR. Eine Datenverarbeitung von Kontoauszügen für Schufa-eigene Zwecke gebe es aber nur, "wenn der Verbraucher - und zwar ausdrücklich und unabhängig von der eigentlichen Dienstleistung - eine gesonderte Einwilligung" erteilt habe. In einer Pressemitteilung zum Start von "CheckNow" betont die Schufa die "volle Datenkontrolle des Verbrauchers".  

Schufa-Pläne für Datenschützer ein "Horror"

Datenschutzrechtlich wirft das Projekt dennoch Fragen auf. So sollen Kunden der Schufa weitgehende Rechte einräumen, die Kontoauszüge der vergangenen drei Monate zu speichern, auszuwerten und zur "Entwicklung und Weitergabe von eigenen Dienstleistungen und Produkten" zu bearbeiten, zitiert der NDR aus der Einwilligungserklärung. Laut Süddeutscher Zeitung verfolgt die Schufa mit dem Dienst das Ziel, einen detaillierten Einblick in Millionen Kontoauszüge zu bekommen. Dieses Wissen könne möglicherweise in eine Art "Superscore" fließen.

Datenschützer bewerten die Option, der Schufa weitreichenden Zugriff auf Kontoauszüge zu gewähren, äußerst kritisch. "Das ist für mich tatsächlich ein Horror", sagt Datenschützer Thilo Weichert der SZ. Hochsensible Daten würden im Unternehmensinteresse verwendet, ohne dass der Betroffene das nachvollziehen könne. Auch der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisiert, niemand könne die "tatsächliche Reichweite dieser Einwilligung überschauen". Der Verbraucher mache sich "wirklich nackig". Der neue Schufa-Service wird derzeit vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht auf seine rechtliche Zulässigkeit geprüft.

Die Schufa selbst hat keine datenschutzrechtlichen Bedenken. Auf Anfrage des stern erklärte das Unternehmen, das neue Angebot basiere rechtlich auf der EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2. Ziel der Richtlinie sei es, dass der Kontoinhaber selbst darüber entscheiden könne, wer Einblick in seine Kontodaten erhalte. "Der Einblick von anderen Unternehmen über das kontoführende Kreditinstitut hinaus (sogenannte Drittunternehmen) ist explizit gewollt, ist nicht neu und wird bereits umfangreich von zahlreichen Dienstleistern angeboten." Im aktuellen Test werde "die Akzeptanz einer freiwilligen Einwilligung in die weitere Speicherung der Daten für einen Zeitraum von zwölf Monaten" ermittelt. Der Verbraucher könne die Einwilligung jederzeit widerrufen, was zur Löschung seiner Daten führe.

Quellen: NDR / Süddeutsche Zeitung / Schufa-Pressemitteilung


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