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Schwarzbuch 2006: Die großen Börsen-Sünder

EADS, Telekom und Siemens sind nach Einschätzung von Aktionärsschützern die "großen Sünder" des vergangenen Börsenjahrs. Allein die Aktie des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS verbuchte im letzten Jahr ein Kursverlust von 25 Prozent.

Als "wohl größten Börsenskandal" 2006 kritisierte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Montag in München den Kursverlust des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS von 25 Prozent. Der Börsenwert sei nach Lieferverzögerungen für den Airbus A380 um mehr als fünf Milliarden Euro gesunken. Die Schmiergeldaffäre bei Siemens wiederum ist nach Ansicht der SdK einer der größten Unternehmensskandale des vergangenen Jahres. Mit der Affäre habe der Konzern nach einer 30-prozentigen Gehaltserhöhung für den Vorstand und der BenQ-Pleite sein Ansehen "gänzlich ramponiert", kritisierten die Aktionärsschützer in ihrem am Montag vorgestellten "Schwarzbuch Börse 2006".

Tui war der schlechteste Dax-Wert

Auch die Telekom nahm die SdK ins Visier. Die Aktie habe erneut für Verluste bei den Anlegern gesorgt und liege weiterhin unter dem Ausgabepreis. Mit Tui gingen die Aktionärsschützer ebenfalls hart ins Gericht: Tui sei der schlechteste DAX-Wert des vergangenen Jahres gewesen und habe zweistellig an Wert verloren. Die SdK kritisierte zudem die Machtkonstellationen bei ThyssenKrupp. Dort gebe es Sonderrechte für Großaktionäre, da eine Stiftung das Recht besitze, über die Köpfe anderer Anteilseigner hinweg, drei Aufsichtsratsmitglieder zu bestimmen, erklärten die Aktionärsschützer.

Zu den im Schwarzbuch kritisierten DAX-Unternehmen gehören auch VW und Altana. Der Bericht befasst sich auf 108 Seiten kritisch mit dem Börsengeschehen des vergangenen Jahres und soll Anleger vor Fehlanlagen bewahren.

Auch Kleine waren unanständig

Neben den großen Namen finden sich im "Schwarzbuch Börse" aber auch zahlreiche kleinere Firmen. "Auch die Kleinen waren nicht alle anständig und haben in 2006 zahlreichen Grund zu Ärger und Kopfschütteln bereitet", urteilt Schneider. Besonders der Versuch eines Neuanfangs des ehemaligen Neue-Markt-Unternehmens Infomatec stößt der SdK übel auf. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." Das endgültige Aus sei vermutlich nur eine Frage der Zeit.

Zugleich forderte die SdK eine gesetzliche Regelung für Zertifikate. "Es muss einen Regelungsrahmen geben, auf den sich der Anleger verlassen kann", sagte SdK-Experte Harald Petersen in München. Bisher gebe es bei Zertifikaten einen weitestgehend rechtsfreien Raum. Freiwillige Regelungen des Deutschen Derivate Forums würden in Deutschland nicht funktionieren. Hinzu komme, dass Deutschland mit einem Volumen im zweistelligen Milliardenbereich der größte Zertifikatemarkt weltweit sei. Es gebe mehr Anleger bei Zertifikaten als bei Aktien.

Gesetzliche Regelung für Zertifikate gefordert

Viele Anleger wüssten jedoch gar nicht, in was sie investieren, kritisierte Markus Straub von der Sdk. "Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen", sagte Straub. Die Insolvenz eines Emittenten könne zu einem unmittelbaren Risiko für den Anleger führen, sein eingesetztes Vermögen vollständig zu verlieren, warnten die Aktionärsschützer. Sie kritisierten die mangelnde Transparenz bei den Zertifikaten. So gebe es kaum Kostentransparenz und Dividenden landeten regelmäßig beim Emissionshaus. Die Experten der SdK erklärten, die meisten Anleger würden über die Werbung auf Zertifikate aufmerksam. Dort werde aber kaum auf Risiken hingewiesen. Prospekte für Zertifikate seien für den durchschnittlichen Anleger kaum zu verstehen. Das Schwarzbuch der SdK enthält einen Sonderteil zu Zertifikaten und kann im Internet unter www.sdk.org bestellt werden.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters