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Von Shoppingdiät bis Selbstversorgung: Diese Menschen beweisen, dass Verzicht glücklich machen kann

Konsum, Besitz, Statussymbole: Davon wollen wir immer mehr, mehr, mehr. Diese Menschen beweisen, dass es auch anders geht. Sie befreien sich von überflüssigen Habseligkeiten oder teilen sich einen Vollzeitjob, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben.

Von Nikola Sellmair und Angelika Dietrich

Anna Magdalena Bössen

"Mein Besitz passte plötzlich in zwei Satteltaschen"

Anna Magdalena Bössen, 36, Rezitatorin und Sprechtrainerin aus Hamburg: "Ich stand am Elbdeich und wusste nicht mehr weiter. Beruflich wollte ich aufbrechen, privat verzweifelt festhalten: Meine Mutter lag im Sterben. Plötzlich begriff ich, dass ich alles loslassen musste, um neu beginnen zu können. Ich schrumpfte meinen Besitz auf zwei Fahrradtaschen und einen gelben Koffer voller Dichter und Denker und radelte zwölf Monate durch Deutschland. Meine Idee: Kost und Logis gegen Poesie. Bei den Menschen, die mich zu sich einluden, trat ich abends im Wohnzimmer mit meinem "Kofferprogramm" auf: Es gab Gedichte, große Fragen und viel Gelächter. Ich strampelte über 8000 Kilometer, residierte in Schlössern und schlief auf dem Sofa, ich rezitierte vor Nachbarn, Schulklassen und im Altersheim. Mit der Zeit wurde mir klar: Ich bin - nicht nur auf dieser Reise - auf die Unterstützung anderer angewiesen. Wenn man kein Geld verdient, wird einem das plötzlich sehr bewusst." Aus ihren Erfahrungen hat Bössen ein Buch gemacht: http://www.ein-wandermaerchen.de

Jeder Deutsche besitzt im Schnitt 10.000 Dinge. Braucht er sie wirklich? Und wie viele soll er noch kaufen? Ein ewiger Kreislauf: Arbeit und Konsum, schuften und shoppen, besitzen und entrümpeln. Geht es auch anders? Eine Reise zu Menschen, die weniger wollen - und behaupten: Ein gutes Leben kann ganz einfach sein. Hier geht's zur ganzen Geschichte.

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