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Solarworld-Chef Asbeck: "Bin anderen zehn Jahre voraus"

Mit seinem Übernahme-Angebot für Opel hat Solarworld-Chef Frank Asbeck Schlagzeilen gemacht. Wer ist dieser Mann, der innerhalb weniger Jahre seinen Solar-Konzern zu einem Global Player machte? Asbeck hat ungewöhnliche Ideen - und war bei der Umsetzung oft erfolgreich.

An Selbstbewusstsein fehlt es Solarworld-Chef Frank Asbeck nicht. "Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Meist bin ich anderen zehn Jahre voraus", sagte der 49-jährige Unternehmer erst vor wenigen Wochen dem "Handelsblatt". Und sein Stolz ist nicht unbegründet: Praktisch aus dem Nichts baute Asbeck mit Solarworld einen der größten Solartechnik-Konzerne der Welt auf. Nun plant der gebürtige Hagener den Coup seines Lebens. Am Donnerstag kündigte Solarworld ein Übernahmeangebot für den angeschlagenen Autobauer Opel an.

Der bisher ausschließlich in der Solartechnologie aktive Konzern will - so der am Mittwoch vorgestellt Plan - Opel zum ersten "grünen" europäischen Autokonzern weiterentwickeln. Neben der Fortführung der vorhandenen Baureihen soll eine neue Fahrzeuggeneration mit energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben produziert werden. Künftig soll das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen insbesondere Elektro- und Hybridfahrzeuge anbieten. Der Clou dabei: Solarworld will Opel nicht nur umsonst bekommen, sondern sogar noch von General Motors für die Übernahme der Tochter eine "Kompensationszahlung" von einer Milliarde Euro erhalten.

Jeder Mitarbeiter hat Asbecks Handy-Nummer

Es ist eine atemberaubende Idee. Das machen einige wenige Zahlen und Fakten deutlich: Solarworld machte 2007 gerade einmal 700 Millionen Euro Umsatz, die Adam Opel GmbH allein rund 16 Milliarden. Solarworld beschäftigt heute rund 2.500 Mitarbeiter, Opel allein in Deutschland 26.000. Und auch die Firmenkulturen könnten wohl verschiedener kaum sein - nicht nur weil die einen Solarzellen bauen und die anderen Autos. Denn Asbeck ist heute noch stolz darauf, dass jeder seiner Mitarbeiter seine Handy-Nummer hat. Bei Opel dürfte nur ein ausgewählter Kreis die Nummer von Firmenchef Hans Demant kennen.

So ungewöhnlich wie der Plan ist allerdings auch der Unternehmer. Asbeck war Gründungsmitglied der Grünen in Nordrhein-Westfalen, hat aber einen Maserati mit 400 PS in seiner Garage stehen. Er gilt als Genussmensch, der die italienische Küche liebt und Trachtenjacken mit Jeans kombiniert. Von den bei vielen Managern als selbstverständlich geltenden überlangen Arbeitstagen hält er nichts. "Ich habe die feste Auffassung, dass Leute falsch organisiert sind, wenn sie sagen, sie müssten zwölf oder 14 Stunden am Tag arbeiten", sagte er dem "Handelsblatt". Und fügte freimütig hinzu, dass er selbst erst ab 10 Uhr erreichbar sei. "Denn vorher kann ich nicht denken. Da frühstücke ich meistens noch."

Der Börse schien Asbecks Plan am Mittwoch allzu wagemutig. Nach der Ankündigung des Übernahmeplans brach der Kurs der Solarworld-Aktie um zeitweise mehr als 17 Prozent ein. Schließlich versuchen derzeit praktisch alle großen Autokonzerne mit Milliardenaufwand einen Durchbruch zu umweltfreundlicheren Autos zu schaffen. Und ob es dem Bonner Unternehmen wirklich gelingen kann, sich dank seines Solarenergie-Know-hows mit seinen vergleichweise geringen Ressourcen gegen die Konkurrenz durchzusetzen, erscheint zumindest ungewiss. Doch für so einen wie Asbeck ist der Plan nicht untypisch. "Man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein - mit dem richtigen Projekt", sagte er einst.

Ein Händchen für Glücksgriffe?

Sein Auge für Gelegenheiten hat der Selfmademan schon mehrfach bewiesen. Etwa als er im Bosnienkrieg gepanzerte Fahrzeuge an Journalisten vermietete. Vor allem aber als er 1998 rechzeitig zum Boom alternativer Energien Solarworld gründete. Und 2006 als er dem Ölkonzern Shell dessen Solarsparte abkaufte und damit sein Unternehmen zum drittgrößten der Branche weltweit machte. Als "lucky deal" (Glücksgriff) bezeichnete Asbeck damals diesen Coup und hofft wohl auf etwas Ähnliches bei Opel. Schließlich ist er überzeugt: "Man muss dem Glück, das man für Erfolge braucht, die entsprechende Landebahn geben."

Erich Reimann, AP / AP