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Spitzel-Affäre: Die Luft für Mehdorn wird dünn

Es wird eng für Bahnchef Hartmut Mehdorn: Nachdem das Unternehmen eine weitere Überprüfungsaktion unter nahezu allen Bahnmitarbeitern zugegeben hat, werden Rücktrittsforderungen immer lauter. Sollten sich die Berichte bestätigen, "wird sich Herr Mehdorn nach einer anderen Tätigkeit umsehen müssen", sagte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz.

Der Druck auf Bahnchef Hartmut Mehdorn hat sich durch neue Hinweise auf massenhafte Überprüfungsaktionen verstärkt. Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat den Rücktritt des Managers für den Fall gefordert, dass sich Berichte über eine weitere Überprüfungsaktion gegen alle Bahnbediensteten bestätigen sollten. "Wenn das so wäre, wird sich Herr Mehdorn nach einer anderen Tätigkeit umsehen müssen", sagte Wiefelspütz dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), sagte der Zeitung, der Vorgang sei "geeignet, das Ansehen der Bahn weiter zu schädigen". "Und es kann nicht sein, dass sie scheibchenweise mit der Wahrheit herausrückt. Es ist höchste Zeit, dass die Bahn alle Karten auf den Tisch legt," forderte Edathy.

Noch deutlicher wurde der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich: "Mehdorn hat seine letzte Chance vertan." Er forderte die Bundesregierung auf, "öffentlich Stellung zu nehmen und zu erklären, welche Konsequenzen sie ziehen will." Erforderlichenfalls werde die FDP beantragen, dass auch Mehdorn am Mittwoch kommender Woche im Verkehrsausschuss des Bundestages "Rede und Antwort stehen muss".

Zuvor hatte Konzernsprecher Oliver Schumacher bestätigt, dass es nach dem Abgleich von Mitarbeiterdaten in den Jahren 2002 und 2003 auch im Jahr 2005 ein "Screening" gegeben habe. Dieses habe einen ähnlichen Umfang gehabt wie die vorherige Überprüfung, von der 173.000 Mitarbeiter betroffen waren. Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Financial Times Deutschland" meldeten hingegen, 2005 seien alle Mitarbeiter überprüft worden. Die Bahn hat rund 220.000 Beschäftigte.

Der Chef der Bahn-Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, warf dem Unternehmen "katastrophales Krisenmanagement" vor. Eine Personaldiskussion allein um Mehdorn sei derzeit jedoch "wenig hilfreich". Der gesamte Vorstand stehe in der Verantwortung. Deswegen hielten die GDBA und die zweite große Bahngewerkschaft Transnet an einer "zeitnahen" Einberufung des Aufsichtsrates zu einer außerordentlichen Sitzung fest. Dann müssten endlich alle Fakten auf den Tisch kommen und bewertet werden. "Ob das Maß voll ist, werden wir in den nächsten Tagen sehen", sagte Hommel.

Mehdorn selbst wies Vorwürfe zurück, er habe zu den großangelegten Datenabgleichen in seinem Unternehmen nicht vollständig informiert. Sein Verhalten sei "keine Salamitaktik, sondern entspricht dem natürlichen Gang sehr schwieriger Ermittlungen", erklärte er.

Die Bahn selbst hatte am Vorabend mitgeteilt, eine Ausweitung der Datenschutzaffäre sei möglich. Derzeit sei noch kein Ende der Ermittlungen abzusehen, teilte das Unternehmen mit. "Mögliche weitere Vorgänge" seien nicht auszuschließen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters